Lemwerder/Berne - Was kann man machen, wenn die ärztliche Versorgung in Gefahr gerät? Ein Thema, das besonders in Lemwerder durch die Schließung einer der drei Hausarztpraxen gerade an Aktualität gewonnen hat. Das Ausweichen der Patienten ins Umland ließ auch Arztpraxen in Berne an ihre Grenzen stoßen.
Um zu sehen, wie man zukunftsorientiert mit der Situation umgehen kann, hatte die SPD-Landtagsabgeordnete Karin Logemann zu einem Runden Tisch eingeladen. Daran nahmen neben ihr noch Jens Wagenknecht, stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbands, Oliver Kamlage, Geschäftsführer vom Städte- und Gemeindebund, Dr. Sainab Egloffstein, Vertreterin der Kassenärztlichen Vereinigung, Martin Hilse, Dienststellenleiter der Johanniter Unfallhilfe, sowie Ärzte und Ärztinnen aus Lemwerder und Berne, die Bürgermeister und Ratsvertreter teil.
Herausforderungen
Das Durchschnittsalter der Ärzte und Ärztinnen ist aktuell 54 Jahre. Da sei die Notlage absehbar, wenn es nicht gelinge, jüngere Mediziner in die Gemeinden zu holen, war der Konsens. Eine immer größere Rolle spiele dabei die Work-Life-Balance, hieß es. Nach nächtlichen Bereitschaftsdiensten, zu denen Ärzte verpflichtet sind, morgens in der Praxis mit dem normalen Tagesgeschäft weiterzumachen, sei eine Herausforderung. Viel Zeit für Familie bleibe da oft nicht.
Wichtig sei es darum, die Arbeitsplatzattraktivität zu erhöhen, mahnte Hilse. Ein Überbietungswettbewerb seitens der Gemeinden sei allerdings nicht gewollt, denn der finanzielle Aspekt sei für junge Mediziner nicht ausschlaggebend, betonte Dr. Sainab Egloffstein.
Hilse berichtete von dem seit 2018 laufenden Projekt der Johanniter mit der Kassenärztlichen Vereinigung. Dabei soll erforscht werden, wie Bereitschaftsdienste entlastet werden können. Ende dieses Jahres endet das Projekt, bei dem auf eine Anschlussfinanzierung zur Fortführung gehofft wird. Hilses Erfahrung ist, dass für viele Hilfesuchende außerhalb der Sprechzeiten der Filter fehle. Oft wissen sie nicht, wer die richtige Anlaufstelle sei. Hierbei habe sich die Telemedizin bewährt, so die Erfahrung.
Steiniger Weg
Ein Arzt muss immer mehr Menschen versorgen. Er braucht da Assistenz, die ihn entlastet. Gut ausgebildetes medizinisches Personal könne viele Routinearbeiten abnehmen, schlug Jens Wagenknecht vor. Oliver Kamlage mahnte, dass es nicht bei 190 Studienplätzen bleiben könne. Zwölf Jahre dauere es, bis die Absolventen bereit für den Berufseinstieg seien.
Er bemängelte außerdem die fehlenden Steuerungsmöglichkeiten im System, damit sich Mediziner nicht nur in den Ballungsräumen niederlassen, sondern auch in Gebieten mit unzulänglichem öffentlichem Nahverkehr. Außerdem kritisierte er, dass die Weiterbildungsermächtigung noch nicht gelöst sei. „Die starren Regularien lassen selbst Experten scheitern“, pflichtete ihm Wagenknecht bei.
