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Braker Chefarzt über Krebsvorsorge „Frauen haben ein besseres Gesundheitsbewusstsein als Männer“

Ein Mitarbeiter betrachtet in einem Kontrollraum des Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) das Querschnittsbild einer Prostata.

Ein Mitarbeiter betrachtet in einem Kontrollraum des Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) das Querschnittsbild einer Prostata.

dpa

Brake - Die Aussage des Braker Onkologen Dr. Thorsten Austein wird den meisten Männern vermutlich missfallen. „Frauen denken stärker an die Vorsorge und haben ein besseres Gesundheitsbewusstsein“, behauptet der Chefarzt des St. Bernhard-Hospitals. Die Gründe für das unterschiedliche Verhalten der Geschlechter kann der Mediziner nur erahnen, die (fehlende) Auswahl an Vorsorgemöglichkeiten dürfte aber keine Rolle spielen. Welche Untersuchungen sind allerdings überhaupt sinnvoll? Und ab wann sollten die Menschen sie in Anspruch nehmen?

Frauensache

Die bekannteste Form der Vorsorge ist für Frauen die Mammographie. Diese radiologische Untersuchung ist nach aktueller Studienlage insbesondere für Frauen zwischen 50 und 70 Jahren sinnvoll und wird in diesem Alter auch alle zwei Jahre von den Krankenkassen bezahlt. In der Regel werden diese Frauen sogar schriftlich von den Krankenkassen an die Untersuchung erinnert. Laut Austein ist es zudem sinnvoll, dass Frauen bereits im jüngeren Alter ihre Brüste nach Knoten abtasten.

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Eine andere, nach Ansicht des Mediziners sehr sinnvolle Untersuchung ist die des Gebärmutterhalses. Diese Vorsorge ist bereits für Frauen ab 20 Jahren möglich – und zwar jährlich. „Seit der Einführung dieser Untersuchung wurde ein deutlicher Rückgang der Erkrankungen festgestellt“, sagt Austein: „Das ist eine sehr gute Untersuchung.“ Und vor allem eine unkomplizierte mittels Abstrich.

Männersache

Die einzige Form der Vorsorge, die sich ausschließlich an Männer richtet, ist die Untersuchung der Prostata. Die sogenannte Palpation der Prostata gehört zum Katalog der Kassenleistung zur Früherkennung von Krebs und wird Männern ab 45 Jahren jährlich empfohlen. Der Urologe untersucht während der Kontrolle auch den Hodensack und die Hoden sowie Lymphknoten beispielsweise in der Leistengegend.

Ein Problem im Vergleich zur Mammographie ist, dass die Männer die Termine selbst auf dem Schirm haben müssen. Sie werden von den Krankenkassen nicht daran erinnert – was möglicherweise ein Grund für die geringere Vorsorge-Quote ist.

Für Sie und Ihn

Die Vorsorgeuntersuchungen zur frühzeitigen Erkennung von Haut- und Darmkrebs sollten laut Austein Frauen und Männer gleichermaßen in Anspruch nehmen. Bei der Hautkrebsvorsorge, die ab 35 alle zwei Jahre möglich ist, geht es vor allem um die Erkennung von Melanomen. Wenn diese rechtzeitig identifiziert werden, sei die Erkrankung kurativ „sehr gut angehbar“, sagt Austein. Häufig werden die betroffenen Stellen zunächst nur teilweise entfernt, ins Labor geschickt und erst nach definitiver Krebsdiagnose komplett herausgeschnitten.


Eine Sonderform ist die als Darmspiegelung bekannte Koloskopie, die ohne besondere Beschwerden ab 55 und dann erst nach zehn Jahren wieder sinnvoll ist. Bei dieser Untersuchung schaue der Spezialist nicht explizit nach Krebs, sondern nach Polypen, erklärt Austein. Diese Krebs-Vorstufe würde direkt entfernt – weshalb Krebs durch Polypen gar nicht erst entstehen kann und die Anzahl der Erkrankungen stark sinke. Denn 90 Prozent der Krebserkrankungen würden sich über Polypen entwickeln, sagt Austein.

Besonderheit Lungenkrebs

Dass eine Lungenkrebs-Vorsorge hingegen sinnlos ist, erklärt der Chefarzt mit dem schnellen Wachstum dieser Krebsform. Theoretisch wäre es möglich, dass ein Screeningverfahren ohne Auffälligkeiten bliebe, der Krebs aber schon drei Monate später gestreut hätte. Die Vorsorge muss in diesem Fall also anders ablaufen.

„Die meisten Menschen, die an Lungenkrebs erkranken, sind Raucher“, sagt Austein. Seiner Meinung nach ist es nie zu spät, mit dem Rauchen aufzuhören. Untersuchungen hätten gezeigt, dass Raucher nach fünf Jahren ohne Glimmstängel das gleiche Lungenkrebs-Risiko aufwiesen wie Menschen, die noch nie geraucht hatten.

Nicolas Reimer
Nicolas Reimer Thementeam Polizei/Justiz
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