Reitland - Nach dem deftigen Bauernschwank „Mien Hoff, dien Hoff“ entführt die Speelschar Reitland ihre Zuschauer im nächsten Stück in eine ganz andere Welt, nämlich ein muffiges Mietshaus. Schon der Titel ist witzig: „Döör an Döör mit Alize“ erinnert an „Living next Door to Alice“. Wer das Stück sieht, fühlt sich aber nicht an den größten Hit der Band Smokey vor rund 40 Jahren erinnert, sondern an zwei Klassiker des plattdeutschen Theaters: „Sluderkram in‘t Treppenhus“ von Jens Exler und „Keen Utkamen mit‘t Inkamen“ von Fritz Wempner.
Drogen und Schwarzgeld
Und tatsächlich: „Döör an Döör mit Alize“ ist eine moderne Zusammenfassung dieser beiden Stücke. Der Autor Erich Koch hat sie dieses Jahr veröffentlicht. Im Mittelpunkt steht Alize (Inka Janßen-Wiese), die sich in dem Mietshaus als Hausmeisterin aufspielt, um sich überall einmischen zu können. Sie glaubt, dass im Haus Schwarzgeld verschoben wird. Außerdem vermutet sie, dass mit Rauschgift gehandelt wird und unten in der Pizzeria von Giovanni (Helge Thoelen) die Mafia ein und aus geht. Tatsächlich haben Friedhelm und Hermine (Thomas Helms und Birgit Schenk) ein Zimmer doppelt vermietet, nämlich an Rosi und Bastian (Nadine Wiese und Birk Timpe).
Auch sonst ist viel los im Treppenhaus: Der pensionierte Finanzbeamte Anton (Mario Borchers) erlebt seinen dritten Frühling, als Nora (Insa Helms) nach ihrer Nichte Rosi schauen will. Und dann wird es wirklich kriminell: In Giovannis Pizzeria wird eingebrochen. Als Kommissar Horst Schaminski (Stefan Marburg) – eine Anspielung auf den Tatort-Kommissar Horst Schimanski – die Ermittlungen aufnimmt, läuft alles aus dem Ruder: Rosi findet einen nackten Mann in ihrem Bett und Anton ein Skelett im Keller. Und Alize? Die verführt den Kommissar. Mit Zwetschgenkuchen!
Viele Neuzugänge
Das Chaos aus dem ehrenwerten Treppenhaus ist auch der Speelschar nicht ganz fremd. Die letzte Saison mit dem Stückwechsel nach Beginn der Proben steckt vielen Darstellern noch in den Knochen, sagt die Pressesprecherin Inka Janßen-Wiese. Deshalb war einigen bewährten Schauspielern nach einer Pause zumute. Nun freut sich die Laienbühne über drei Neuzugänge und eine Rückkehr: Nadine Wiese, Mario Borchers und Birk Timpe stehen erstmals auf der Bühne, Insa Helms ist nach einigen Jahren Pause wieder dabei.
Die Regisseurin ist in dieser Funktion neu: Silke Jürgens. Bisher war sie Souffleuse. Diese Aufgabe teilen sich jetzt Silvia Strowitzki und – ebenfalls neu – Lena Wiggers.
Neu ist auch das Faltblatt, das die Speelschar erstmals zu diesem Stück herausgegeben hat. Premiere hatte es beim Rodenkircher Markt, wo 1000 Exemplare weggingen. Darin findet sich ein QR-Code, der zur Homepage der Speelschar führt. „Wir haben nicht unter Zuschauermangel gelitten“, erläutert Inka Janßen-Wiese, „aber man muss immer etwas dafür tun, dass es so bleibt.“
