Jade - Der Unmut über die politischen Vertreter ist groß, die Sorgen um die eigene wirtschaftliche Existenz sind noch wesentlich größer: In Jaderaußendeich haben sich Landwirte aus der Gemeinde Jade auf dem Hof von Anja und Uwe Stollberg mit Dr. Karsten Padeken, dem Vorsitzenden des Kreislandvolkverbands Wesermarsch, getroffen, um zu beraten, wie sie den Jader Gemeinderat noch davon abbringen können, dass die Gemeinde dem Biosphärenreservat Wattenmeer beitritt.
Die Entscheidung über den Beitritt soll in der Sitzung des Gemeinderates am Dienstag, 19. Mai, getroffen werden. Die öffentliche Sitzung beginnt um 18 Uhr in der Großsporthalle in Jaderberg.
Die Jader Landwirte sind deswegen so aufgebracht, weil sie laut Uwe Stollberg von der Politik zunächst Signale empfangen hätten, dass die Gemeinde – wie die benachbarten Gemeinden Stadland und Butjadingen oder die Stadt Varel im Landkreis Friesland – dem Wunsch der Nationalparkverwaltung Wattenmeer nicht entsprechen würde. Doch am vergangenen Dienstag hat sich der zuständige Fachausschuss (Bauen, Planen, Umwelt) des Jader Gemeinderats plötzlich für den Beitritt ausgesprochen – wenn auch knapp mit 3 Ja-Stimmen und 2 Nein-Stimmen. „Die haben sich nicht genug damit beschäftigt, was da auf uns zukommt“, kritisiert Uwe Stollberg. Würde die Gemeinde dem Reservat beitreten, dann sei das der Anfang einer „Entwicklung in Richtung Naturschutz“, fürchtet der Landwirt. „Das passt nicht zu unserer intensiven Grünlandwirtschaft“.
Dabei verweisen Stollberg, seine Berufskollegen und Karsten Padeken auf negative Erfahrungen in der Vergangenheit: Wann immer in der Wesermarsch Schutzgebiete ausgewiesen worden seien, sei stets versichert worden, dass dies keine Auswirkungen auf die landwirtschaftlichen Betriebe haben würde. Und dann habe es nach und nach doch Einschränkungen gegeben. „Dieser Weg ist auch beim Biosphärenreservat vorgezeichnet“, ist Karsten Padeken überzeugt.
Und Uwe Stollberg ergänzt: „Die Unsicherheit ist sehr groß, ob man seinen Betrieb dann in 15 oder 20 Jahren noch führen kann.“ Damit nehme man zudem auch potenziellen Hofnachfolgern die Perspektive. Für ihn und seine Frau Anja steht jedenfalls fest: Einschränkungen bzw. Vorgaben – angefangen von der Düngung bis hin zur Verschiebung von Mähzeiten – durch großflächige Schutzkulissen wie das Biosphärenreservat würden „in keine landwirtschaftliche Produktionstechnik“ passen.
Anja und Uwe Stollberg und die anderen Landwirte seien sich bewusst, dass sie angesichts der Größen der Flächen eine besondere Verantwortung für ein funktionierendes Ökosystem hätten, sagt Karsten Padeken. „Und dieser Verantwortung kommen sie auch nach.“
Der Kreislandvolkvorsitzende appelliert an die Gemeinderatsmitglieder, im Sinne der Landwirte zu entscheiden – schließlich sei der weit überwiegende Teil der Gemeindeflächen landwirtschaftlich genutzt und im Privatbesitz.
Für die Landwirte sei die Ausweisung der gesamten Gemeindefläche als Entwicklungszone des Biosphärenreservats daher „ein viel zu hoher Preis, dem kein erkennbarer Nutzen gegenübersteht“, so Karsten Padeken.
