Brake - Die Theoriestunden im Schulungsraum, das Anfahren an der Kaje, die Fragen des Prüfers: Friedo Röben erinnert sich noch ganz genau an seine Führerscheinprüfung vor einem Dreivierteljahrhundert. „Ein Kinderspiel“ sei das alles nach heutigem Ermessen gewesen, sagt der Braker – der am 1. Mai seinen 90. Geburtstag feierte und am 18. Juli 1948 den Lappen erhalten hatte.
Dieser befindet sich 74 Jahre später noch in einem überraschend guten Zustand. Die Schrift ist zwar ein wenig verblasst und der rote Aufdruck „ungültig“ gibt zu erkennen, dass Röben damit durch keine Verkehrskontrolle mehr kommen würde. Das ist aber auch völlig irrelevant, denn hinter das Steuer setzt sich der ehemalige Bäcker ohnehin nicht mehr.
„Kein Autofahren“
Immer wieder sei schließlich von solchen Vorfällen mit betagten Personen als Verursacher zu lesen. Abgesehen davon schreckt ihn aber auch die fortschreitende Technik ab. Beispielsweise könne Röben den Fahrzeugen mit Automatik-Getrieben überhaupt nichts abgewinnen, da das „einfach kein Autofahren“ sei.
Getriebeprobleme
Im Sommer 1948 war das freilich noch ganz anders gewesen. Röben erinnert sich, dass er zehn Fahrstunden in einem Drei-Gang-Opel absolvieren musste, obwohl er das Fahrzeug schon problemlos steuern konnte. „Sie alter Schwarzfahrer“, habe sein damaliger Fahrlehrer gesagt – wohl wissend, dass der junge Friedo ohne offizielle Erlaubnis heimlich geübt hatte.
Während der praktischen Prüfung kam es trotz der besonderen Vorkenntnisse dennoch zu Problemen, denn plötzlich musste Röben in einem Vier-Gang-Auto durch Brake fahren. Zwar gab es keine Ampeln und im Vergleich zu heute praktisch keinen Verkehr. Beim Anfahren an der Kaje schaltete er aber versehentlich einmal vom vierten in den zweiten Gang. Den Lappen bekam er letztlich trotzdem – allerdings mit etwas Verzögerung.
Acht Mark fehlen
Am Tag der Prüfung sollte Röben die 108 Mark für Führerschein und Lehrstunden bezahlen. Dummerweise hatte er nur 100 Mark dabei, weshalb sein Fahrlehrer den Führerschein zunächst entgegennahm und ihn an Röben übergab, nachdem dieser die restlichen acht Mark geholt hatte.
Überhaupt sei das Verhältnis zwischen Fahrschüler und -lehrer gut gewesen, berichtet Röben.
Während der Theorieprüfung wollte der Prüfer unter anderem wissen, wann es denn erlaubt sei, andere Autos zu überholen. Röben kam zunächst nicht auf die Antwort – bis sein Fahrlehrer im Rücken des Prüfers eine eindeutige Geste machte und Röben antwortete: „Wenn die Straße breit genug ist!“
Glück im Unglück
Viele Jahre später war bei einem Überholvorgang zwar die Straße breit genug, ein vorausfahrender Landwirt aber nicht ausreichend aufmerksam. Als Röben ausscherte, bog der Landwirt mit seinem Traktor plötzlich ab. Es kam zu einem schweren Crash, den Röben und seine Frau glücklicherweise ebenso unverletzt überlebten wie einen anderen Unfall mit einem Lkw.
Die zwei Vorfälle haben sich bis heute fest in das Gedächtnis von Röben eingebrannt, wenngleich er feststellen möchte: „In beiden Fällen war ich unschuldig.“
