Elsfleth - Sascha Klostermann wählt seine Worte mit Bedacht, wenn er über den 32:30-Sieg der Landesliga-Handballerinnen des Elsflether TB im Testspiel gegen den Oberligisten TV Neerstedt spricht. Er weiß, dass sich jedes Wort auf seine Mannschaft auswirkt. Weil er aber auch ein Mensch ist, der geradeheraus sagt, was er denkt und er zum schlagfertigen Teil der Spezies Mensch gehört, bemüht er einen sprachlichen Kompromiss. „Relativ gut“ sei’s gewesen, sagt er.

Die Motivation des Trainers ist klar: Wenige Wochen vor dem Saisonauftakt am 11. September zu Hause gegen die SG Obenstrohe/Dangastermoor versucht er, Lobgesänge zu vermeiden, zugleich aber den positiven Trend, den er erkannt haben will, in die Öffentlichkeit zu transportieren. Zwar hätten die Neerstedterinnen die Anstrengungen eines Trainingslagers verkraften müssen, sagt er. Aber sein Team sei eben auch nur mit acht Spielerinnen angetreten.

Vielleicht war der Extraschuss Gelassenheit ein Grund für den Sieg. Schließlich hatte Klostermann seinen Spielerinnen mitgegeben, dass sie entspannt spielen könnten und das Ergebnis angesichts der personellen Probleme unwichtig sei.

Spielerisch zeigte seine Mannschaft jedenfalls mehr, als er es erwartet hatte. Wegen des kleinen Kaders habe er sie dazu verdonnert, aufs Tempospiel zu verzichten. Stattdessen setzten die Elsfletherinnen fast nur auf Positionsangriffe. „Das hat gut funktioniert. Damit habe ich nicht gerechnet“, sagt Klostermann, wohlwissend, dass nach dem 40:19-Sieg gegen den Regionsoberligisten HSG Unterweser ein Sieg über ein klassenhöheres Team auch ein Extraschuss Motivation ist.

In Sachen Kadergröße war die Partie gegen Neerstedt eine Anomalie in dieser Vorbereitung. Die Mannschaft umfasst laut Klostermann 15 Spielerinnen. An den Einheiten beteiligen sich durchschnittlich 13 Spielerinnen. „Alle haben Bock, alle sind fit“, sagt Klostermann. Das seien andere Voraussetzungen als vor der vorigen Spielzeit.


Im Vergleich zur Saison 2021/2022 stehen vier neue Spielerinnen im Team. Torhüterin Jana Griepenstroh ist von der HSG Neuenburg/Bockhorn gekommen. Die Rückraumspielerin Karla Rademaker hat zuletzt in der Jugend der TSG Hatten-Sandkrug gespielt. „Karla bringt Größe und einen guten Wurf mit“, sagt Klostermann. Zudem stößt ein Talent aus der eigenen Jugend zum Team: Lina Lissewski. Sie hätte eigentlich mit der B-Jugend in der Landesliga spielen sollen, doch diese Mannschaft musste wegen Personalmangels aufgelöst werden.

Im Gegensatz zu Lina Lissewski bringt Talea Lösekann viel Erfahrung mit. Zwei Jahre lang spielte sie nach ihrem Fortgang vom ETB für den TV Neerstedt in der Oberliga. Anschließend legte sie eine Pause ein. In dieser Saison wird sie ihren Heimatverein immer dann unterstützen, wenn es ihr Beruf zulässt. „So wie sie es hinkriegt, ist sie dabei“, sagt Klostermann. Man hört ihm an, dass er sich über den Extraschuss Routine freut.

Wolfgang Grave
Wolfgang Grave Redaktion Nordenham (Lokalsport)