Elsfleth - Claus-Dieter Müller hat in diesen Tagen alle Hände voll zu tun. In einem „katastrophalen Zustand“, so seine besorgniserregende Einschätzung, befänden sich teilweise die Fahrräder der Schülerinnen und Schüler an der Grundschule Elsfleth. Und das kann böse Folgen haben: Falsch eingestellte Bremsanlagen, fehlende Klingeln oder defekte Lichter sind schließlich immer wieder die Ursachen für Verkehrsunfälle – insbesondere dann, wenn Kinder die Fahrräder lenken.
Da kann man von Glück reden, dass es Menschen wie Claus-Dieter Müller gibt. Seit sechs Jahren genießt der gebürtige Elsflether zwar sein Rentnerdasein, nachdem er in Hude für das Unternehmen Amazone gearbeitet hatte. „Ich engagiere mich aber gerne für die Kinder und die Jugendlichen“, sagt er. Beispielsweise während der derzeit laufenden Verkehrserziehungswochen in der Grundschule an der Alte Straße 1.
Hobby-TÜV
Im Rahmen dieser Aktionstage lassen die Kinder ihre Fahrräder wieder auf Herz und Nieren prüfen. Nur in den seltensten Fällen kommen sie ohne Beanstandungen durch den „Hobby-TÜV“. Kleinigkeiten wie eine neue Klingel oder funkelnde Katzenaugen hat Claus-Dieter Müller schnell montiert, mitunter ist aber auch die gesamte Lichtanlage hinüber. Solche Fälle schickt der Rentner dann doch lieber zum Fahrrad-Fachhandel.
Dass sich Claus-Dieter Müller in Elsfleth die Hände schmutzig macht, ist einem Zufall zu verdanken. Denn eigentlich erledigt er den wichtigen Job an einer Grundschule in Berne. Davon bekam Rektorin Karen Freels aber Wind, sie fragte kurzerhand beim Rentner nach – und der lehnte die Bitte aus Elsfleth natürlich nicht ab.
Karen Freels liegen die Verkehrserziehungswochen an ihrer Schule am Herzen. Denn die Reparatur der Drahtesel ist die eine Sache, mindestens genauso wichtig ist aber das Verhalten im Straßenverkehr. Um die 196 Schülerinnen und Schüler darauf vorzubereiten, lassen sich Karen Freels und ihre Kollegen immer wieder tolle Ideen einfallen.
Turnier und Fun-Days
Gerade erst fand das Geschicklichkeitsturnier statt, bei dem die Kinder mit dem Fahrrad einen gar nicht so einfachen Parcours meistern mussten. Am Ende der Verkehrserziehungswochen (1. und 2. Juli) stehen als Belohnung die „Fun-Days“ an. Da dürfen die Kinder den Parcours auch mit Rollern oder Inlinern durchfahren. Das ist besonders für die Kinder der ersten und zweiten Jahrgangsstufe, die noch nicht so sicher auf dem Fahrrad sind, ein Spaß.
Die Verkehrserziehungswochen spielen sich aber natürlich nicht nur auf dem Schulgelände ab. Je nach Alter wird den Kindern auch praktisches Wissen für den Alltag vermittelt. Die Jüngeren lernen etwa, wie man sich an einer Ampel verhält und mit den Blicken Kontakt zu Autofahrern aufnimmt. Die Älteren hingegen trainieren das sichere Verhalten mit dem Fahrrad in der Stadt.
Schöne Abwechslung
„Grundsätzlich gibt es die Verkehrserziehungswochen in jedem Jahr. Die Übungen bauen dann aufeinander auf“, erklärt Karen Freels. Die Aktionstage seien auch wichtig, da die Kinder wegen der Corona-Restriktionen lange Zeit auf Erlebnisse wie den Museumsbesuch oder die Deichwanderung verzichten mussten.
Und wenn alle Prüfungen gemeistert, die technischen Mängel behoben und die Verkehrserziehungswochen beendet sind, erhalten die Schülerinnen und Schüler auch ihre eigene Plakette. Als Beweis für eine rege Teilnahme an diesen besonderen Tagen.
