Niens/New York - Von der kleinen Gemeinde Butjadingen hoch oben an der deutschen Nordseeküste dürften die meisten Menschen in den USA noch nie etwas gehört haben. Seit dem vergangenen Samstag wissen aber zumindest die Leser der New York Times, wo Butjadingen liegt – und dass es dort einen ganz besonderen Ort gibt. Unter der Überschrift „Where Cows are in charge“ (Wo Kühe das Sagen haben) berichtet das US-Blatt, das es mit seiner Wochenendausgabe auf eine Druckauflage von mehr als einer Million Zeitungen bringt (plus vier Millionen Online-Abonnenten), über Hof Butenland.
Nachdem die Geschichte am Samstag in den Staaten gelaufen ist, wird sie an diesem Dienstag auch in der internationalen Ausgabe der New York Times zu lesen sein.
Film läuft in Korea
Medienrummel sind Karin Mück und Jan Gerdes, die Betreiber des Kuhaltersheims in Niens, gewohnt. Fernsehsender geben sich bei ihnen die Klinke in die Hand. Als der Film „Hof Butenland“, der von ihrem Leben und ihrer Arbeit handelt, in die Kinos kam, fanden sich die Butjadinger bei der Promotion-Tour in vielen Städten Deutschlands auf dem roten Teppich wieder; inzwischen läuft der Dokumentarstreifen des Münsteraner Filmemachers Marc Pierschel international, darunter in Kanada, Korea und Chile.
Die New York Times fehlte bislang noch. Diese Lücke ist nun geschlossen. Autorin des ganzseitigen Artikels ist Melissa Eddy, die für die US-Zeitung als Korrespondentin in Berlin sitzt und im Juni für zwei Tage auf Hof Butenland zu Gast war. Kurz vor ihrer Abreise nach Butjadingen hatte sie noch den CDU-Bundesvorsitzenden und Kanzlerkandidaten Armin Laschet interviewt. Dann folgten Karin Mück und Jan Gerdes. Begleitet wurde Melissa Eddy von der Fotografin Lena Mucha, die weltweit mit der Kamera unterwegs ist.
Zu ihren Auftraggebern gehören National Geographic, GEO, die Washington Post, das Wall Street Journal, Der Spiegel, die ZEIT und eben auch die New York Times. Die aus Oldenburg stammende Lena Mucha, war es, die Melissa Eddy auf die Idee gebracht hatte, eine Geschichte über Hof Butenland zu schreiben.
„Windiges Flachland“
„Auf dem windigen Flachland der deutschen Halbinsel Butjadingen, die in die Nordsee hineinragt“, wie es im Artikel heißt, schauten die Reporterin und die Fotografin hinter die Kulissen, ließen sich die Entstehungsgeschichte des Hofs Butenland und die Geschichten seiner beiden Betreiber erzählen, mischten sich unter die Kühe, Schweine, Pferde und Hunde, die auf Butenland gleichberechtigt mit den Menschen leben.
Dass die beiden Journalistinnen an dem Ort zu Gast waren, an dem Tiere keinerlei wirtschaftlichen Zwecken dienen müssen, sondern einfach leben dürfen, ist jetzt einen Monat her. Die aus dem mittleren Westen der USA stammende Melissa Eddy schwärmt gleichwohl noch heute von Hof Butenland. Sie bezeichnet den Flecken Erde, an dem sie nach einer denkbar hektischen Anreise zwei Tage lang eine nicht mit Stille zu verwechselnde Ruhe fand, als einen „Glücksort“.
Es ist ein Ort, der etwas gemacht hat mit der Reporterin. Bis zum Besuch auf Hof Butenland war für Melissa Eddy Cappuccino ein Grundnahrungsmittel. Seit sie Karin Mück und Jan Gerdes kennt, trinkt sie ihren Kaffee nur noch schwarz.
Viel Resonanz und Lob
„Für mich ist klar, wenn wir die Erde retten wollen, dann müssen wir aufhören, Tiere zu benutzen und zu konsumieren“, wird Jan Gerdes in dem Artikel zitiert. Und weiter: „Wir haben die wirtschaftliche Macht, um eine Veränderung herbeizuführen, aber wir müssen es auch wollen.“
Aus den USA gibt es viel Resonanz auf Melissa Eddys Geschichte. Karin Mück und Jan Gerdes, deren Arbeit ohnehin weltweit ein positives Echo findet, sind in E-Mails aus den Vereinigten Staaten mit Lob und Dank nur so überschüttet worden.
