Lemwerder - „Wir wollen doch alle nur das Beste für unsere Kinder und für Lemwerder. Was wird daraus ohne die Basis Schule?“, fragten Elternsprecherin Tatjana Winterboer und Ute Volbers in Lemwerder. Um ein Zeichen zu setzten und um zu zeigen, dass noch immer um den Erhalt der Eschhofschule gekämpft wird, hatten sie nach Absprache mit dem Landkreis eine Lichterkette organisiert. Bürger aller Altersgruppen hatten sich in Höhe des Rathauses auf beiden Seiten der Stedinger Straße aufgestellt.
Unmut zeigen
Mit Lichterketten, Laternen, Windlichtern, Plakaten und vor allem mit Abstand und Masken machten sie ihrem Unmut über eine mögliche Zusammenlegung ihrer Oberschule mit der in der Nachbargemeinde Berne Luft. Ohne die derzeitigen Corona-Fälle im Ort wären es bestimmt noch mehr Teilnehmer gewesen, war sich Tatjana Winterboer sicher. Letztendlich sei jedoch das Anwahlverhalten der Eltern, die ihre Kinder überwiegend zum Gymnasium schicken, ein Grund für die aktuelle Lage. Dabei habe die Eschhofschule mit ihrer guten Ausstattung und der engen, technisch orientierten Zusammenarbeit mit den örtlichen Betrieben den Kindern viel zu bieten.
In Berne liege der Schwerpunkt eher im Sozialen, sagt Günter Naujoks, der fürchtet, dass das Technische bei einer Zusammenlegung wegbrechen würde. Mit CDU-Ratsherr Wolf Rosenhagen und Grünen-Ratsfrau Antje Warnken reihte sich der ehemalige SPD-Ratsherr in die Menschenkette ein. „Das Problem ist, dass Statistiken oft zu kurz gesehen werden. Es müsse angesichts aktuell steigender Kinderzahlen möglich sein, Durststrecken zu überwinden. Es ist aber auch schwierig, an kleinen Schulen allen Kindern gerecht zu werden“, weiß Warnken, die als Delmenhorster Lehrerin die hohen Belastungen kennt, die die Lemwerderaner Kollegen zu bewältigen haben.
Rosenhagen mahnte, dass sich die Landesschulbehörde aus ihrer Komfortzone heraus bewegen und kleine Schulen besser bei der Ausstattung mit Lehrern berücksichtigen müsse. Die Situation sei wirklich keine einfache, sagt Karin Logemann, die als SPD Landtagsmitglied die Diskussion mit in den politischen Raum Hannover genommen hatte. Sie verweist auf die große Herausforderung der Verwaltung von kleinen Schulen. Den Vorschlag, die Fünft- und Sechstklässler weiterhin in Lemwerder zu unterrichten und den Standort als Außenstelle zu betreiben, findet sie interessant, weil so alle Türen offen blieben, wenn die Schülerzahlen wieder nach oben gehen.
WEitere Wege
Für Magnus, Noah, Ben, Mattes und Tim ist das keine Option. Die Achtklässler demonstrierten mit einem Banner für den Erhalt ihrer Schule. Ein Schulwechsel so kurz vor dem Abschluss bedeutet für die Jungen neben früherem Aufstehen, größeren Klassen, neuen Lehrern und Mitschülern auch durch die weiteren Wege den Verzicht auf den Vereinssport am Nachmittag. Den sehen auch andere Eltern in Gefahr. Besonders hart wäre es für Tim, erklärten seine Eltern. Nach einem Artikel in der Zeitung hatte die in Bremen-Nord lebende Familie ihren Sohn in der Eschhofschule angemeldet. Seit rund zwei Jahren fährt der Achtklässler seitdem jeden Tag mit dem Rad über die Fähre und fühlt sich sehr wohl in Lemwerder. Der Besuch der neunten Klasse in Berne wäre für ihn jedoch nicht zu bewältigen.
Durch die verstärkte Anwahl des Gymnasiums sinke dort das Niveau, war ein weiteres Argument. Eine Oberschule mit gymnasialem Zweig, den Austausch von Lehrern oder gemeinsame Nachmittagsangebote mit dem benachbarten Gymnasium würden die Eltern hingegen als Kompromiss begrüßen.
