Einswarden/Oldenburg - Die Umrüstung tausender Heizungsanlagen auf das neue H-Erdgas in einer bestimmten Frist ist eine große Herausforderung – sowohl technisch als auch logistisch. Da kann schon einmal etwas schief gehen. Aber wen trifft die Schuld, wenn die Geräte am Stichtag nicht umgerüstet sind und in der Folge die Gaszufuhr gekappt werden muss? Darüber streiten sich im Fall mehrerer Mietwohnungen in Einswarden der Oldenburger Energieversorger EWE und die Immobiliengesellschaft Nordwohnen.
H-Gas steht für High Calorific Gas. Dieses Erdgas hat einen vergleichsweise hohen Methangehalt und damit auch einen höheren Brennwert. Mit H-Gas wird Deutschland aus Norwegen, Russland und Großbritannien beliefert.
L-Gas ist die Abkürzung für Low Calorific Gas mit einem niedrigen Brennwert. Es stammt aus Quellen in Deutschland und den Niederlanden. Der Rückgang der L-Gas-Aufkommen macht den Wechsel auf H-Gas notwendig.
Das Atemgift Kohlenmonoxid kann entweichen, wenn die Heizgeräte nicht für den Betrieb mit H-Gas umgerüstet sind. In solchen Fällen muss die EWE aus Sicherheitsgründen die Gasversorgung stoppen.
Während die EWE die Verantwortung ganz klar auf der Eigentümerseite und damit bei Nordwohnen sieht, weist das in Pullach ansässige Immobilienunternehmen die Vorwürfe entschieden zurück. Die Panne in Einswarden, so die Retourkutsche von Nordwohnen, sei auf eine „unzureichende Kommunikation“ durch die EWE Netz GmbH zurückzuführen. Das hat Manuel Trinkgeld als Projektverantwortlicher der Immobiliengesellschaft in einer Stellungnahme zu den Vorgängen deutlich gemacht.
Geräte erneuert
Die Aussage der EWE, die Eigentümergesellschaft habe trotz mehrfacher Aufforderung die Gasgeräte in 40 Einswarder Mietwohnungen nicht anpassen lassen, entspricht laut Manuel Trinkgeld nicht der Wahrheit. Richtig sei stattdessen, dass Nordwohnen schon seit dem Frühjahr mit der EWE wegen der Gasumstellung in Kontakt stehe und die Anschreiben – die zum Teil falsch adressiert gewesen seien – keineswegs ignoriert habe. „Bereits im April hatten wir uns einen Überblick verschafft und die EWE um Stellungnahme gebeten“, betont er, „daraufhin haben wir zu 100 Prozent die Geräte, die uns als nicht anpassbar gemeldet wurden, erneuert.“ Dafür habe die Gesellschaft, die in Einswarden rund 300 Wohnungen besitzt, knapp 300 000 Euro investiert.
Das große Durcheinander ist nach Angaben des Nordwohnen-Projektverantwortliche entstanden, als die EWE Netz GmbH plötzlich Ende September mitteilte, dass bei Überprüfungen vor Ort doch noch Mängel festgestellt worden seien und in mehreren Wohnungen ein Geräteaustausch notwendig sei. Das betraf Mietshäuser an der Wangeroogestraße, Niedersachsenstraße, Friesenstraße und Jedutenstraße.
Zu kurzfristig
Zunächst habe es bei der EWE geheißen, die Gasumstellung erfolge am 17. Oktober. Dann sei der Termin auf den 6. Oktober vorgezogen worden. „Es ist nicht machbar, die Geräte so kurzfristig auszutauschen“, sagt Manuel Trinkgeld und ärgert sich darüber, dass die EWE im Vorfeld „keine klaren Handlungsanweisungen“ übermittelt habe. Außerdem hätten Mieter berichtet, dass die EWE mehrfach vereinbarte Termine für Hausbesuche nicht eingehalten habe.
In wie vielen Wohnungen am Ende tatsächlich die Gaszufuhr gestoppt werden musste, weil die alten Geräte nicht für H-Gas geeignet sind, können weder die EWE noch die Immobiliengesellschaft genau sagen. „Wir gleichen jetzt die Listen ab“, berichtet Manuel Trinkgeld. Ziel sei es, das Problem so schnell wie möglich in den Griff zu bekommen.
Niemand muss frieren
Frieren müssen die Mieter jedenfalls nicht: Die Verwaltungsgesellschaft hat die betroffenen Wohnungen übergangsweise mit Elektro-Heizlüftern ausgestattet. Die Warmwasserversorgung ist – bis auf einen Fall – vom Gas-Stopp nicht berührt, weil sich in den Wohnungen strombetriebene Durchlauferhitzer befinden.
