Brake/München/Rönnelmoor - „Müssen wir uns das gefallen lassen? Sind wir dagegen machtlos?“ Gudrun Reinecke aus Brake ist fassungslos. Die 78-Jährige hat gerade das Fernsehprogramm in der TV-Beilage der Nordwest-Zeitung studiert und festgestellt, dass der hochgepriesene Krimi von Ferdinand von Schirach „Feinde“ zeitgleich am Sonntag, 3. Januar, ab 20.15 Uhr, in sage und schreibe neun Programmen läuft.
Verlorene Vielfalt
„Das ist doch unmöglich. Was soll das. So geht doch die Vielfalt verloren“, klagt die Frau, die aus Hagenow in Mecklenburg-Vorpommern stammt und seit 2004 in Brake lebt. Flugs startet sie eine Unterschriftenaktion, um gegen eine solche Bevormundung der Zuschauer zu protestieren. Gerichtet an „alle Krimigegner und alle mit dem Programm Unzufriedenen“ fragt sie bei ihrer Einleitung zur Unterschriftenaktion, ob es nicht ein bisschen viel sei, dass neun Sender zeitgleich einen und denselben Krimi zeigen – wenn auch aus zwei verschiedenen Perspektiven (siehe Info-Box).
Während Gudrun Reinecke sich ärgert, freuen sich die Programmverantwortlichen auf ein ganz besonderes TV-Event. „Zwei Fernsehfilme mit unterschiedlichen Perspektiven auf einen Kriminalfall im Ersten, in allen Dritten Programmen und bei „One“ gleichzeitig auszustrahlen, ist ein einmaliges Experiment, erstmalig in der 70-jährigen Geschichte der ARD“, antwortet Natalie Beji vom ARD-Presseservice auf Anfrage dieser Redaktion.
Ethische Frage
Hinter dem dramatischen Fall stecke eine nicht leicht zu beantwortende, ethische Frage von gesellschaftlicher Relevanz: „Recht oder Gerechtigkeit? Gelten Gesetze für jeden und zu jeder Zeit? Oder gibt es Ausnahmesituationen, die es gerechtfertigt erscheinen lassen, Gesetze zu überschreiten? Wir wollen dieser Thematik mit dieser einmaligen Event-Programmierung die größte Aufmerksamkeit verschaffen“, entgegnet Natalie Beji und weist so die Kritik von NWZ-Leserin Grudrun Reinecke zurück.
Alternativen gesucht? Tipps aus Netflix, Amazon und Co im Podcast PrimeFlixNow!
Die ARD-Zuschauerredaktion betont gegenüber unserer Redaktion, dass dieses TV-Event ein absoluter und einmaliger Ausnahmefall sei.
Auf die Zuschauerquoten ist man in der Wesermarsch besonders gespannt, bekanntlich hat Bjarne Mädel jüngst in Rönnelmoor gedreht.
