Eckwarden - Aufgeregt recken die Laufenten die Hälse, als würden sie ahnen, was jetzt passiert. Genau wie die beiden Gänse Batida und Coco ahnen sie allerdings falsch. Denn das Futter, das Marion Wagner-Hansen mit einer Schaufel aus einem Behälter schöpft, ist nicht für die Enten gedacht, sondern für Elvis und dessen Artgenossen. Kaum hat die Wahl-Butjadingerin die Körner über den Zaun des Hühner-Geheges geworfen, bedankt sich Elvis auf die Weise, für die seine Rasse bekannt ist: er röhrt wie Tarzan an der Liane, volle 20 Sekunden lang.
Hahn Elvis ist ein Sandschak-Kräher. Sein Sohn heißt Blue; dazu gibt es eine Schar von Hühnern. Die Hündin, die eben noch drinnen bellte und sich nun freut, durch den Garten toben zu können, hört – meistens – auf den Namen Neele. Wenn Karpfen Kuno, ihr Lieblingsfeind, aus dem Teich in die Luft springt, erschrickt sich Neele und tobt noch ein bisschen mehr. Oder sie ärgert eine der neuen Katzen, die in diesem 500 Meter vom Nordsee-Deich gelegenen Paradies ihr Zuhause haben.
1400 Sorten
Ja, keine Frage, Marion und Mario Wagner-Hansen sind äußerst tierlieb. Fast noch mehr lieben sie jedoch ihre Pflanzen, und davon eine Art ganz besonders: Taglilien. Für die 1400 verschiedenen Sorten, die Marion Wagner-Hansen in ihrer Sammlung hat, ist der Garten bis weit über die Grenzen Butjadingens hinaus bekannt.
Vor sieben Jahren kamen die Wagner-Hansens aus Schwalmtal bei Mönchengladbach nach Butjadingen. Sie wollten ans Meer, hatten im Internet ein Haus in Tossens gefunden und kamen auf dem Weg zur Besichtigung an einem 1880 gebauten ehemaligen Tierarzt-Landhaus am Eckwarder Altendeich vorbei. Die Immobilie in Tossens entpuppte sich als Flop, in den Zufallsfund am Altendeich verliebten sie sich.
Was Marion und Mario Wagner-Hansen vor sieben Jahren vorfanden, waren ein Haus, an dem viel gemacht werden musste, und eine 16.000 große Grünfläche, die die Bezeichnung Garten kaum verdiente. Indes: Die Nordrhein-Westfalen wollten viel Land, sie bekamen es, und sie scheuten die Arbeit nicht.
Für interessierte Besucher steht die Gartentür am Eckwarder Altendeich 21 an diesem Sonnabend und Sonntag, 10. und 11. Juli, sowie an den kommenden drei Wochenenden (17. und 18. Juli, 24. und 25. Juli sowie 31. Juli und 1. August) immer von 10 bis 20 Uhr offen. Der Eintritt ist frei.
Gegen eine Spende geben Marion und Mario Wagner-Hansen Taglilien an Besucher ab, außerdem selbstgemachte Gelees und Liköre. Der Erlös geht zu 100 Prozent an den Tierschutz.
Wer den Garten heute betritt, blickt als erstes auf einen großen Teich. Dahinter liegt eine Rasenfläche und dahinter eine Weide, auf der Kühe im Gras liegen. Eine perfektere Idylle lässt sich kaum vorstellen. Und das ist erst der Anfang. Wenn man die Hühner passiert und den Teich umrundet hat, lässt sich erahnen, was noch alles kommt.
Blühende Inseln
Der zweite Teil der 8000 Quadratmeter, die Marion und Mario Wagner-Hansen angelegt haben, ist ein Meer von Blüten. Sie ragen aus Beeten, die wie Inseln zwischen den Wegen liegen. Kein Beet gleicht in seiner Form einem anderen. Und in all die Pflanzen, die dort wachsen, können sich echte Gartenfreunde stundenlang vertiefen.
Die Bepflanzung ist so gewählt, dass irgendwas immer blüht. Besonders spektakulär ist der Garten jedoch in diesen Wochen – den Wochen, in denen die Taglilien blühen. Mit drei solcher Pflanzen, die sie vor 21 Jahren in Schwalmtal kaufte, begann Marion Wagner-Hansens Leidenschaft. Die Sammlung war auf 800 Sorten angewachsen, als das Paar nach Butjadingen zog. Heute sind es 1400 Sorten.
„Ist die nicht prächtig?“ stellt Marion Wagner-Hansen eine rhetorische Frage und zeigt auf eine Blüte, in der die Rot- und Orange-Töne geradezu explodieren. Nach einem Tag ist diese Pracht vorbei – daher heißen Taglilien Taglilien. Ab dann blüht die nächste und dann wieder die nächste. Und irgendwann sind dann auch Johnny Cash und Tante Ju an der Reihe. Taglilien – ihre fast unglaublichen Blüten hat die Natur gemacht. Die Namen haben sich Menschen ausgedacht.
