Neuenbrok - Seit ihrer Jugend liebt Edith Koschnick den Liederzyklus „Die schöne Müllerin“ von Franz Schubert. „Mir war immer klar, dass ich dieses Werk unbedingt einmal singen möchte“. Edith Koschnick hat nun ihren langjährigen Wunsch nach vielen Jahren umgesetzt. In der vollbesetzten Neuenbroker „Klecksklause“ sang sie die Lieder des verliebten und schließlich zu Tode betrübten Müllerburschen, einfühlsam und professionell begleitet von ihrer Pianistin Dana Dulska. Edith Koschnicks selbst entworfenes und stimmiges Bühnenbild war so gestaltet, dass abgesehen von der Klavierbegleitung auch die weiteren Sinne angesprochen wurden: es fehlten weder die „blauen Blümelein“ noch das Mühlrad. Und das Plätschern des Baches untermalte alle 20 Zyklen des berühmten Werkes, dessen Text auf einer Gedichtsammlung von Wilhelm Müller (1821) basiert.
Eine uralte Geschichte
Inhalt der Textvorlage ist die uralte Geschichte des Liebens und des nicht Wiedergeliebtwerdens: Auf seiner Wanderschaft und auf Arbeitssuche stößt ein junger Müllergeselle auf einen Bachlauf, der ihn zu einer Wassermühle führt. Er findet sowohl eine Anstellung als auch eine schöne Müllerstochter, in die er sich sofort heftig verliebt. „Jetzt hüpft mein Herz und soll es ewig bleiben!“ Diese Sequenz wird lautstark singend vom Publikum unterstützt. Scheint die Schöne seine Zuneigung anfangs zu erwidern, entscheidet sie sich doch anders. Sie bevorzugt einen stattlichen Jäger, stark und immer bereit seine Liebste vor allen Widrigkeiten des Lebens zu beschützen.
Schwindende Chancen
Seine schwindenden Chancen werden dem Wandergesellen ganz klar. Als er mit der Müllerin an seiner Seite romantisch schwärmend unter dem kühlen Erlendach auf den Bach hinausschaut, holt ihn seine Angebetete kühl und realistisch auf den Boden der Tatsachen zurück: „Es kommt ein Regen, ade, ich geh nach Haus!“ Ganz originell: Das Lied, in dem er aus Enttäuschung seine Klampfe an den Nagel hängt, „singt“ eine Handpuppe. In der Folge verfällt der sensible Müllerbursche in tiefste Depressionen und sieht keinen anderen Ausweg, als sich im Bach zu ertränken.
Ein kühles Flussbett
Im letzten Lied wird der Bach zur teilnehmenden Figur. Er nimmt den jungen Mann in seinem kühlen und nassen Bett für die Ewigkeit auf. Dieser Abschluss des Liederzyklus, in dem Edith Koschnick in die Rolles des Baches schlüpft, war besonders eindrucksvoll und berührend: Das in tiefstes Blau getauchte Bühnenbild gestaltete sich als eindrucksvollste Szene der gesamten Aufführung.
In der vollbesetzten Neuenbroker „Klecksklause“ sang Edith Koschnick die Lieder des verliebten und schließlich zu Tode betrübten Müllerburschen, einfühlsam und professionell begleitet von ihrer Pianistin Dana Dulska.
Evelyn Eischeid
In der vollbesetzten Neuenbroker „Klecksklause“ sang Edith Koschnick die Lieder des verliebten und schließlich zu Tode betrübten Müllerburschen, einfühlsam und professionell begleitet von ihrer Pianistin Dana Dulska.
Evelyn Eischeid
In der vollbesetzten Neuenbroker „Klecksklause“ sang Edith Koschnick die Lieder des verliebten und schließlich zu Tode betrübten Müllerburschen, einfühlsam und professionell begleitet von ihrer Pianistin Dana Dulska.
Evelyn EischeidAuch wer kein Freund der romantisierenden Sprache des frühen 19. Jahrhunderts und sich nicht unbedingt als Schubert-Fan fühlt: Edith Koschnicks Gesang, Schuberts Komposition, die immer der jeweiligen Stimmung des Protagonisten entspricht, die eigenwillige und gelungene Inszenierung – alles zusammen ermunterte viele Gäste, sich mit den Werken des früh verstorbenen Komponisten einfach mal näher zu beschäftigen.
