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NWZonline.de Region Wesermarsch

Hier gibt es keine Verlierer

05.11.2016

Burhaversiel Reichlich Trubel herrschte am Freitagvormittag im Ferienzentrum der Awo-Sano Nordsee gGmbH in Burhaversiel. Zu den zahlreichen Urlaubern, die sich derzeit im Haus am Deich aufhalten, gesellten sich rund 60 geladene Gäste, die an der offiziellen Eröffnungsfeier für die im großen Stil sanierte Einrichtung teilnahmen. 4,5 Millionen Euro sind in das Haus geflossen.

In seiner Eröffnungsrede hob Geschäftsführer Michael Bauer hervor, dass die Awo-Sano seit 20 Jahren soziale Einrichtungen baue beziehungsweise umbaue, aber in Burhaversiel auf besondere bauliche Herausforderungen gestoßen sei. Das erste Müttergenesungsheim Deutschlands, das 1920 von der Arbeiterwohlfahrt eingerichtet worden war und das davor eine Gaststätte beherbergt hatte, war durch Umbauarbeiten von den 50er bis in die 80er Jahre immer mehr in die Höhe und Breite gewachsen. Die letzten Investitionen lagen 16 Jahre zurück.

Da überrascht es, dass die Grundsanierung für rund 4,5 Millionen Euro gerade mal neun Monaten Zeit in Anspruch nahm. Michael Bauer dankte allen Beteiligten für ihr Engagement – den Zuwendungsgebern, den Bauunternehmen aus der Region, den Mitarbeitern vor Ort und vor allem dem Einrichtungsleiter Lutz Poppe.

Integrativer Betrieb

Grußworte von Butjadingens stellvertretender Bürgermeisterin Martina Geberzahn, von Landrat Thomas Brückmann und von Hans-Joachim Heuer als Vertreter des niedersächsischen Sozialministerium folgten. Anschließend hatten die Gäste die Möglichkeit, in kleinen Gruppen das nach dem Umbau komplett barrierefreie Haus mit den neu gestalteten 42 Zimmern und Appartements zu besichtigen und in zwangloser Atmosphäre zu klönen.

Die Awo-Sano beschäftigt derzeit in Burhaversiel 16 Mitarbeiter, von denen die Hälfte eine Schwerbehinderung hat. „Das ist die Voraussetzung für einen integrativen Betrieb“, erklärte Claudia Baude, die in der gemeinnützigen Gesellschaft ebenfalls als Geschäftsführerin fungiert. „Unsere Mitarbeiter hier sind alle sehr motiviert und zeigen ständig Präsenz.“

So auch Corinna Molitor, die vor vier Jahren aufgrund einer Erkrankung erblindete und seit Juli an der Rezeption des Ferienzentrums arbeitet. Für die gelernte Kauffrau für Bürokommunikation war eigens eine spezielle Sprachsoftware am PC eingerichtet worden. Trotzdem muss die 24-Jährige viel improvisieren. Aber das funktioniert gut, und sie fühlt sich an ihrem neuen Arbeitsplatz und im Team sehr wohl. „Ich finde es mutig von Herrn Poppe, dass er mir diese Chance eingeräumt hat. Viele Arbeitgeber glauben leider, dass Blinde das alles nicht bewältigen können“, sagt sie.

Diese Erfahrung teilt auch Timo Witt, der in Detmold das integrative Hotel Elisabeth betreibt und als Geschäftsführer des Verbunds der Embrace Hotels der Awo-Sano bei der Planung und Vorbereitung des integrativen Betriebs mit Rat und Tat zur Seite gestanden hat. „Wir müssen immer besser sein als die Konkurrenz“, hat er festgestellt. Denn vielfach herrsche noch immer der Irrglaube vor, dass die Leistungen Behinderter grundsätzlich schlechter seien als die von Menschen ohne Beeinträchtigungen.

Welt nicht einteilen

Es gehe nicht darum, die Welt in Gewinner und Verlierer zu teilen, betonte Timo Witt. Der Westfale ist davon überzeugt, dass gerade auch der von einem hohen Fachkräftemangel gekennzeichnete Gastronomiebereich für Menschen mit Handicap äußerst zukunftsträchtig sei.

In Burhaversiel ist schon jetzt eine Aufstockung des Personals für das Frühjahr 2017 angedacht. Denn die Einrichtung, die Einzelpersonen, Familien und Gruppen mit und ohne Behinderung einen kostengünstigen Urlaub an der Nordsee ermöglicht, kann nach der Grundsanierung bereits eine äußerst positive Bilanz ziehen. Seit der Wiederaufnahme des Betriebs im Sommer ist das Familienferienzentrum komplett ausgebucht. Und für 2017 sehen die Belegungszahlen laut Dieter Poppe ebenfalls schon sehr gut aus.

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