Nordenham - Wenn man sich die Biografien von Musizierenden anschaut, dann waren es fast immer Schlüsselerlebnisse und Vorbilder, die den Wunsch ausgelöst haben, selbst Musik zu machen. Und wenn man will, dass sich auch zukünftig junge Menschen entscheiden, ein Instrument zu erlernen, was ihre Entwicklung im Übrigen fördern wird, muss man solche Schlüsselerlebnisse provozieren und Vorbilder präsentieren, dachte sich wohl der Programmchef der Jahnhalle, Stefan Jaedtke, und engagierte mit Unterstützung der Landessparkasse zu Oldenburg die Blindfische.
Die Akku-Allee
Die Blindfische machen seit über 30 Jahren Musik für Kinder. 2021 wurden sie mit dem „Leopold“ ausgezeichnet, dem Medienpreis des Verbands deutscher Musikschulen. Die bestuhlte Jahnhalle war am Sonntag gut besucht. Rund 80 Kinder waren überwiegend in Begleitung von Erwachsenen erschienen. Um es vorwegzunehmen: Kinder wie Erwachsene hatten ihren Spaß.
Die Blindfische treten als Trio auf. Andi Steil ist der Drummer, Rolf Weinert und Roland Buchholz spielen Bass und Gitarre. Alle drei singen. Die Musik ist minimalistisch, aber von erlesener Qualität. Die Musiker verstehen ihr Handwerk. Der erstklassige mehrstimmige Gesang steht im Vordergrund und mit ihm die lustigen, fantasievollen und manchmal skurrilen Geschichten, die die Lieder erzählen. Die Drei gehen auf der „Akku-Allee“ spazieren, bis der Akku alle ist, sie suchen den „Kakadi, Kakada, Kakadu“, und auf der Suche findet Drummer Andi eine Banane im Ohr vom Gitarristen Rolf Weinert. Zaubern kann der Andi nämlich auch. Die Band trommelt auf dem Wasser in einer Badewanne und erzeugt so einen Sturm. Das Trio geht mit dem Schiff auf Reisen, um einen Piraten zu treffen – mit Hut, Augenklappe, Säbel und mit einem Holzbein.
Schreiend komisch
Auf der Bühne ist immer etwas los. Die Blindfische ziehen ihr Publikum von Anfang an in den Bann und animieren es zum Mitmachen. Es wird geklatscht, gesungen, getanzt und man staunt, was den drei Akteuren alles einfällt. Die Band präsentiert eine schreiend komische „Drachensimulationsmaschine“. Dann versucht Andi in bester Manier eines Zirkusclowns seinem Bandkollegen Roland das Klatschen beizubringen, natürlich mit Unterstützung des Publikums. Beim nächsten Lied üben alle den Seemannsgang, um dann wieder „Erdenergie“ mit der „Unterarmturbine“ zu schöpfen. In dem Lied „Hausmusik“ macht das Haus Musik, und zwar mit Nasenflöte und Ukulele. Die Welt der Blindfische ist eine bunte Welt, in der es nie langweilig wird. Die Band schafft es, die Kinder auf hohem Niveau zu unterhalten und alles spielerisch leicht aussehen zu lassen. Chapeau! Nach einer Stunde ist Schluss. Natürlich fordert das begeisterte Publikum eine Zugabe, bei der dann noch einmal alle zum Mond fliegen – „mal sehen, wer dort wohnt“.
