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Nordenhamer Hilfsinitiative fährt in die Ukraine „Ich habe mich noch nie so gebraucht gefühlt“

Jens Milde
Laurenz Haug ist mit seinem Jeep schon mehrmals in die Ukraine gefahren, um Hilfsgüter zu liefern und Flüchtlinge aus dem Land zu bringen.

Laurenz Haug ist mit seinem Jeep schon mehrmals in die Ukraine gefahren, um Hilfsgüter zu liefern und Flüchtlinge aus dem Land zu bringen.

Jens Milde

Nordenham - Unzählige Menschen aus ganz Europa helfen den Kriegsopfern in der Ukraine. Viele fahren auf eigene Faust mit dem Auto Richtung Osten, um Hilfsmaterial zu bringen und Flüchtlinge wieder mit zurückzunehmen. Für die meisten von ihnen endet die Fahrt kurz vor der Grenze zur Ukraine. Für Laurenz Haug, Sebastian Wolf und ihre Mitstreiter ist dort noch lange nicht Schluss. Sie fahren ins Land hinein, weil sie überzeugt sind, auf diese Weise noch gezielter helfen zu können.

Auto vollgepackt

Kriegsopferhilfe Jade-Weser – so haben Sebastian Wolf und Laurenz Haug ihre Initiative genannt. Seit Ausbruch des Kriegs in der Ukraine ist Sebastian Wolf, der an der Atenser Allee ein Tattoo-Studio betreibt, an jedem Wochenende ins Auto gestiegen, um den Menschen in der Ukraine zu helfen. Das Auto vollgepackt mit Medikamenten, Verbandsmaterial, Lebensmitteln und anderen Hilfsgütern, die in der Ukraine dringend benötigt werden. Auf dem Rückweg sitzen Frauen mit Kindern auf der Rückbank. Manchmal geht’s bis an die polnisch-ukrainische Grenze. Manchmal noch ein Stückchen weiter.

Laurenz Haug weiß schon gar nicht mehr, wie viele Kilometer er mit seinem Jeep in den vergangenen Wochen zurückgelegt hat. Er hat sich seinen gesamten Resturlaub genommen. Seit Kriegsausbruch ist er fast täglich unterwegs. In der Ukraine gabelt er Flüchtlinge auf und bringt sie, wohin sie wollen. Die meisten von ihnen haben ein Ziel in einem der Nachbarländer. Einige sind auch schon in Nordenham gelandet. „Ich habe mich noch nie so gebraucht gefühlt“, sagt der 25-Jährige. Er hat seinen Job als Kfz-Mechatroniker gekündigt, um weiter helfen zu können.

Flüchtlinge aus Kiew

Dass sich der Nordenhamer mit Autos auskennt, ist nicht die schlechteste Voraussetzung, wenn er mit seinem Jeep auf abgelegenen Buckelpisten in der Ukraine fährt. In der Regel haben er und die anderen Fahrer feste Ziele. Über die sozialen Netzwerke sind Kontakte zu Einrichtungen und zu Menschen in der Ukraine entstanden, die dringend Hilfe oder eine Mitfahrgelegenheit in den Westen benötigen. Sebastian Wolf ist bis nach Lemberg gekommen. Laurenz Haug wagt sich noch tiefer ins Land. Auf halber Strecke nach Kiew hat er Flüchtlinge aus der umkämpften Hauptstadt aufgenommen. Einmal ist er in Czernowitz, nahe der rumänischen Grenze gewesen.

Die beiden Nordenhamer haben sich inzwischen daran gewöhnt, dass ihnen an den vielen Checkpoints Soldaten mit Kalaschnikows gegenüberstehen. „Inzwischen hat jeder Erwachsene in der Ukraine ein solches Gewehr“, sagt Sebastian Wolf. Laurenz Haug weiß sehr wohl um die Gefahr. Aber er nimmt sie auf sich. „Ich weiß, dass das ein bisschen verrückt ist“, sagt er.

Sebastian Wolf hat einen großen Freundeskreis. Bei Facebook ist er mit 4000 Menschen vernetzt. Über seine Kontakte hat er viele Mitstreiter gefunden, die aktiv helfen. Einige kommen aus Nordenham und Umgebung, andere aus Nordrhein-Westfalen. Über die sozialen Netzwerke bekommt er auch Hinweise, wo Hilfe benötigt wird. Am vergangenen Wochenende war die Gruppe mit sechs Autos unterwegs.


Wenig Schlaf

Sebastian Wolf ist verheiratet und hat einen zweijährigen Sohn. Er heißt Baldur. „Ich stelle mir immer vor, wie viele Baldurs in der Ukraine Hilfe benötigen. Das ist mein Antrieb.“ Inzwischen hat er selbst eine Frau mit Kind bei sich zu Hause aufgenommen.

Viel Schlaf haben die Helfer zuletzt nicht bekommen. Aber viel Unterstützung – auch finanzielle. Die Spritkosten kann Laurenz Haug einigermaßen decken. Nach den Worten von Sebastian Wolf werden zurzeit vor allem Verbandsmaterial und Medikamente benötigt. Außerdem sind Lebensmittelkonserven gefragt. Kleidung wird nicht mehr benötigt.

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