Wesermarsch - Eine wichtige Verkehrsader im Landkreis Wesermarsch ist seit Sonntagfrüh lahmgelegt. Dass die Eisenbahnbrücke über die Hunte in Elsfleth/Berne-Ohrt beschädigt und zurzeit gesperrt ist, ist für die Landtagsabgeordnete Karin Logemann (SPD) die „schlimmste Nachricht“ für die so wichtige Bahnverbindung. Diese Nord-Süd-Verbindung, das Nadelöhr, sei eine Lebensader für den Schienenverkehr und die einzige Bahnverbindung von Nordenham über Brake, Elsfleth und Berne nach Bremen. „Wenn auch der Personenverkehr zunächst mit Schienenersatzverkehren möglich gemacht werden kann, so sieht es bei dem Güterverkehr anders aus. Die Situation kann für unsere Häfen und Unternehmen existenzgefährdend sein“, betont Karin Logemann.
Stark frequentiert
Seit 2020 plant die DB InfraGO AG nach Karin Logemanns Worten den Ersatz der Brücke als Neubau. Derzeit werde die Zugzahlenprognose 2040 von einem Gutachter des Bundes erstellt. „Ob auf dieser Grundlage möglicherweise ein nachweisbarer Bedarf für eine zweigleisige Strecke besteht, kann frühestens ab Ende des Jahres 2024 untersucht werden“, so die SPD-Landtagsabgeordnete.
Die massive Beschädigung der Eisenbahnbrücke hat auch bei Hartmut Schierenstedt, Bürgermeister der Gemeinde Berne, Betroffenheit ausgelöst. „Wir haben hier im Landkreis Wesermarsch mit der überwiegend eingleisigen Bahnstrecke Hude-Nordenham eine der am meist befahrenen eingleisigen Bahnstrecken Deutschlands“, teilte er auf Nachfrage unserer Redaktion mit.
Die Brückenkonstruktion stamme in Teilen noch aus dem Jahre 1872. Das erste Teilstück der Bahn von Hude nach Brake sei 1873 in Betrieb genommen worden. Die Brücke über die Hunte habe in ihrer langen Geschichte bereits viele Male Kontakt mit der Schifffahrt erleben müssen. Die Brücke sei existenziell wichtig für die Wirtschaft zum Transport von Gütern aber auch für Bevölkerung, um an die Anbindung ans deutsche Eisenbahnnetz zu gelangen. „Wir haben aktuell nur noch die Klappbrücke in Huntebrück, die eine Querung der Hunte mittels Kraftfahrzeug, Fahrrad oder zu Fuß ermöglicht.“
Vorarbeiten gestartet
„Ich war wirklich froh, als die Deutsche Bahn Netz AG vor rund drei Jahren ankündigte, die alte Bahnbrücke zwischen unseren Kommunen Berne und Elsfleth zu erneuern. Die Vorarbeiten sind bereits angelaufen“, so Hartmut Schierenstedt weiter. Die Deutsche Bahn Netz AG sollte eine Übergangslösung bereitstellen, damit Züge wieder die nördliche Wesermarsch anfahren können.
Auch Elsfleths Bürgermeisterin Brigitte Fuchs reagierte betroffen. „Ich hoffe, dass die Brücke schnell repariert wird. Für Pendler bedeutet das einen erhöhten täglichen Zeitaufwand“, sagte sie. Die Stadtverwaltung habe versucht, mit der Nordwestbahn den Schienenersatzverkehr zu verlegen, da der Weg vom Bahnhof bis zur Stadthalle sehr weit ist. Die Gespräche seien gescheitert, weil Gelenkbusse den Elsflether Bahnhof nicht anfahren könnten.
Zudem seien die zu nutzenden Straßen Lasten beschränkt. Der Schienenersatzverkehr von Brake nach Hude liefe jetzt ohnehin über die Haltestelle an der Stadthalle.
Zeitplan erstellen
An diesem Freitag sollen der erste Zeitplan sowie ein Maßnahmenkatalog vorliegen, wie der Verkehr wieder schnellstmöglich über die Eisenbahnbrücke aufgenommen werden kann. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass eine provisorische Brücke nicht für den Binnenschifffahrtsverkehr geöffnet werden kann“, merkte die Bundestagsabgeordnete Christina-Johanne Schröder (Bündnis 90/Die Grünen) an. Das sei dann „leider das kleinere Übel und trotzdem ernsthaft problematisch“, teilte sie mit. Es gilt aber nach ihren Worten, die Anbindung der Häfen schnellstmöglich zu sichern.
Bahn hat Priorität
Mit Blick auf die beschädigte Huntebrücke Elsfleth hatte sich Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) am Montag mit dem Landrat des Landkreises Wesermarsch, Stephan Siefken, den Bürgermeistern Michael Kurz (Brake) und Nils Siemen (Nordenham) sowie Vertretern der Wirtschaft, der Häfen Brake und Nordenham, der Deutschen Bahn und der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr ausgetauscht.
Die Deutsche Bahn hat bereits mit der ersten Bestandsaufnahme begonnen. Nun müsse so schnell wie möglich eine Ersatzbrücke installiert werden, damit die Einbußen für die Wirtschaft so gering wie möglich sind, so Olaf Lies, und weiter: „In der Abwägung hat dabei die Bahn eindeutig Priorität. Denn im Braker Hafen kommen jährlich gut 1,8 Millionen Tonnen mit Güterzügen an, über 650 000 Tonnen werden mit der Bahn abgefahren. Dies sind rund 42 Prozent der Mengen, die über Brake seeseitig ein- beziehungsweise ausgeführt werden.“
