Nordenham - Weil die Nachfrage nach den Produkten stark gesunken ist, beantragen gleich zwei Industriebetriebe in Nordenham Kurzarbeit. Davon betroffen sind 280 Beschäftigte bei Kronos Titan und knapp 400 bei der Nordenhamer Zinkhütte.
Das Chemiewerk in Blexen war im Gegensatz zwar gut durch die Corona-Krise gekommen. Aber inzwischen hat sich die Situation dramatisch verändert: „Die Nachfrage ist zusammengebrochen“, sagt Werkleiter Carsten Büsing. Von der Kurzarbeit, die am 4. Oktober beginnt, ist der Großteil der Belegschaft betroffen. Insgesamt sind rund 350 Mitarbeiter bei Kronos Titan tätig. Mit der Kurzarbeit verbunden ist eine Drosselung der Produktion auf ein Viertel des bisherigen Umfangs.
Markt gesättigt
Die Absatzflaute ist nach Angaben des Werkleiters eine indirekte Auswirkung der Corona-Pandemie. Im ersten Krisenjahr habe Kronos Titan noch von dem Bau-Boom und der großen Nachfrage im Heimwerkerbereich profitiert. Doch dieser Hochlauf sei mittlerweile in eine Marktsättigung umgeschlagen. Das hänge auch mit den allgemeinen Preissteigerungen und der Inflation zusammen. Verschärft werde das Problem durch die Energiekrise und die Kostenexplosion infolge des Ukraine-Krieges. Als Hauptprodukt stellt das Werk Titandioxid her, das als Weißpigment vor allem in Farben, Bautenschutzanstrichen und Kunststoffen zum Einsatz kommt.
Gestörte Lieferketten
Die Zinkhütte stellt zum 1. November ihre Produktion vorübergehend ein. Geschäftsführer Thomas Hüser setzt darauf, dass die Fertigung innerhalb von zwölf Monaten wieder aufgenommen werden kann. Grund für den Produktionsstopp sind „zusehends schwache Absatzmärkte und gestörte Lieferketten, ausgelöst durch die Energie- und Wirtschaftskrise, den Ukraine-Krieg und die Nachwirkungen der Corona-Pandemie“, sagt Thomas Hüser.
Den letzten Anstoß gab die starke Produktionsdrosselung bei Kronos Titan. Kronos ist Hauptabnehmer der Schwefelsäure, die bei der Weiterverarbeitung der Zinkerze als Beiprodukt entsteht. Für 80 Prozent der anfallenden Schwefelsäure gibt es nun keine Verwendung mehr. Zudem haben weitere Abnehmer der Säure, wie etwa Hersteller von Düngemitteln, ebenfalls ihre Produktion heruntergefahren. Gerade große Stahlhersteller haben ihre Produktion stark verringert oder eingestellt mit der Folge, dass die Nachfrage nach Zink deutlich zurückgegangen ist.

