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Sturmflut 1962 in der Wesermarsch Blanker Hans gurgelt unter den Sohlen

HAYENWäRF - Das Wasser habe nur eine Handbreit an der Kante des Deichkopfes in Sehestedt gestanden, erinnert sich Gustav Heinrich Jericho an seinen Einsatz bei der Sturmflut auf den Tag genau vor 50 Jahren. „Es lag ein seltsames Brausen in der Luft. Das war ein bösartiger Ton“, sagt er. Das kabbelige Wasser schwappte unter seine Schuhsohlen. Es sei in dieser Nacht nicht stockdunkel gewesen, der Mond habe für ein diffuses Licht gesorgt. „Die Kameraden konnte ich sehen“, merkt Gustav Heinrich Jericho an.

Im Alter von 19 Jahren stand der gebürtige Westfale (1942) aus dem Forsthaus Heidebach im Wittgensteiner Land als Soldat auf dem Deich beim Schwimmenden Moor in Sehestedt und dichtete mit seinen Kameraden den Deich ab, so gut es eben ging. Vielen sei die Gefahr nicht bewusst gewesen, sagt er. Die meisten Soldaten seiner Einheit seien im Ruhrgebiet groß geworden und hätten die Küste vorher noch nie gesehen. Sie seien recht unbekümmert gewesen. „Als Westfale und Naturmensch, der aus dem Wald kommt, spürte ich die Gefahr vielleicht mehr als sie, wenn das Wasser unter meinen Füßen gurgelte“, erzählt der 69-Jährige, der mit seiner Frau Eva-Maria, die aus Hamm in Westfalen stammt, seit 1978 in Hayenwärf wohnt.

Alarm in Oldenburg

In der Nacht vom 16. auf den 17. Februar waren die Soldaten von Oldenburg aus in die Wesermarsch aufgebrochen, um eine Katastrophe zu verhindern. Beim Alarm wurden sie auf Lkw verfrachtet, mit Stiefeln, dicken Jacken und Pullovern im Gepäck.

Seit dem 11. November 1961 war Gustav Heinrich Jericho in der Huntestadt stationiert. Einen Teil seiner Ausbildung hatte er im Raum Bocholt absolviert und während dieser Zeit eine Überschwemmungskatastrophe in Nordrhein-Westfalen miterlebt. Er ahnte also, was auf die Menschen in der Wesermarsch zukommen könnte, sollte der Blanke Hans sich Bahn brechen.

Die Soldaten einer Flugabwehr-Raketeneinheit Nike (FlaRak 24) gaben ihr Bestes. Sie arbeiteten bis zur körperlichen Erschöpfung und füllten die großen Auskolkungen, welche die Sturmflut verursacht hatte, mit Sandsäcken. Eine koordinierte Aktion habe er damals nicht erkennen können, so Gustav Heinrich Jericho weiter. Am nächsten Tag sei man dann wieder nach Oldenburg abgerückt.


Gebürtiger Westfale

Der gebürtige Wittgensteiner blieb als Zeitsoldat bei der Bundeswehr, die das neue Waffensystem Nike einführte. Auf dem Flugplatz in Oldenburg waren erste Einheiten aufgebaut worden. Seine Einheit, FlaRak 24, wurde in Elsfleth aufgestellt. Und so kam Gustav Heinrich Jericho am 21. September 1964 wieder in die Wesermarsch. Die Kaserne habe sich in Lienen, die Raketenstellung in Moorriem befunden, sagt er.

Nach seiner Dienstzeit schlug der passionierte Jäger die Inspektorenlaufbahn ein und blieb in der Wesermarsch. Als er auf dem Deich gegen das Wasser ankämpfte, hatte er sich das sicherlich nicht vorstellen können.

Ulrich Schlüter
Ulrich Schlüter Redaktion Brake
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