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Boßeln mit Handicap in Esenshamm Jantje Nordbruch zeigt’s den Skeptikern

Jens Milde
Jantje Nordbruch vom Klootschießerverein Esenshamm wirft die Boßelkugel in ihrem Rollstuhl sitzend und erzielt dabei beachtliche Weiten.

Jantje Nordbruch vom Klootschießerverein Esenshamm wirft die Boßelkugel in ihrem Rollstuhl sitzend und erzielt dabei beachtliche Weiten.

Ralf Enno Müller

Esenshamm - Eine Boßelkugel hatte Jantje Nordbruch schon seit vielen Jahren nicht mehr in der Hand gehalten. Bei ihren ersten Versuchen rollte die Kugel trotzdem fast 100 Meter weit. Erstaunlich ist das nicht nur wegen der langen Pause. Jantje Nordbruch ist stark beeinträchtigt. Sie hatte nach einem Motorradunfall vor neun Jahren ihr Bein verloren. Sie ist auf eine Prothese und eine Gehhilfe angewiesen. Zunächst warf sie aus dem Stand, später aus dem Rollstuhl heraus.

Mit Bravour

Beim Schnuppertag des Klootschießervereins Esenshamm wollte Jantje Nordbruch unbedingt ausprobieren, ob Boßeln auch mit ihrem Handicap möglich ist. Die Antwort lautet: Ja, es geht. Und wie: Die 31-Jährige, die früher in der Jugendabteilung des Vereins geboßelt hatte, meisterte die Herausforderung mit Bravour. Und darüber freute sich auch der Vorsitzende Ralf Enno Müller. „Jantje hat eindrucksvoll bewiesen, dass es für gehbehinderte Menschen sehr wohl möglich ist, zu boßeln und Spaß dabei zu haben.“

Wie der Vorsitzende mitteilt, hatte der Verein bereits 2018 beim Kreisverband Butjadingen den Antrag gestellt, ein Sportangebot auf Wettkampfniveau für Schwerbehinderte und körperlich Beeinträchtigte zu schaffen. Straßenboßeln für Menschen mit starken körperlichen Beeinträchtigungen? Und dann auch noch mit Gehbehinderungen? „Das erschien vielen Teilnehmern der Jahreshauptversammlung 2018 des Kreisverbandes noch unrealistisch.“ Und so sei auch der Antrag des Klootschießervereins Esenshamm auf Skepsis gestoßen, teilt Ralf Enno Müller mit.

Doch der Klootschießerverein Esenshamm hatte zugesagt, sich dem Thema weiter zu widmen und die Erfahrungen zu teilen. Schließlich gebe es bereits Menschen mit Schwerbehinderungen in den Reihen der aktiven Boßler, wenn auch nicht mit Gehbehinderungen, so Ralf Enno Müller. Wegen der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Schutzmaßnahmen wurde das Thema allerdings auf Eis gelegt. Bis Birgit Nordbruch jetzt wieder die Initiative ergriff. Sie überzeugte ihre Tochter, es einmal auszuprobieren.

Mutter und Tochter hoffen, dass diese Erfahrung auch anderen Menschen mit Handicap Mut macht, etwas Neues auszuprobieren. „Boßeln ist ein Mannschaftssport. Menschen mit Handicap brauchen sich nicht zu verstecken und sind auch nicht Menschen zweiter Klasse“, sagt Birgit Nordbruch. „Die Sportvereine sollten auch diesen Menschen offen gegenübertreten und über den Tellerrand schauen – auch um den Mitgliederschwund aufzuhalten.“


Auf Wettkampfniveau

Der Klootschießerverein Esenshamm will nun mit übergeordneten Fachverbänden das Gespräch suchen, um auszuloten, welche Möglichkeiten es gibt, ein Sportangebot für Menschen mit Behinderungen zu fördern, zu manifestieren und gegebenenfalls Vereinswettbewerbe entsprechend anzupassen.

Das Schnupperboßeln war auch darüber hinaus ein Erfolg. Unter Anleitung von Alexandra Wulff, Birgit Nordbruch, Frederick Wulff und Theis Schwarting lernten viele Kinder den Sport auf Wettkampfniveau kennen. Auch einige Boßler der Männersparte halfen bei der Organisation. Ralf Enno Müller freute sich, dass einige der Kinder großes Interesse zeigten, weiter zu boßeln.

Für das leibliche Wohl der Kinder sorgte der Verein mit Getränken und Schlickereien, zudem bekam jedes teilnehmende Kind eine Medaille.

Der Klootschießerverein Esenshamm ist jederzeit offen für neue Mitglieder. Kontakt zum Verein können Interessierte unter Tel. 04731/205133 und unter bosseln@kv-esenshamm.de aufnehmen.

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