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Butjadinger Polizist zum „Sörensen“-Krimi Nicht weit weg von echter Polizei-Arbeit

Detlef Glückselig

Butjadingen - Normalerweise hätte Daniel Schönig am Mittwoch sein Sky-Abo genutzt, um Fußball zu gucken. Doch darauf hat er verzichtet. Denn im Ersten lief ein Programmpunkt, der Daniel Schönig ausnahmsweise noch mehr interessierte als die Bundesliga: der TV-Krimi „Sörensen hat Angst“ mit Szenen aus Butjadingen. Burhaves Dorfsheriff hat seine Wahl nicht bereut.

Manch einem echten Polizisten dürfte der Spaß vergehen, wenn ein TV-Krimi allzu hanebüchen an der Realität vorbeischrammt. Auch in „Sörensen“ gibt es einige Szene, die mit echter Polizeiarbeit nicht ganz viel zu haben. Aber die halten sich sehr in Grenzen. Und so haben Daniel Schönig und seine Frau Ivonne sich den Film mit Bjarne Mädel in der Hauptrolle mit Vergnügen angesehen.

Keine Hilfe für Spusi

Woran TV-Krimis oft kranken, ist das Verhalten der Kommissare am Tatort und bei der Spurensicherung – sie sind häufig nicht sorgfältig genug und zerstören oder verfälschen Spuren. Da macht auch „Sörensen“ keine Ausnahme. Dessen Kollege Malte streift sich Handschuhe über, bevor er dem toten Bürgermeister den Zettel mit Bibelzitaten aus dem Mund zieht. Der Kommissar selbst trägt aber keine Handschuhe, als er einen DNA-Beutel aus Maltes Jackentasche fischt und mit den Fingern hineinlangt, um ihn zu öffnen, damit der Zettel hineinpasst – eine Kleinigkeit, die einem „normalen“ Zuschauer nicht auffällt; ein Polizist jedoch sieht so etwas.

Nicht realistisch ist auch, dass ein Polizist, der neu in ein Kleinstadtrevier kommt, sofort eine Mordübermittlung übernimmt. Würde es einen Mord in Burhave geben – was hoffentlich nie passiert –, würde eine Sonderkommission eingerichtet werden und Daniel Schönig allenfalls ein Teil des Ermittlungsteams sein.

Realistisch dagegen ist, wie Sörensen ermittelt. „Er fragt überall herum und sucht sich seine Informationen zusammen, fährt zu Leuten nach Hause oder verhört sie auf dem Revier. So würden wir das auch machen“, sagt Daniel Schönig. Dass es dabei mitunter auch „problematische“ Gesprächspartner gibt wie im Fall Sörensen den kaltgestellten und alkoholkranken Ex-Kurdirektor (gespielt von Matthias Brandt), liegt auch im Alltag richtiger Polizisten in der Natur der Sache.


Ernstes Thema

Richtig gut fand Daniel Schönig, dass der Krimi nicht nur mit dem Hintergrund des Mordfalls, sondern auch in der Nebenhandlung ein sehr ernstes Thema aufgreift – nämlich die Angststörung, unter der Kommissar Sörensen leidet. Sörensen findet erst bei dem Hund Cord, der ihm zuläuft, ein wenig Halt, dann bei seiner Kollegin Jennifer (Katrin Wichmann).

Professionelle Hilfe

Echte Polizisten sind immer wieder Situationen ausgesetzt, die ihnen psychisch zusetzen. Daniel Schönig hat 1994 den Polizeidienst angetreten, es dauerte kein Jahr, da musste er seinen ersten tödlichen Verkehrsunfall aufnehmen. „Das vergisst man nicht“, sagt der heute 43-Jährige.

Doch er und seine Kollegen werden schon in ihrer Ausbildung auf solche Situationen vorbereitet, indem sie Stress- und Konfliktbewältigung trainieren und sich entsprechende Techniken aneignen, die sie später im Berufsleben immer wieder auffrischen können.

Zudem betreibt die Polizei in Niedersachsen sogenannte Regionale Beratungsstellen, die Polizisten nach Einsätzen, die traumatische Folgen haben könnten, helfen und dabei auch proaktiv auf die betroffenen Kollegen zugehen.

Für „Sörensen hat Angst“ streckt Burhaves Dorfsheriff auch deshalb den Daumen nach oben, weil der Film sich überhaupt an ein solches Thema herantraut. Ansonsten hat Daniel Schönig Mittwochabend einfach einen guten Krimi mit tollen Schauspielern im Fernsehen genossen. Der Polizist selbst hat übrigens keinen drögen Kaktus auf seinem Schreibtisch stehen, sondern Orchideen auf dem Fensterbrett. Und seine Bratkartoffeln? Die isst er mit Speck. Schönig grinst und zitiert Sörensen: „Schmeckt ja sonst nicht.“

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