Butjadingen - Fünf bis acht Millionen Euro will die Firma Cable Service GmbH in Butjadingen investieren. Das hat Silas Bittmann, der Geschäftsführer des Unternehmens, bei der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Bauwesen und Landwirtschaft angekündigt.
Das Glasfaserunternehmen aus Holdorf will im März in Burhave, Fedderwardersiel und Tossens mit der Interessenbekundung für ihr Angebot zum Ausbau eines schnellen Internets beginnen. Bittmann stellte zusammen mit Vertriebsleiter Mark Schaumburg den Ausschussmitgliedern die Pläne für den Ausbau vor, bei dem Cable Service in Konkurrenz zur EWE treten würde. Die EWE ist vom Landkreis mit dem Breitbandausbau betraut worden.
3000 „weiße Flecken“
In einem 1. Ausbauprojekt waren auch in Butjadingen bereits einige Glasfaserkabel verlegt und Anschlüsse hergestellt worden. Für das 2. Ausbauprojekt wurden kreisweit über 3000 „weiße Flecken“ ermittelt, die meisten davon in der Flächengemeinde Butjadingen. Das sind Haushalte, die mit weniger als 30 Mbit/s Internetgeschwindigkeit auskommen müssen. Oder um es mit Bürgermeister Axel Linneweber zu sagen: „Wo fast gar nichts ankommt“. Mit Mbit/s wird die Geschwindigkeit verschiedener Geräte bezeichnet, die mit Daten hantieren.
Das Problem der schlechten Internetversorgung in Außenbereichen Butjadingens war auch bei der Einwohnerfragestunde ein Thema. Klaus Müller wollte von der Firma wissen, ob das schnelle Internet ihn auch in der Seeverenser Wisch erreichen werde oder ob „wir weiterhin einsam vor uns hin wohnen müssen“. Ratsfrau Claudia Cornelius (CDU) aus Blexerwisch erklärte, sie gehöre auch zu den Adressen außerhalb des Projektgebietes. Unser Hof ist mit einer sieben Kilometer langen Kupferleitung an das Telefonnetz angeschlossen, „wir telefonieren noch analog“.
Die Ratsfrau bechrieb eindrucksvoll die Bedeutung des schnellen Internets. 35 Jahre lang hätte sie auf ihrem Hof in Blexerwisch auch Ferienwohnungen angeboten. „Wenn die Urlaubsgäste auf den Hof vorfuhren und die Kinder aus dem Auto sprangen, „war die erste Frage: Wo ist das Pony? Heute wird zuerst gefragt: Wie lautet das Passwort für das W-LAN?“.
Nur eine Festnetznummer hat Familie Cornelius derzeit. Wenn sie faxen möchte, müsste sie das Telefon dafür extra umstellen. „Wer macht das heute noch?“, fragt Claudia Cornelius. Die Telekom hatte 2021 den ISDN-Anschluss eingestellt. Eine Möglichkeit, einen Internetanschluss über das Erdkabel zu bekommen, gebe es nicht. Mittlerweile gehen Cornelius über eine Funkverbindung ins Internet. „Aber wir sind die, die Hoffnung haben“, setzt die Ratsfrau große Erwartungen in das 2. Breitband-Ausbauprojekt des Landkreises. Es soll nach Angaben von Bürgermeister Axel Linneweber im 2. Quartal beginnen.
Jetzt sollen „95 Prozent dieser wirtschaftlichen Adressen“, so Butjadingens Bürgermeister Axel Linneweber, kostenlos angeschlossen werden. Das betrifft in Butjadingen 659 Haushalte. Eine Feinplanung für dieses 2. Ausbauprojekt liegt im Rathaus in Burhave noch nicht vor, „kommt aber hoffentlich bald auf den Tisch“, sagt Axel Linneweber. Viele der unterversorgten Adressen finden auch das Interesse der Glasfaserausbaufirma aus Südoldenburg. Linneweber freut sich über deren Antritt, denn schnelles Internet sei ein Standortvorteil. Je schneller, desto besser.
Nach Butjadingen ist Cable Service durch den Auftrag der Berliner Helma Ferienimmobilien GmbH gekommen, deren Ferienhäuser am Meidgrodenweg in Tossens mit schnellem Internet zu versorgen. Handelt es sich hier um nur rund 20 Immobilien, so soll Cable Service auch das Nordsee-Ressort in Burhave mit knapp 150 Ferienwohneinheiten mit WLAN ausstatten.
„Referenzprojekt“
Sollten mindestens 40 Prozent der Haushalte in Burhave, Fedderwardersiel und Tossens Interesse an schnellen Anschlüssen haben, könnte ein Generalunternehmer im Auftrag von Cable Service im April oder Mai mit den Arbeiten beginnen, sagte Bittmann im Bauausschuss. Beendet sein sollen sie dann im Herbst. Ausschussvorsitzender Ralf Töllner (CDU) aus Langwarden nannte das einen „sportlichen Plan“. Bei geringfügig unter dieser „wirtschaftlichen Quote“ liegendem Interesse sei man gesprächsbereit, sagte der Geschäftsführer im Bauausschuss. Für Cable Service ist Butjadingen „ein Referenzprojekt“, ließ der Geschäftsführer wissen.
Vertriebsleiter Markus Schaumburg warb damit, dass das Unternehmen seine Kunden bei dem Wechselprozess von einem anderen Anbieter unterstützen und eine kostenlose Zwischenversorgung anbieten werde, bis der Vertrag bei dem alten Anbieter ausgelaufen ist.
Wo es Gewinner gibt, sind auch Verlierer zu beklagen. Das werden in Butjadingen 27 Adressen in äußersten Randlagen sein. Für sie ein Glasfaserkabel bis in das Haus zu verlegen, würde die Gemeinde eine Million Euro kosten, sagte der Bürgermeister. Denn die Herstellung dieser Anschlüsse werde weder vom Bund, noch vom Land oder vom Landkreis bezuschusst.
