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NWZonline.de Region Wesermarsch

Obdachlosenheim Nordenham: Eine saubere Lösung in Dreckstagen

07.05.2015

Nordenham „So’n PVC ist halt grau. Da kann man gar nicht gegen anwischen.“ Rudolf Müller schubbert probeweise mit der Schuhsohle über den Bodenbelag und schüttelt den Kopf: Alles in allem eine saubere Geschichte, die der Ordnungsamtsleiter am Mittwochvormittag Sozialausschussvertretern und der Presse da präsentiert.

Ein paar Spinnenweben schmücken die Wände, von den Türen splittert Lack – schöner Wohnen sieht anders aus. Aber das steht auf einem anderen Blatt: „Das ist eine Notunterkunft. Kein Hotel“, sagt Rudolf Müller und führt die Delegation durch die Erdgeschosswohnung für Menschen ohne Bleibe. „Nasszelle mit Dusche, Küche mit Gemeinschaftskühlschrank.“ Wer hier einkehrt, verlangt in der Regel nicht mehr: Seit 1986 bietet die Stadt Wohnungslosen dieses Dach über dem Kopf – als Schlafgelegenheit. Tagsüber hat die von der Diakonie betriebene Unterkunft zu.

Straße als Zuhause

Den Schlüssel hat Peter Bubke. Seit fünf Jahren auch einen fürs Eigenheim. Vorher war die Straße sein Zuhause. „Ging nicht mehr, konnt’ nicht mehr laufen“, sagt er. Der 55-Jährige ist kein Mann der großen Worte. Das mit dem Vagabundenleben hat ihm gefallen. Jetzt, wo er hier Hausmeister ist und die eigene Wohnung hat, muss er zum Gassigehen mit dem Hund raus. „Stressig“, sagt er. Zum Schlafen habe er immer was gefunden. Eine Notunterkunft wie diese allerdings ist in der Wesermarsch einzigartig. „Darauf sind wir schon stolz“, sagt Rudolf Müller. Das lässt er sich nicht nehmen, auch nicht, als sich ein Gast beschwert hat – über die Zustände hier. Dreckig sei es, keine Bettwäsche habe er bekommen. „Angeblich hat dieser Mann im Urlaub sein Portemonnaie verloren und ist nicht mehr nach Hause zurückgekommen“, sagt Zeliha Aykanat.

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Als Vorsitzende des Sozialausschusses besucht das SPD-Mitglied nicht zum ersten Mal die Einrichtung. Neu waren ihr aber die Vorwürfe. Mit seinem Smartphone – das hatte er noch zur Hand – hat der Mann Beweisfotos gemacht: Von Staubflusen, Wollmäusen und der unansehnlichen Küche. „Da hat jemand sein Essen anbrennen lassen“, murmelt Peter Bubke. Das zurückgelassene Chaos würden die wenigsten beseitigen. „Wir haben jetzt alles einmal durchstreichen lassen“, sagt Rudolf Müller.

Zeit hinterlässt Spuren

Ob man da nicht mal eine Reinigungskraft einsetzten könnte, fragt Zeliha Aykanat. „Das geht zu weit“, sagt der Ordnungsamtsleiter. Lieber zeigt er Sozialausschussmitglied Kurt Winterboer die Schlafzimmer. Schließlich hat der nicht alle Tage Gelegenheit, so ein Obdachlosenheim von innen zu sehen: „Wie bei den Soldaten“, sagt der SPD-Angehörige und bestaunt die Stockbetten neben den Spinden. Tatsächlich stammt das Mobiliar aus Bundeswehrbeständen. Bettwäsche übrigens war wirklich Mangelware. „Die hat einer geklemmt“, sagt Peter Bubke, „hab’ schon neue bestellt“. Nicht weg kommt der Klamottenberg, den irgendwer zurückgelassen hat.

Wer kommt, bleibt ein paar Nächte und geht dann seiner Wege. 800 Schlafgäste waren es im Vorjahr. In den ersten drei Monaten 2015 haben 115 Menschen bei Peter Bubke ihren Übernachtungsschein vorgezeigt, den Obdachlose bei der Diakonie-Sozialstation bekommen. Bevor er hier Hausmeister war, hat ein älteres Paar die beiden Mehrbettzimmer verwaltet. Früher gab es eine Gaststätte, wo Wohnungslose für fünf Mark unterkommen konnten, sagt Rudolf Müller. Das war vor seiner Zeit: Seit 1990 begleitet der Ordnungsamtsleiter die Unterkunft. Dreck will er nicht unter den Teppich kehren. Darum hat er zu dem Ortstermin eingeladen. Die Sozialausschussmitglieder finden den Zustand „grundsätzlich in Ordnung“.

Ob man gegen den fleckigen Fußboden oder ein beschmutztes Image anputzen wird, soll besprochen werden.

Lea Bernsmann Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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