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Die Karriere des Butjadinger Leitathleten Georg Lammers Beim Bundesturnfest in Stollhamm fing alles an

Lutz Timmermann
Georg Lammers erhielt 1920 beim Bundesturnfest des Butjadinger Turnerbundes in Stollhamm die Siegerurkunde.

Georg Lammers erhielt 1920 beim Bundesturnfest des Butjadinger Turnerbundes in Stollhamm die Siegerurkunde.

Archiv Rüstringer Heimatbund

Butjadingen - Zu jung, zu spät gemeldet. Hätten seine Tränen die Vorstandsmitglieder des Butjadinger Turnerbundes nicht erweicht, wer weiß, ob der Weg von Georg Lammers in die Sprinterweltelite diesen Verlauf genommen hätte.

Unbedingt wollte der 15-jährige, in Sillens geborene Georg Lammers am 28. Bundesturnfest am 18. Juli 1920 in Stollhamm teilnehmen. Doch als er sich die 50 Pfennig Startgeld von den Lippen abgespart hatte, war die Meldefrist schon abgelaufen.

Tränen helfen

Gegen den Willen seines Vaters machte sich Lammers trotzdem am frühen Sonntagmorgen auf den Weg nach Stollhamm – ob zu Fuß oder mit einem geliehenen Fahrrad, darüber gehen die Berichte auseinander. Mutter Minna, geborene Schild, hatte ihm Turnschuhe, Hose und Hemd genäht. Doch vor Ort angekommen, beschied der Veranstalter dem Jungen, dass er zu jung sei für den leichtathletischen Dreikampf aus Lauf, Weitsprung und Schleuderball-Weitwurf. Die Tränen brachten die Wende. Stunden später trat Georg Lammers mit Siegerurkunde und dem Lorbeerkranz auf dem Kopf den Heimweg an. „Ich hatte das erste Mal erlebt, wie es ist, über sich hinauszuwachsen“, sollte er später erzählen.

Nach dem Besuch der Volksschule in Burhave, einer Banklehre und Tätigkeiten beim Amtsgericht Nordenham und bei den Metallwerken Unterweser begann der am 14. April 1905 Geborene eine Ausbildung als Polizeianwärter bei der Ordnungspolizei in Oldenburg. Damit verbunden war auch der Vereinswechsel vom Sportklub Nordenham zum MTV Oldenburg, der Mitglied im Deutschen Turnerbund (DT) war. Das sollte in Lammers‘ späterer Karriere noch eine Rolle spielen.

Als Lammers 1927 in Bremen auf regennasser Bahn bei einem DT-Sportfest die 100 Meter in 10,4 Sekunden lief, höhnte die Sportfachpresse: „Der DT erlaubt sich Unglaubliches. Offenbar haben die Herren den Lauf mit der Turmuhr gestoppt“. Dass er 1932 nicht für die Olympischen Spiele in Los Angeles nominiert wurde, obwohl er wenige Wochen zuvor den Staffel-Weltrekord mitgelaufen war, führte Georg Lammers bei einem Gespräch 1983 mit dem aus Nordenham gebürtigen und 2015 verstorbenen Redakteur der Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), Dr. Klaus Wiborg, auf die Rivalität des Deutschen Turnerbundes mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband zurück. Seine große Zeit als internationaler Sprintstar wurde abrupt beendet.


Polizist im Harz

Als 1934 die Ordnungspolizei aufgelöst wurde, wechselte Georg Lammers von Oldenburg nach Berlin und fand dort neue berufliche und sportliche Aufgaben. Kurz vor den Olympischen Spielen 1936 wurde er damit beauftragt, die deutschen Polizeisportler auf die olympischen Wettkämpfe vorzubereiten, recherchierte Heddo Peters für sein Buch „Geschichten aus dem Rüstringer Archiv“.

Zweimal im Krieg ausgebombt, landete der Hauptmann der Schutzpolizei nach dem Krieg, in dem er auch als Chef der 6. Kompanie des Polizeiregiments 13 in Russland und Polen eingesetzt war, über Wilhelmshaven, Oldenburg und Hildesheim in Osterode im Harz. Hier war er bis zu seiner Pensionierung 1965 als Leiter des Polizeiabschnitts Landkreis Osterode tätig.

1986, nach dem Tod seiner Frau, kehrte Georg Lammers nach Butjadingen zurück und bezog ein Zimmer in einem Seniorenheim in Waddens. Am 17. März 1987 verstarb er im Alter von 82 Jahren. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung, darunter die Olympiadritte von 1928 im Sprint, Leni Thymm, geborene Junker, wurde Georg Lammers auf dem Burhaver Friedhof beigesetzt.

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