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Bernerin reitet mit Multipler Sklerose Ihre Siege sind hart erkämpft

Hiddigwarden - Nicht aufgeben. Weitermachen, auch wenn das Schicksal Hindernisse auftürmt, die erst einmal unbezwingbar erscheinen. Das könnte das Lebensmotto von Silvia Logemann sein. Die 43-Jährige ist Reiterin und nimmt seit Jahren erfolgreich an internationalen Dressurturnieren im Para-Sport teil.

Der Kampf zurück

1993 wurde bei ihr Multiple Sklerose festgestellt. „Ich habe mit Pferden zu tun, seit ich zwei Jahre alt bin. Den Reitsport wollte ich nie aufgeben“, sagt sie. Und das hat sie auch nicht getan. Im Gegenteil. Silvia Logemann ist heute Profisportlerin, trainiert im Landeskader Nordrhein-Westfalen und ist international erfolgreich. Wenn sie von Trainingsplänen, Lehrgängen und Plänen für ihre sportliche Zukunft redet, ist kaum vorstellbar, dass sie nach einem schweren Schub vor sieben Jahren nahezu bewegungsunfähig war.

„Ich konnte nur an die Decke gucken. Mit guten Medikamenten ging es mir dann nach Monaten wieder besser. Die Ärzte sagten, ich solle in die Reha, doch ich entschied mich dafür, es wieder mit dem Reiten zu versuchen“, berichtet sie. Vier Mann waren damals nötig, um sie auf ein Pferd zu setzen. „Mein Therapiepony Falco und ich haben uns vieles gemeinsam zurückerarbeitet. Es ist bewiesen, dass Reiten bei Multipler Sklerose eine ideale Therapie ist. Dieses Pony ist bis heute mein Herzenspferd“, sagt Silvia Logemann, die sonst nicht zu Sentimentalitäten neigt, berührt.

Para-Reitsport

Um an Paraturnieren teilnehmen zu können, benötigt man zunächst eine Klassifizierung der eigenen Behinderung. Dazu kann man sich an das DKTHR (Deutsches Kuratorium für Therapeutisches Reiten) wenden. Die Klassifizierungen werden von speziell ausgebildeten Fachärzten durchgeführt. Je nach Schwere des Handicaps werden der Reiter oder die Reiterin in eine von fünf Kategorien eingestuft. Da Silvia Logemann ab der Hüfte abwärts in den Beinen kaum etwas fühlt, ist sie im Grad 1 A eingestuft.

In ihrer Klasse war Silvia Logemann mit ihrem Vorgängerpferd neben vielen Erfolgen sogar schon auf der Longlist für die Paralympics in Rio de Janeiro 2016. Mit ihrem neuen Pferd muss sie sich nun auch neu für den Kader qualifizieren und durchläuft gerade die im Para-Sport wichtigen Sichtungen im Nachwuchskader.

Der perfekte Schritt

Mit Biss hat sie sich ihre Bewegungen zurückerkämpft. Sie kann sich auf kurzen Strecken zu Hause auch ohne Rollstuhl bewegen. An ihrer Seite steht immer ihr Mann Hartmut Logemann. Er unterstützt seine Frau bei ihrem Sport.

Trotzdem trifft Silvia Logemann ihre Entscheidungen als Sportlerin auch mal allein, zum Beispiel bei der Auswahl des richtigen Pferdes. „Mein jetziges Pferd heißt Kurt. Ich reite ihn erst seit eineinhalb Jahren“, erzählt sie. Schon auf den ersten Blick habe sie das Besondere des Tieres erkannt. „Er hat einen guten Schritt“, sagt sie. Das ist wichtig, weil sie ausschließlich in dieser Gangart reiten kann.

„Ich habe mich durchgesetzt. Wir mussten ihn noch ausbilden, auch in der Zusammenarbeit mit mir als Reiterin. Und jetzt geht es für uns steil nach oben“, sagt sie stolz.


Sie ist mit Kurt, der eigentlich Neandro heißt, in diesem Jahr in Holland auf einem Turnier angetreten. Logemann startet für den Landesverband Nordrhein-Westfalen, dort trainiert sie regelmäßig, ebenso im Bundesnachwuchskader in Warendorf.

Der große Auftritt

Das Pferd muss sich im Zusammenspiel mit Silvia Logemann ganz auf seine Reiterin konzentrieren. „Ich sitze nicht ganz gerade und kippe leicht zur Seite. Das muss das Tier lernen. Ich reite mit zwei Gerten, um die Schenkelhilfen zu ersetzen. Und ich habe geschlossene Steigbügel, aus denen ich nicht herausrutschen kann, denn ich habe in den Füßen und Beinen kein Gefühl“, erklärt die 43-Jährige.

„Kurt muss sich immer auf meine Tagesform einstellen“, sagt sie. Das Schritt-Reiten in den hohen Klassen erfordert viel Konzentration. „Die Richter sehen bei diesem Tempo jeden kleinsten Fehler“, erläutert Silvia Logemann.

Auf dem Abreiteplatz und auch zu Hause reitet ihr Mann Kurt. „Er muss in allen Gangarten trainiert werden. Ich kann das nicht und muss mir meine Kraft auch gut einteilen“, weiß die 43-Jährige. Denn sie hat sich noch viel vorgenommen.

Friederike Liebscher
Friederike Liebscher Redaktion Oldenburg
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