Elsfleth/Hamburg - Eine wissenschaftliche Biografie über den Elsflether Kapitän Paul Friedrich August Wurthmann (1837-1898) verfasst zurzeit Dr. Heiko Herold. Paul Friedrich August Wurthmann ist der Ur-Ur-Großvater des Historikers, die Biografie ist fast fertig. „Bislang gibt es keine solche Studie für einen Elsflether oder irgendeinen anderen Oldenburger Schiffskapitän“, sagt er. Die Studie werde in der Schriftenreihe des Stadtarchivs Bremerhaven in Kooperation mit dem Schifffahrtsmuseum der oldenburgischen Unterweser in Brake erscheinen.
In Elsfleth geboren
Paul Friedrich August Wurthmann wurde am 28. November 1837 in Elsfleth geboren. Sein Vater Gerhard Wurthmann betrieb eine Werft am Weserufer. Er fuhr viele Jahre zur See auf Elsflether Auswandererschiffen und Frachtseglern. Von Juni 1868 bis Dezember 1881 war er Kapitän auf mehreren Elsflether Segelschiffen: der Schonerbrigg „Musca“ (1868/69), der Schonerbrigg „Inca“ (1869-1873), der Bark „Betty“ (1873/74), und der Bark „Ingo“ (1875-1881). Seine Seereisen führten ihn überwiegend nach Südamerika, in die Vereinigten Staaten und die Karibik, aber auch in viele Regionen Europas, nach West- und Südafrika, Südostasien und in die Südsee.
Direktor bei „Union“
Anfang der 1880er Jahre zog Wurthmann mit seiner Familie nach Bremerhaven. Im Januar 1884 trat er die Stelle als Betriebsdirektor der Bugsiergesellschaft „Union“ an, der damals größten Schleppschifffahrtsgesellschaft auf der Weser. In seiner fast zehnjährigen Amtszeit erschloss Wurthmann der „Union“ mehrere neue Geschäftsfelder. Dazu zählte auch die Hochseefischerei. 1888 ließ er die Schlepper „Diana“ und „Reform“ zu Fischdampfern umbauen. Sie waren der zehnte und elfte Fischdampfer, die reichsweit in Dienst gestellt wurden. Er zählt damit zu den Pionieren der Dampfhochseefischerei im Deutschen Reich. Zur gleichen Zeit gründete er mit Julius Wieting und einigen anderen Reedern den später einflussreichen Dampf-Seefischerei-Verein „Unterweser“.
Heiko Herold ist promovierter Historiker mit dem Spezialgebiet Schifffahrts- und Marinegeschichte. Seine Doktorarbeit hat er an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf über die Kreuzergeschwader der Kaiserlichen Marine geschrieben. Beruflich ist er seit vielen Jahren als Kommunikationsmanager tätig.
Der Historiker erhofft sich Hinweise auf relevante Unterlagen, die sich noch in Privatbesitz befinden: Briefe von/an Wurthmann, Bilder von den Segelschiffen, auf denen er gefahren ist, besonders der Schonerbrigg „Musca“ (Baujahr 1863), der Schonerbrigg „Inca“ (Baujahr 1865), der Bark „Betty“ (Baujahr 1855) sowie der Bark „Ingo“ (Baujahr 1875), deren Kapitän er war. Vor allem jedoch hofft er auf ein Foto von Wurthmann selbst, daser bislang nicht finden konnte.
Für Rückfragen ist der Historiker zu erreichen unter: Dr. Heiko Herold, Wasmannstraße 17, 22307 Hamburg, Mobil 0151-61112822; E–Mail: Heiko_Herold@gmx.de
Fischdampfer-Reederei
Wurthmanns Amtszeit als Betriebsdirektor der „Union“ endete im Sommer 1893. Zu dieser Zeit bereitete er schon die Gründung seiner eigenen Fischdampfer-Reederei vor, die unter dem Namen „P. Aug. Wurthmann“ firmierte. Sie hatte ihren Sitz in Bremerhaven. Von 1894 bis 1896 ließ Wurthmann vier Fischdampfer auf der Seebeckwerft bauen, die er alle in Geestemünde stationierte: P.G. 39 „Paul“ (1894), P.G. 41 „August“ (1894), P.G. 50 „Eva“ (1895) und P.G. 55 „Herbert“ (1896). Wurthmann war Korrespondentreeder der Fischdampfer. Deren Bau finanzierte er, wie damals üblich, durch den Verkauf von Schiffsparten.
Neue Fangflotte
Wurthmann starb am 30. Dezember 1898 in einem Krankenhaus in Bremen. Sein Neffe Johann Diedrich Segebade führte die Reederei weiter, gemeinsam mit Wurthmanns Sohn Johann Nicolaus August, dem Urgroßvater von Heiko Herold. Später bildete Wurthmanns Fangflotte zusammen mit zwei anderen Fischdampfern den Grundstock der Norddeutschen Hochseefischerei AG, die Segebade im Juli 1907 gründete.
Nachlass verbrannt
Der Nachlass von Paul Friedrich August Wurthmann ist im Hamburger Feuersturm 1943 verbrannt. Anhand von Archivmaterial aus regionalen und überregionalen Archiven hat Heiko Herold seine Biografie fast vollständig aufarbeiten können. Er hofft nun auf ein Foto seines Vorfahren.
