Berne/Ovelgönne/Oldenburg - Tierärzte, Züchter und Pferdesportler schlagen Alarm: Die moderne Sportpferdezucht ausschließlich nach dem Motto „höher, schneller, weiter“, verbunden mit einem hohen Inzuchtgrad, berge erhebliche Gefahren für die Zukunft. Die Tierärztin Dr. Katharina Ros, die die Sportpferdezucht über viele Jahre verfolgt, fasst die aktuellen Entwicklungen auf YouTube wie folgt zusammen: „In der Pferdezucht hat sich lange Zeit vieles verbessert. Allerdings ist diese Entwicklung gekippt.“ Wenn das so weitergehe, dann verlieren wir die gesunde Genetik, kritisiert sie.
Auch in den Reitvereinen der Wesermarsch und des gesamten Oldenburger Landes wird über den Weg der Entwicklung der Pferdezucht diskutiert. Insbesondere bei den für die Dressur bewusst besonders „weich und überbeweglich“ gezüchteten Pferden stellten sich immer häufiger Probleme ein, ist zu hören. Einige Pferde würden deshalb schon früh unreitbar – sogar im Alter von nur fünf, sechs oder sieben Jahren.
Verband ist alarmiert
Früher sei es durchaus üblich gewesen, dass Pferde auch im Alter von 25 Jahren noch bestens für den Turniersport geeignet waren, so die Tierärztin Katharina Ros weiter. Vor allem die Halswirbelsäule der Pferde weise jetzt immer mehr Pathologien auf, hat die Tierärztin festgestellt. Dr. Hans-Hermann Lagershausen, Wesermarsch-Kreisvorsitzender des Oldenburger Pferdezuchtverbandes, bestätigt gegenüber unserer Redaktion, dass anatomische Veränderungen bei einigen wenigen Pferden tatsächlich beobachtet werden konnten. Das Thema sei zwar im Visier des Verbandes, aber derzeit nicht so einfach zu lösen. „Wir benötigen da verlässliche Daten“, betont der Pferdeexperte. Zugleich bestätigt er auf Nachfrage unserer Redaktion aber auch, dass ein hoher Inzuchtgrad tatsächlich ein hohes Verlustpotenzial in sich bergen könne.
„Einige wenige Hengste werden uns noch große Probleme bereiten“, monieren die Kritiker der hochmodernen Sportpferdezucht. „Wir züchten uns unsere eigene Zukunft kaputt, wenn wir, wie bisher, nur auf die Vermarktung Wert legen“, sagt zum Beispiel die Züchterin Carolin Rohmann aus Marl auf YouTube.
Jungpferde schonen
Weiter wird moniert, dass junge Pferde immer schneller „in die Form gepresst“ würden, damit die Züchter schon ganz früh ganz viel Geld erzielen könnten. Auch Lagershausen hält nichts davon, junge Pferde schon zu früh zu stark anzustrengen. „Die Jungpferde müssen langsam und sehr behutsam an ihre späteren sportlichen Aufgaben und den Turniersport herangeführt werden“, sagt der Experte aus Berne im Gespräch mit unserer Redaktion.
