Abbehausen - Kopfweiden prägen das Bild der norddeutschen Landschaft. Darüber hinaus haben sie eine nicht zu unterschätzende ökologische Bedeutung. Das wissen auch die Mitglieder der Ortsgruppe Butjadingen im Naturschutzbund (Nabu) Deutschland. Kopfweiden liegen den Naturschützern besonders am Herzen. Daher waren sie jetzt in der Abbehauser Wisch im Einsatz, um eine ganze Allee dieser wertvollen Bäume zu pflegen.
Schnitt erforderlich
Mitgliedern des Nabu war aufgefallen, dass die Weiden am Heeringer Weg zwischen Abbehausen und Moorsee offenbar schon länger nicht mehr geschnitten wurden. Das muss aber regelmäßig sein, damit die Kronen nicht zu schwer werden; ansonsten drohen die gedrungenen, oft über einen Graben ragenden Bäume unter der Last umzuknicken.
Kopfweiden dienten früher vor allem der Gewinnung von Brennholz, Bau- und Flechtmaterial und Viehfutter. Heute erfüllen sie in erste Linie ökologische und landschaftsprägende Funktionen. Die Bäume bieten vielen Tieren einen Lebensraum, vor allem durch ihren hohen Totholzanteil und die zahlreichen Hohlräume, die über die Jahre durch Fäulnis infolge eines Befalls mit Pilzen und Bakterien entstehen. So gelten Kopfweiden als ein wichtiges Bruthabitat für den Steinkauz und viele andere Höhlenbrüter. Sie bieten außerdem Deckung für Säugetiere, vor allem für nachtaktive Arten wie Iltis, Steinmarder und Siebenschläfer sowie auch für verschiedene Fledermausarten.
Alte und dickstämmige Kopfweiden wie die am Heeringer Weg zählen zu den insektenreichsten Pflanzen Mitteleuropas. Sie werden von zahlreichen Totholzbewohnern, darunter seltene Käferarten, besiedelt. Die blühenden Weidenkätzchen sind im Frühling für Bienen eine wichtige Nahrungsquelle. Neben Tieren siedeln sich auch Pflanzen auf Kopfweiden an, vor allem Moose und Flechten. Je älter die Bäume werden, desto mehr steigt ihre Bedeutung als Biotop.
Die Butjadinger Naturschützer wandten sich an die Stadt Nordenham und boten an, für die Kopfweiden am Heeringer Weg eine Patenschaft zu übernehmen. Bei der Stadtverwaltung wie auch bei Rainer Stoffers, Chef des Nordenhamer Bauhofs, rannte der Nabu damit offene Tür ein. Im Stadtgebiet stehen so viele Kopfweiden, dass der Bauhof froh über jede Unterstützung aus privaten Kreisen ist. Die gewähren der Stadt auch Anwohner des Klosterwegs, die dort die letzten Wochenenden vor Beginn der Brut- und Setzzeit ebenfalls nutzen, um Kopfweiden zu beschneiden.
Amtlich besiegelt
Der Nabu hat derweil mit der Stadt Nordenham eine Vereinbarung getroffen, die die Patenschaft über die 22 Kopfweiden am Heeringer Weg schriftlich und amtlich besiegelt und regelt. Nun krempelten die Naturschützer der Butjadinger Gruppe, die teils in Nordenham wohnen, unter der Federführung von Thorsten Röben aus Abbehausen die Ärmel hoch und nahmen sich die Kopfweiden vor.
Die Bäume hatten bereits mächtige, bis zu sechs Meter lange Äste ausgebildet. Die Nabu-Mitglieder hatten also alle Hände voll zu tun, die langen und dicken Äste abzusägen und am Straßenrand abzulegen, von wo sie der Bauhof abholt. Dass viele der Äste im Graben landeten und dort wieder herausgefischt werden mussten, machte die Sache nicht gerade leichter.
So war es, auch wenn mehr als ein Dutzend Helfer dabei waren, mit einem Einsatz nicht getan. Nachdem die Naturschützer ein zweites Mal mit vereinten Kräften am Heeringer Weg tätig wurden, war die Arbeit geschafft. 22 Kopfweiden haben jetzt wieder eine Überlebenschance und können weiter ihre wichtige Funktion für die Natur ausüben. Für die Verpflegung bei den beiden Arbeitseinsätzen sorgten Nabu-Mitglieder, die Brötchen, Tee und Kaffee spendierten. So gab’s jeweils eine Mittagspause, nach der die Helfer frisch gestärkt wieder ans Werk gehen konnten.
