In der St.-Nicolai-Kirche am Nicolaiplatz finden nicht nur regelmäßig Gottesdienste statt, so wie an diesem Sonntag (Abendgottesdienst mit Lektorin Birgit Osterloh, Beginn um 19 Uhr);, sondern auch viele Konzerte. Zum Tag des offenen Denkmals etwa hat Dr. Rainer Nothbaum von der Gemeinde zur „Stunde der Musik“ eingeladen, außerdem gab es in der Kirche auch wieder einmal ein Konzert mit der Harfenistin Assia Cunego aus Sandstedt.

Die Künstlerin hielt ihr Publikum in Atem, nicht zuletzt, weil sie immer wieder Sonderwege beschreitet. Professoren lehrten sie beispielsweise, dass die 1 im Takt nach unten dem Schritt folgt; sie fand aber ihren eigenen Stil: die 1 im Takt sollte nach oben abheben und so entsteht wie von selbst eine neue musikalische Leichtigkeit.

Ihr großartiges Eröffnungsspiel zeigte sich zunächst in der Fantasie in c-moll von Ludwig Spohr (1784-1859). Mit dem Harfenkonzert in 3 Sätzen von Georg Friedrich Händel in B-Dur op 4 No. 6 hatte Cunego ein sehr bekanntes Werk ausgewählt, das diesmal aber in ganz neuer musikalischer Spannung und spielerischer Leichtigkeit wahrzunehmen war.

Der aus England stammende Komponist Edmund Rubbra (1901-1986) schuf sein „Pezzo ostinato“ als sehr einprägendes Motiv, bestehend aus nur 4 Takten, die ständig variieren. Der Höhepunkt allerdings war dann der große „Canto ostinato“ von Simeon ten Holt (1923-2012), ursprünglich komponiert für das Klavier.

Assia Cunego hat erstmalig dieses Stück für die Harfe frei bearbeitet. Eine großartige Wirkung, die den Hörer mitnahm auf eine musikalische Zeitreise. Jegliches Zeitgefühl entschwand im Zauber der Klänge. Brillant und ausdrucksstark, souverän und mit äußerst hoher Konzentration spürte der Hörer die unbändige Spielfreude. Ein gelungenes Konzert, bei dem der Zauber der Harfe noch lange nachwirkte.


Nun bereitet die Kirchengemeinde die Einweihung des neuen Gemeindezen-trums am Sonntag, 4. Oktober, vor.