Lemwerder - Eine Ausbildung in der Industrie, eine Handwerkslehre oder doch lieber zur Bundeswehr? Anstöße für die richtige Berufswahl gab es genügend für die Neunt- und Zehntklässler, die am Dienstagvormittag im Feuerwehrhaus Lemwerder die Jobbörse der Gemeindefeuerwehr Lemwerder besuchten. Bis zu 400 Schüler aus sechs Schulen konnten sich 31 Infostände anschauen und erste Kontakte mit Unternehmen knüpfen. Die Bandbreite reichte von Metallbau und Werften über Zimmereien und Banken bis hin zur Deutschen Bahn und Polizei.
Seit 2009 veranstaltet die Gemeindefeuerwehr Lemwerder jährlich eine Jobbörse und schafft damit eine Verbindung zwischen Schülern und Ausbildungsbetrieben. Der Gründungsgedanke bestand darin, junge Feuerwehrmitglieder mit der Wirtschaft vor Ort zu vernetzen und damit in der Region zu halten.
Ein deutschlandweites Problem sei es, dass langjährige Mitglieder der Feuerwehr nach einem berufsbedingten Umzug in eine andere Stadt die Feuerwehr verlassen und auch im neuen Wohnort nicht mehr der Feuerwehr beitreten, sagt Dieter Schnittjer vom Förderverein der Gemeindefeuerwehr Lemwerder. Deshalb sei es wichtig aufzuzeigen, dass es attraktive Arbeitsplätze in der Nähe gibt.
Ein Erfolgsmodell in den Augen von Schnittjer: „Wir haben einen so guten Draht zur Wirtschaft und zu den Betrieben, dass sich das auch auf die Feuerwehrleute überträgt. Die finden das klasse.“
Erste Lötversuche
Mit dabei war der Schiffsbauer Abeking + Rasmussen (A+R), bei dem die Jugendlichen selbst aktiv werden. Unter fachmännischer Betreuung durften die Schüler kleine Drahtmännchen zusammenlöten. Das Ziel war es, die Lämpchen am Kopf der Männchen zum Leuchten zu bringen. Das klappt aber nur, wenn der Stromkreis geschlossen wird. „So können die Schüler spielerisch Grundlagen lernen“, so ein Auszubildender von A+R. Die Aktion kommt an: Die Plätze waren gut belegt und die Schüler vertieft in die Arbeit mit ihren Versuchsobjekten.
Viel los war auch beim Stand des Dichtungsherstellers Fischer & Plath aus Berne. Mit Hilfe von Dichtungsringen konnten Schüler ein Glücksorakel befragen oder ihr Geschick am „heißen Draht“ auf die Probe stellen. Azubis zu finden, sagte Vertriebsleiter David Klaembt, sei nicht mehr so einfach, da sich viele Schüler für ein Studium entschieden: „Aus unserer Sicht ist es besser mit einer Ausbildung in das Berufsleben zu starten und gegebenenfalls später zu studieren.“ Mit den Dichtungsringen könnten die Schüler zunächst nicht viel anfangen, aber das Verständnis wachse schnell. „Ohne diese Ringe könnte kein Auto fahren“, erklärtw Klaembt. Fischer-Plath könne unter anderem mit einer hohen Übernahmequote, globaler Vernetzung und frühen Feierabenden am Freitag punkten.
Zubehör für Schiffe
Mit einer Schale Kaubonbons und einem imposanten Plakat lockte das Berner Metallbauunternehmen Aljo die Schüler an seinen Stand. Dort muss Ausbildungsleiter Jörn Mönnich oftmals mit Missverständnissen aufräumen: „Viele Schüler denken, wir bauen Schiffe, dabei stellen wir ’nur’ Zubehör her“, so Mönnich. „Aber bei uns gibt es die Gelegenheit, auch mal Marineschiffe oder Luxusyachten zu betreten.“ Neben der Schifffahrt und dem Automobilbereich ist Aljo auch in der Raumfahrt tätig, wie eine Rakete auf dem Plakat zeigte.
Plakate, Fassaden und Banner aus Textil gehören auch zu den Dingen, die die Firma Procedes herstellt. Selbst für den Bundestag habe man schon eine Wand errichtet – zur Überraschung vieler Schüler, erzählte eine Mitarbeiterin. „Viele wussten gar nicht, dass es ein solches Unternehmen in Lemwerder gibt.“
Traditionell beliebt bei den Schülern sind die Stände der Bundeswehr und der Polizei. Samir von der Gerhard-Rohlfs-Oberschule in Vegesack träumt schon seit dem Kindesalter davon, Soldat oder Polizist zu werden. Dabei schreckt der 15-Jährige auch vor Gefahren nicht zurück. „Wenn der Job Spaß macht, gebe ich alles dafür“. Für seine Mitschülerin Sara ist es vor allem wichtig, in einem nachhaltigen Unternehmen zu arbeiten. Am liebsten wäre der 14-Jährigen ein Job in der Pflege.
Noch mehr Potenzial
„Wir sind sehr zufrieden mit dem Mix und der Vielfalt an Unternehmen“, bilanzierte Dieter Schnittjer vom Förderverein der Gemeindefeuerwehr Lemwerder. Dabei könnten es noch viel mehr Firmen sein, allein in Lemwerder und Berne seien über 100 Firmen ansässig: „Viele Unternehmen haben aber leider nicht die Ressourcen, jemanden für Börsen abzustellen.“ Das betreffe vor allem Handwerksbetriebe. Neben den Schülern aus der direkten Umgebung würde sich der Förderverein freuen, künftig mehr Schüler von außerhalb, Eltern oder auch Studierende im Feuerwehrhaus begrüßen zu dürfen.
