Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

Friesensport-Jade Eine Leidenschaft, drei Brüder und viele Titel

Wolfgang Böning

Jade - Diese Geschichte ist vermutlich einzigartig. Sie erzählt von Christian, Stefan und Manuel Runge. Von drei Brüdern aus der Gemeinde Jade, die im Friesischen Klootschießerverband erfolgreich auf Weitenjagd gehen. In der vergangenen Saison haben sie sich für die Championstour der Boßler qualifiziert. Außerdem zählen sie zu den Leistungsträgern im Landesliga-Team des KBV Kreuzmoor. Aber auch im Schleuderballspiel, das im Deutschen Turnerbund (DTB) zu den Turnspielen gehört, sind sie erfolgreich. In der Landesliga werfen sie für den Landesmeister und Plakettensieger Mentzhauser TV (MTV).Christian ist der älteste der drei Brüder. Er ist 32 Jahre alt, verheiratet und hat mit seiner Frau Mareike zwei Kinder. Die Familie wohnt in Jaderberg. Mareike wirft für den Boßel-Landesmeister KBV Schweinebrück.Christian ist als Sechsjähriger erstmals mit dem Friesensport in Kontakt gekommen. Verantwortlich dafür war der Jugendwart des KBV Kreuzmoor. Christian erinnert sich: „Helmut Bergel hat damals alle neuen Schüler in den Klassen besucht und das Boßeln vorgestellt. So fing alles an.“ Anschließend lernte er auch die anderen Friesensport-Disziplinen kennen. So fand er den Weg zu den Mentzhauser Schleuderballern, bei denen die Jugendförderung groß geschrieben wurde. „Unser Vater Erwin hat uns unterstützt und eine Jugendmannschaft betreut.“ Außerdem hätten Berend-Georg Tapkenhinrichs und dessen Sohn Bernd Tapkenhinrichs in den folgenden Jahren bei Wind und Wetter das Kloot-Training geleitet. „Wir drei haben uns in jeder freien Minute den Schleuderball, die Boßelkugel und den Kloot geschnappt“, sagt Christian. Sein erster Erfolg war 1993 der Gewinn der Vereinsmeisterschaft im Boßeln. Als Jugendlicher gewann er FKV-Titel im Boßeln und mit der Klootkugel. Ein besonderes Erlebnis war die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften im Schleuderball-Weitwurf im Jahr 2002. Die Stadionatmosphäre in Leipzig wird er immer in Erinnerung behalten. „Die ist einfach unbeschreiblich gewesen.“

Großes Ziel

Die Championstour war immer ein großes Ziel. „Aber ich habe festgestellt, dass es ein großer Aufwand geworden ist, dafür die ehrenamtlichen Helfer, Bahnweiser und Schreiber zu gewinnen, wenn der Verein mehrere Teilnehmer stellt.“ In der Schleuderball-Landesliga spielen die Brüder seit zwölf Jahren zusammen, also seitdem Manuel volljährig ist. Christian ist schon seit 15 Jahren Landesliga-Spieler. „Meine Stammposition war am Anfang zusammen mit Michael Frels der Hinterfang“, sagt er. „Aber ich habe mich bald auf die zweite Reihe rechts spezialisiert und spiele diese Position heute noch sehr gerne,“ sagt er.

In der Jugend hat er sich in allen Disziplinen engagiert. Als Erwachsener konzentriert er sich aufs Boßeln und aufs Schleuderballspiel. Um die Grundsicherheit beizubehalten, trainiert er zwei Mal pro Woche. „Der Friesensport hat mir in all den Jahren viel gegeben. Ich habe viele tolle Menschen kennen gelernt, die das gleiche für diesen Sport empfinden und auch Orte besucht, wo man sonst nicht unbedingt hinkommt. Es ist schön zu sehen, welchen Stellenwert der Sport auf dem Land hat.“Stefan Runge ist 29 Jahre alt. Er wohnt mit seiner Freundin Anika Carstens in Jaderkreuzmoor. Sie wirft für das Kreuzmoorer Frauenteam in der Landesliga. Stefan hat als Boßler begonnen. „Meine Patentante Ute Grotheer war damals Betreuerin der Kindergruppen“, sagt er. „Ich durfte schon mit fünf Jahren zum Boßeln.“ Mit dem Schleuderballspiel begann er ein Jahr später. „Papa war unser Trainer“, sagt er.

Mit der Klootkugel trainierte er zusammen mit Berend-Georg und Bernd Tapkenhinrichs. „Den beiden habe ich sportlich viel zu verdanken. Bernd hat mich zudem intensiv und mit Erfolg auf die Europameisterschaften in Irland vorbereitet.“

