Elsfleth - Der Hang zum Pathos ist ihm offensichtlich fremd. Vor dem letzten Heimspiel der Handball-Saison 2021/2022 am Sonntag, 17 Uhr, gegen den HC Bremen beschreibt Sascha Klostermann die Situation des Elsflether TB im Abstiegskampf der Männer-Oberliga sachlich und nüchtern. „Wir sind in einer guten Ausgangslage“, sagt der spielende Abteilungsleiter. Im Streben nach dem Klassenerhalt habe man alles selbst in der Hand.

Die Situation im Tabellenkeller lädt zwar zu netten „Was-wäre-wenn-Spielchen“ ein – drei Teams plumpsen in die Verbandsliga, sechs Mannschaften schweben noch in Abstiegsgefahr. Aber solche Rechnereien sind in Elsfleth verpönt. Dort lieben die Verantwortlichen die Schönheit der Einfachheit – heißt also: Wenn die Elsflether den HC Bremen bezwingen oder am Dienstag, 20 Uhr, das letzte Saisonspiel bei der SG Achim/Baden gewinnen, spielen sie auch in der kommenden Saison in der Oberliga. Daraus leitet Klostermann die Zielvorgabe ab. „Wir wollen zwei Punkte holen, egal wie.“

Gegen Rotenburg gab’s zuletzt einen Punkt. Man habe gut verteidigt, sagt Klostermann. Außerdem habe sich die Mannschaft viele Chancen sehr gut herausgespielt. Was störte: „Wir haben zu viele Dinger verworfen“, sagt Klostermann, „und das jetzt schon zum dritten Mal in Folge“. Das stellt er einfach nur fest. Sachlich und nüchtern. Das Vertrauen in die eigene Stärke frisst die Aufgeregtheit, auch wenn der ETB am Sonntag ohne Michael Schröder und Ruven Rußler spielen wird.

Vielleicht liegt’s ja auch am Hinspiel-Ergebnis: Mit 30:26 gewann der ETB das Duell Ende April in Bremen. Die Elsflether trotzten damals der Elf-Tore-Show des Bremers Ragnar Diering. Klostermann erwartet erneut einen starken Gegner, der sich im Saisonschlussspurt von einer Personalmisere einigermaßen erholt habe. „Die werden das Spiel mit Sicherheit nicht abschenken“, sagt er.

Geschenke gibt’s nun mal nicht in Deutschlands vierthöchster Spielklasse – dafür aber Gegrilltes nach dem Spiel; auch für die Elsflether Fans. Wer auf dem Platz und auf der Tribüne Schweiß vergossen hat, kann seine Energiespeicher also wieder auffüllen. Sollten die Elsflether den Klassenerhalt dann schon festgezurrt haben, besteht die Chance, sich beim großen Wursteverzehr die eine oder andere Geschichte zu erzählen, die diese Saison geschrieben hat. Dann aber mit viel Pathos. Nüchternheit und Sachlichkeit wären unangebracht.

Wolfgang Grave
Wolfgang Grave Redaktion Nordenham (Lokalsport)