Jade - Die Öko-Betriebe in der Gemeinde Jade sind gegen den geplanten Beitritt der Gemeinde zum Biosphärenreservat Wattenmeer als Entwicklungszone. Das betonten gegenüber der NWZ auf dem Hof Gramsch in Südbollenhagen Sven Gramsch mit Lebensgefährtin Jana Ulrich, Stefan und Zwaantje Meyer aus Jaderkreuzmoor sowie Hauke Gramberg aus Nordbollenhagen. Mit der Ablehnung sind sich die Bio-Landwirte einig mit den konventionell wirtschaftenden Landwirten aus der Gemeinde, die bereits Ende vergangener Woche öffentlich ihren Unmut über die Pläne des Gemeinderates geäußert hatten.
Wie berichtet, soll an diesem Dienstag in der Ratssitzung in der Großsporthalle in Jaderberg die Entscheidung getroffen werden, ob die Gemeinde beitritt oder nicht. Die öffentliche Sitzung beginnt um 18 Uhr.
Mit der Zustimmung, befürchten die Landwirte, seien nicht nur weitere Vorgaben und Einschränkungen möglich, sondern man habe sich „anscheinend nicht ausreichend mit der aktuellen Situation der Landwirtschaft hier vor Ort befasst“, sagen die Betroffenen. Am meisten ärgert sie, dass suggeriert werde, dass man ein zusätzliches Schutzgebiet schaffen muss, um Naturschutz zu betreiben und zu sichern.
Fördergelder versickern
Fakt sei hingegen, dass mit den in der Gemeinde vorhandenen Gebieten wie Landschaftsschutzgebiet Jader Moormarsch, Vogelschutzgebiet Marschen am Jadebusen, verschiedene Naturschutzgebiete, Moorschutzprogramme, Naturdenkmäler, Schutzgebiete für Brut-und Gastvögel sowie Natura-2000-Vogelschutzgebiet ausreichend Schutzgebiete ausgewiesen seien. „Die landwirtschaftlichen Betriebe in der Gemeinde wirtschaften aufgrund ihres Grünlandstandortes schon ökokonform. Wir müssen uns aktuell mit Vorgaben und Richtlinien auseinandersetzen, die es schwer möglich machen, wirtschaftlich zu produzieren“, heißt es übereinstimmend.
Die Ausweisung neuer Schutzgebiete habe „außer Hochglanz-Imagepflege keinen weiteren Nährwert in Bezug auf Naturschutz.“ Es würden lediglich EU-Fördergelder ungenutzt in der Bürokratie versickern.
In der Wesermarsch habe man bereits eine funktionierende ökologisch geführte Kulturlandschaft, die es möglich mache, sowohl den Schutz der Natur als auch landwirtschaftliche Interessen im Einklang mit Wirtschaft und Tourismus zu vereinen. „So lassen wir als Biobetriebe im dritten Jahr infolge allein in der Gemeinde Jade 20 Hektar landwirtschaftliche Fläche als strukturreiche Blühflächen für den Artenschutz und Biodiversität brachliegen“, führen Jochen und Zwaantje Meyer an. „Und das auch ohne Biosphärenreservat.“
Angebote für Kinder
Mehr als 500 Hektar Grünland würden mittlerweile ökologisch bewirtschaftet. Auch diese Höfe wären durch zusätzliche Verordnungen in ihrer Existenz bedroht. „Es sind landwirtschaftliche Familienbetriebe hier in der Gemeinde, die seit Jahren auf ihren Höfen Kitagruppen und Schulklassen empfangen, um das Interesse und das Bewusstsein für unsere Landwirtschaft und Umwelt zu wecken“, so Zwaantje Meyer. Die Grundschule Jaderberg sei offiziell Umweltschule und in den Kindertagesstätten der Gemeinde gäbe es seit langem umfangreiche naturpädagogische Angebote statt.
Betriebe unterstützen
Hauke Gramberg ergänzt: „Anstatt die heimische Landwirtschaft mit zusätzlichen sinnlosen Verordnungen zu belegen, sollte seitens der kommunalen Politik lieber überlegt werden, in welcher Form sie die bäuerlichen Familienbetriebe unbürokratisch unterstützen.“ Nach Ansicht der Biolandwirte werde es immer dann gefährlich, „wenn inkompetent über regionale Interessen hinweg entschieden wird“. Denn auf dem hübschen Foto in der Präsentation des Biosphärenreservat Wattenmeer mag die Kuh noch auf einer grünen Wiese grasen, in der Realität aber seien die Mäuse schneller gewesen. Die Nach-Saat scheint wegen der schon länger anhaltende Trockenheit nicht auf zugehen, sagt Sven Gramsch. Der Jader (konventionelle) Landwirt Uwe Stollberg weist ergänzend darauf hin, dass er bei der Ausweisung einer Entwicklungszone des Biosphärenreservats Wattenmeer eine Entwicklung in Richtung eines zusätzlichen Naturschutzgebiets befürchtet – und nicht in Richtung Naturschutz, wie es in der NWZ vom 16. Mai hieß. „Die Jader Landwirte machen bereits jetzt viel für den Naturschutz, zum Beispiel für den Wiesenvogelschutz, aber auch durch Weidehaltung oder Gewässerrandstreifen“, stellt er klar.
Mit den Natura-2000-Gebieten, den FFH-Gebieten (Flora-Fauna-Habitat) und anderen geschützten Gebieten gebe es aber bereits ausreichend Schutzgebiete. Da brauche es nicht noch einen zusätzlichen Akteur, der über die landwirtschaftlichen Flächen mitbestimme.
