Elsfleth - Wer am Samstag ab 19.30 Uhr in der Anfangsformation der Oberliga-Handballer des Elsflether TB nach Simon Bodenstab Ausschau hält, sucht vergeblich. Auch der Blick auf die Bank wird umsonst sein. Wer sich das Spiel hingegen auf der Online-Plattform Twitch anschaut, wird ihn hören können: Zusammen mit Martin Kositz analysiert er das Heimspiel gegen den Tabellenführer HSG Nienburg. Bodenstab hat am vorigen Spieltag seine vorerst letzte Partie für den ETB bestritten. Ihn zieht es aus beruflichen Gründen nach Hannover. Künftig wird er wieder für seinen Heimatverein TSV Daverden die Bälle ins Netz werfen – wenn es der Job zulässt.

Der 25-jährige Rückraumspieler freut sich auf den neuen Lebensabschnitt. Doch er wäre auch gerne eine komplette Spielzeit durch die Hallen der Oberliga Nordsee gerannt, sagt er. In dieser Saison hat er zweimal das Elsflether Trikot getragen, in der abgebrochenen vorigen Saison dreimal.

Bevor er zum ETB gewechselt sei, habe er 15 Jahre lang für den TSV Daverden gespielt, erzählt er. Vor dem Schritt in das neue Umfeld habe er großen Respekt gehabt. „Es war schon schwer für mich, aus meiner Komfortzone herauszukommen“, sagt er. Aber die Ehrfurcht verschwand bald. „Ich habe früh gemerkt, dass es menschlich keine Unterschiede gibt. Elsfleth ist wie auch Daverden ein Dorfverein.“ Das meint er im besten kameradschaftlichen Sinne: Seine Mitspieler hätten ihm die Integration leicht gemacht. „Die Jungs kennen sich alle seit einer Ewigkeit und haben Lust auf Handball“, sagt er.

Mit Daverden spielte er zuvor eine Klasse tiefer in der Verbandsliga. „Das Niveau in der vierten Liga ist schon ein anderes“, sagt er. Das Spiel sei flotter. Er habe seine Entscheidungen wesentlich schneller treffen müssen. „Außerdem bin ich nicht mehr so einfach durchgekommen.“

Er musste auch lernen, um Einsatzzeiten zu kämpfen. In der vergangenen Saison sei er mit seinen Spielanteilen nicht ganz zufrieden gewesen, räumt er ein. Schließlich habe er in Daverden teils bis zu 60 Minuten gespielt. Aber in dieser Saison habe sich seine Situation verändert.


Nicht nur deshalb bedauert Teamkollege Sascha Klostermann Bodenstabs Wechsel. „Simon ist ein offener Mensch und hat immer für gute Laune gesorgt. Ich hatte das Gefühl, dass er jetzt auch spielerisch bei uns richtig angekommen ist“, sagt er. Auch Bodenstab findet’s schade, dass jetzt alles vorbei sei. „Ich möchte die Erfahrung nicht missen und werde auch häufig zurückgekommen.“

Seinen sportlichen Abschied feierte er in der vergangenen Woche äußerst stilvoll: mit seinem ersten Oberliga-Tor. Warum es nicht mehr Tore geworden sind? Er grübelt. „Das ist wohl eine Kopfsache“, meint er. „Ich hatte schon darüber nachgedacht, auch gegen Nienburg mitzuspielen, wenn ich kein Tor geworfen hätte“, sagt er, lacht und prophezeit seiner Ex-Mannschaft eine gute Saison. „Ich traue den Jungs zu, dass sie so weitermachen und am Ende nicht zittern müssen“, sagt er. Gegen Nienburg wollen sie den nächsten Schritt machen. Bodenstab wird sie dabei begleiten. Als Kommentator eines Spitzenspiels.

Wolfgang Grave
Wolfgang Grave Redaktion Nordenham (Lokalsport)