Jaderberg - Mit einem Stück Schleifpapier bearbeitet Melina Sophie Vollmerhausen ihr Werkstück. „Du hast wirklich ein Händchen für das Händchen“, lobt Schulleiterin Susanne Krenzel, während Schülerin Melina ganz geschickt die ungeraden Kanten glättet. Melina Sophie ist elf Jahre alt und besucht die Klasse 5a der Oberschule Jade. Seit eineinhalb Wochen nutzt sie das Betreuungsangebot der Schule in Jaderberg, da ihre Eltern zu den Berufsgruppen gehören, die in Zeiten von Corona gefordert sind.

Ihr Vater arbeitet bei einem Sicherheitsdienst, ihrer Mutter in der Altenpflege. Eine Betreuung in den eigenen vier Wänden war nicht möglich. Also durfte Melina Sophie in der Woche vor den Osterferien in die Schule gehen. Sie war zudem die einzige Schülerin, die ihre Aufgaben nicht online über das Internet erhielt. „Alle anderen Schüler erhalten von den Kollegen über den Schulserver Aufgaben in den einzelnen Fächern“, sagt Susanne Krenzel: „Die Lehrer standen während der ganzen Zeit mit den Schülern per Mail in Kontakt.“

Jetzt sind Ferien, doch Melina Sophie ist auch derzeit noch in der Schule. Jeden Tag ist ein anderer Lehrer für sie zuständig. „Am ersten Tag habe ich römische Zahlen gelernt und am zweiten Tag Osterhasen gebacken“, erzählt die Elfjährige. Dafür hatten sie und Lehrerin Johanna Dobberkau die ganze Küche für sich alleine. Schon nach kurzer Zeit duftete es nach Frischgebackenem. „Wir haben einen Hefezopf gemacht und Osterhasen aus einem Quark-Ölteig gebacken“, berichtet Melina Sophie. „Die haben wirklich sehr lecker geschmeckt“, meint Susanne Krenzel.

Im Werkraum bastelt Melina Sophie nach Anleitung einen Stifthalter und einen Notizzettelhalter. Für Lehrer Michael Kühnemund ist dies ein ganz entspanntes Arbeiten, mit nur einer Schülerin. Er gibt kurze Erklärungen und hilft mit der Laubsäge, in die er ein Rundsägeblatt eingespannt hat, damit das Sägen für die Schülerin nicht so schwierig ist. Dann lässt er sie größtenteils alleine arbeiten. „Beim Aufzeichnen meiner Hand hat er mir aber geholfen“, sagst Melina Sophie. Sie arbeitet ganz intensiv an der Holzhand. Jeden Tag von 8 bis 13 Uhr ist sie in der Schule. Vielleicht ist das nächste Woche dann wieder anders. Denn ihre Mutter hat Urlaub beantragt. Dann bleibt Melina Sophie natürlich zuhause.

Da jetzt noch niemand weiß, wie es nach den Osterferien weitergeht, sitzt Schulleiterin Krenzel auch in den Ferien ständig vor dem Computer und plant. Es werden Inhalte für den Online-Unterricht und Personaleinsätze auch für eine weitere Schließung geplant. Damit nicht alle Kollegen für die Besprechungen in die Schule kommen, stehen Videokonferenzen auf dem Plan. „Für die Lehrkräfte ist das alles eine ganz schöne Herausforderung, den gesamten Unterricht online umzustellen.“ Unterstützt werden sie dabei von einem Team, das Online-Plattformen untersucht und Möglichkeiten mit den Kollegen abspricht. „Unsere Türen stehen jedenfalls offen für diejenigen, die Bedarf haben“, so Krenzel: „Und nach den Osterferien sehen wir dann, wie es weitergeht.“