Frieschenmoor - Leenert Cornelius und Karsten Padeken stehen in Frieschenmoor auf der Brücke, in der die Dornebbe zum Braker Sieltief wird. Hinter den beiden Geschäftsführern des neuen Windparks Ovelgönne drehen sich zwölf leistungsstarke Windkraftanlagen, die jetzt allesamt ans Netz gegangen sind.
Die zwölf Anlagen vom Typ E 126 EP4 sind jeweils 198,5 Meter hoch und bringen eine Maximalleistung von 4,2 Megawatt. „Pro Jahr können hier je nach Wind bis zu 135 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt werden. Das würde nach Adam Riese für mehr als 33 000 Haushalte reichen “, rechnet Karsten Padeken im NWZ-Gespräch vor.
In das Projekt in Frieschenmoor – es handelt sich um einen der modernsten Windparks in Europa – wurden insgesamt 82 Millionen Euro investiert. Allein eine Windkraftanlage vom Typ E 126 EP4 kostet rund 5,1 Millionen Euro. Die Rotorblätter der Anlange drehen sich maximal elf Mal pro Minute.
Die Windkraftanlagen in Frieschenmoor sind von den Bundesstraßen 211 und 212 sehr gut sichtbar. Doch überraschenderweise handelt es sich beim Windpark Frieschenmoor um einen Windpark ohne jeglichen Gegenwind. Beim Bau des benachbarten Windparks in Bollenhagen hatte es im Vorfeld von den Bürgern wesentlich größere Bedenken und Einwände gegeben. Dort wurden zum Beispiel die Höhen der Anlagen und die Zahl der ursprünglich geplanten Anlagen mehrfach reduziert. Kritik gab es in Bollenhagen auch vor der Gründung der Anlagen. So wurden Grundwasserabsenkungen beim Bau und Schäden an den Häuser in direkter Nachbarschaft befürchtet.
Warum solche Kritik in Frieschenmoor ausblieb, können die beiden Geschäftsführer schnell erklären. „Wir haben von Anfang auf die ganz großen und vollumfänglichen Umweltverträglichkeitsprüfungen gesetzt und alle ins Boot geholt“, sagen Cornelius und Padeken.
Die Idee, in Frieschenmoor einen Windpark zu bauen reifte bereits im Jahr 2009. Schon damals wurden viele Gespräche geführt. 18 direkt Beteiligte, die allesamt aus dem direkten Umfeld stammen, darunter 13 Landwirte, haben das Projekt vorangetrieben. Zudem hatten alle Ovelgönner Bürger die Möglichkeiten, sich über Sparkassenbriefe am Projekt zu beteiligen.
Der neue Windpark kann mit einigen technischen Raffinessen glänzen. So soll bis Ende des Jahres eine bedarfsgerechte Befeuerung erfolgen, deren Steuerung über den bereits installierten Radarturm in Strückhausen erfolgen wird.
Um den Fledermaus-Flug beobachten zu können, sind in den Anlagen so genannte Horchkisten installiert, die Fledermäuse gegebenenfalls erfassen und entsprechende Abschaltungen einleiten. Und auch beim Grünschnitt können einzelne Anlagen je nach Bedarf abgeschaltet werden, um nach Beute suchende Weißstörche nicht zu gefährden.
Der erzeugte regenerative Strom wird über das neue Umspannwerk an der Wilhelm-Rahden-Straße ins Netz gespeist. „Auch nach dem Aus des Atomkraftwerks Unterweser steht ja zum Glück eine entsprechende Leitungsinfrastruktur weiter zur Verfügung“, sagt Karten Padeken.
Offiziell eingeweiht werden soll der Windpark Frieschenmoor mit einem Tag der offenen Tür im Spätsommer. Zudem soll eine Infotafel, die die Daten des Parks präsentiert, aufgestellt werden.