EM-Titel

Das war im Jahr 2008. Stefan wurde Jugendeuropameister mit der Hollandkugel und Vize-Europameister mit der Klootkugel. In beiden Disziplinen holte er auch den EM-Titel mit dem FKV-Team. „Nach meiner Ankunft in Jade haben wir mit Freunden und Bekannten gefeiert. Ich bin mit dem Cabrio abgeholt worden. Dann gab es einen Empfang beim Gemeindehaus in Jade.“ Bei der EM  2016 in den Niederlanden holte er mit der Mannschaft den EM-Titel mit dem Kloot. Im Jahr 2005 wurde er Deutscher Meister im Schleuderballweitwurf. Die Vizetitel gewann er in dieser Disziplin in den Jahren 2003, 2006, 2008 und 2009. Bronze gab es 2011. Aber seine Erfolgsliste ist noch wesentlich länger. Im Boßeln wurde er als A-Jugendlicher FKV-Meister mit der Holz in der Saison 2007/08. Mit der Eisenkugel gewann er 2013 den Vizetitel und 2019 die Bronzemedaille. Die Qualifikation zur Championstour hat er sechs Mal geschafft. Seine beste Platzierung war Rang drei in der Saison 2013/14. Mit der Hollandkugel wurde er im Jahre 2010 FKV-Meister. Hinzu kamen drei weitere Podestplätze. Im Kloot wurde er 2006/07 zum FKV-Meister gekürt. Auch in dieser Disziplin belegte er weitere Medaillenränge. Bei der Deutschen Meisterschaft gewann er 2011 mit der Hollandkugel den Titel. In der Schleuderball-Mannschaft versucht er, in der ersten Reihe möglichst wenig durchzulassen. „Aber meine Lieblingsdisziplin bleibt das Eisenwerfen.“ Mit der Eisenkugel hat er sich auch für die nächste EM qualifiziert, die ja auf 2021 verschoben wurde. Seine Erfolge kommen nicht von ungefähr. Mehrmals in der Woche steht ein Kraft- und Fitnesstraining auf dem Programm. „Ich bin mit dem Friesensport groß geworden und habe auch viele Freunde kennengelernt. Es ist ein Stück Heimatkultur mit Bewegung an der frischen Luft“, sagt er und betont, dass der Mannschaftsgedanke im Vordergrund stehe. Die Verbundenheit mit den örtlichen Vereinen, der Spaß und die Abwechslung zum Alltag sind die Faktoren, die er an seinem Sport genießt. Jüngster des Trios ist Manuel Runge. Er ist 27 Jahre alt und wohnt in Jade. Den ersten Kontakt zum Friesensport hätten seine Brüder hergestellt, sagt er. Aber auch Helmut Bergel sei wichtig gewesen. „Er hat sehr viel Werbung für den KBV Kreuzmoor gemacht und in den Ortschaften die Kinder eingesammelt.“


Training im Winter

Schon mit vier Jahren stand Manuel beim Schleuderball neben seinem Vater Erwin auf dem Sportplatz in Mentzhausen. In der Wintersaison fand jeden Samstag eine Trainingseinheit mit der Boßelkugel statt. Sein Talent wurde bald erkannt. „Schnell hatte man Spaß und Erfolge“, sagt er. Schon mit 14 Jahren half er in der ersten Männermannschaft aus. Mit 17 Jahren war er Stammwerfer bei den Männern. Als Boßler qualifizierte er sich drei Mal für die Championstour. In diesem Jahr wurde er für die EM nominiert. Beim Klootwerfen bestimmte die Familie Tapkenhinrichs den Weg: „Das Erlernte konnte man regelmäßig auf Landes- oder FKV-Meisterschaften zeigen und ausbauen.“ Für die EM 2008 qualifizierte er sich als 16-Jähriger. Mit seinem Bruder Stefan stand er im Kloot-Team. Er kann sich noch gut erinnern: Sein erster Wurf sei nicht optimal gewesen. Er wurde Fünfter. Insgesamt fehlten ihm nur zwei Meter zum Bronzeplatz. Aber mit der Mannschaft holte er Gold. Außerdem ging er 2012 in Italien und 2016 bei der EM im Männerteam mit der Hollandkugel an den Start. Als Vierjähriger nahm er erstmals an einem Schleuderballtraining teil. Sein erster Trainer war Alfred Wulff. Bald hatte er den Bogen raus. Er etablierte sich auf der Hauptposition des Hauptfängers und stieß bald zur ersten Männermannschaft, in der seine Brüder schon spielten. Dank Michael Frels wuchs er allmählich in die Position des Hauptfängers hinein. Er lernte schnell, wie man sich auf dieser Position in der Landesliga durchsetzen kann: „Man lernt nie aus und erfährt immer Neues.“ Im Schleuderballweitwurf gewann er 2006 im Alter von 14 Jahren erstmals die Deutsche Meisterschaft. In den Jahren 2007, 2009 und 2011 wiederholte er diesen Erfolg. Und er weiß auch ganz genau, wer diese Erfolge ermöglichte. „Meine Eltern haben regelmäßig weite Touren auf sich genommen“, sagt er. Und auch als Erwachsener ist der Hunger nach Erfolgen noch nicht gestillt. Das gilt für Manuel, Stefan und Christian – drei Brüder mit derselben Leidenschaft.

Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Feilen am Plan für die neue Saison: Sebastian Schachten (rechts) und Fuat Kilic

WIE GEHT ES BEIM VFB OLDENBURG WEITER? Das sagt Sportleiter Schachten zu Abgängen und Kaderplan

Lars Blancke
Oldenburg
Wird als erste Zeugin im Untersuchungsausschuss angehört: Finanz-Staatssekretärin Sabine Tegtmeyer-Dette (Grüne)

SITZUNG MEHRFACH UNTERBROCHEN Untersuchung zur Beförderung in Weils Staatskanzlei beginnt mit Eklat

Stefan Idel Büro Hannover
Hannover
Meinung
Am 3. Mai ist Tag der Pressefreiheit.

TAG DER PRESSEFREIHEIT Vom Glück, in einem freien Land zu leben

Ulrich Schönborn
Oldenburg
Auf Borkum wurden Ende April rund 20 Säcke mit bislang unbekanntem Inhalt angeschwemmt.

WAS WURDE ANGESCHWEMMT? Borkumer Drogenfund bleibt ein Rätsel

Axel Pries
Borkum
Symbolbild

UNFALL IN OLDENBURG Angetrunkener Radfahrer von Auto erfasst – schwer verletzt

Oldenburg