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Industrie in Nordenham Trotz Corona ein gutes Jahr für Kronos Titan

Carsten Büsing leitet seit Oktober 2020 das Kronos-Titan-Werk in Blexen.

Carsten Büsing leitet seit Oktober 2020 das Kronos-Titan-Werk in Blexen.

Norbert Hartfil

Blexen - Die Produktion war zu 100 Prozent ausgelastet, das Geschäftsergebnis fiel besser aus als erwartet: Im Gegensatz zu anderen Unternehmen, für die 2021 aufgrund der Corona-Krise ein Jahr zum Vergessen war, ist die Kronos Titan GmbH bisher gut durch die Pandemie gekommen. Das gilt nicht nur für die wirtschaftliche Bilanz, sondern auch für die Gesundheit der Beschäftigten. Nach Angaben des Werkleiters Carsten Büsing hat es in dem Blexer Industriebetrieb im vergangenen Jahr nur einen einzigen Covid-19-Fall gegeben. Diesen Erfolg führt er auf die strengen Hygienemaßnahmen zurück, die bei den Mitarbeitern auf ein großes Verständnis gestoßen seien.

Starke Nachfrage

„2021 war für uns ein gutes Jahr“, sagt der Werkleiter. Das Unternehmen habe von dem Bau-Boom profitiert, der coronabedingt zusätzlichen Auftrieb bekam. Auch für die Zukunft ist er in Anbetracht der anhaltend starken Nachfrage nach den Kronos-Titan-Produkten, die vor allem in Farben und Kunststoffen zum Einsatz kommen, optimistisch. Carsten Büsings Zuversicht wäre aber noch größer, wenn da nicht zwei Problemfelder wären, die ihm Sorgen bereiten: die steigenden Energiepreise und der Mangel an Fachkräften.

Ausgezeichneter Arbeitsschutz

Carsten Büsing hat am 1.Oktober 2020 den Posten des Werkleiters bei Kronos Titan in Blexen angetreten. Er übernahm diese Aufgabe von Peter Aengeneyndt, der in den Vorruhestand gewechselt ist.

Der 56-jährige Chemie-Ingenieur ist in Nordenham geboren und in Waddens aufgewachsen. Carsten Büsing bezeichnet sich selbst als einen „Butjenter Burschen“. 1986 hat er am Gymnasium Nordenham sein Abitur gemacht. Daran schlossen sich die Bundeswehrzeit, ein Studium in Hamburg sowie Tätigkeiten bei Unternehmen in Wilhelmshaven und Bad Soden an. Im Januar 2000 fing er bei Kronos Titan in Blexen als Betriebsingenieur an. Zwischenzeitlich war der dreifache Vater für einige Jahre im Leverkusener Werk von Kronos Titan beschäftigt.

Grundlage für den Erfolg eines Unternehmens ist nach Carsten Büsings Überzeugung ein „offener, vertrauensvoller und wertschätzender Umgang“ mit der Belegschaft. In dem Blexer Werk sind 320 Mitarbeiter tätig. Hinzu kommen etwa 30 Auszubildende.

Die Arbeitssicherheit ist ein wichtiges Thema bei Kronos Titan. Im Ranking mit den weltweit sechs Produktionsstandorten konnte das Blexer Werk im vergangenen Jahr die beste Arbeitsschutzbilanz aufweisen und wurde dafür mit einer Auszeichnung bedacht. 2021 gab es dort keinen Arbeitsunfall. „Darauf sind wir stolz“, sagt Carsten Büsing.

Die Produktionsmenge im zurückliegenden Jahr betrug 72.000 Tonnen Titandioxid. Das Weißpigment wird in erster Linie als Zusatz für Farben, Lacke, Bautenschutzanstriche und Kunststoffe verwendet. Als Nebenprodukte stellt das Blexer Werk Grünsalz für Kläranlagen und Kronochrome für die Zementindustrie her.

„Die Energiekosten sind förmlich explodiert“, berichtet der Werkleiter. In der Folge müsse Kronos Titan die Verkaufspreise erhöhen. Bislang habe das Unternehmen diese Verteuerungen zwar auf dem Markt durchsetzen können, doch auf Dauer könne es so nicht weitergehen. „Das beschleunigt die Inflation“, sagt Carsten Büsing. Er unterstützt die Bemühungen für den „auf jeden Fall notwendigen“ Klimaschutz, sieht aber die Politik gefordert, Wege für eine „bezahlbare Energiewende“ aufzuzeigen. Und zwar möglichst schnell.

Die Umstellung der Produktion auf grünen Wasserstoff ist laut Carsten Büsing technisch durchaus möglich. Allerdings seien damit in dem Blexer Chemiewerk, das bislang Erdgas als Hauptenergieträger nutzt, ein beträchtlicher Umrüstungsaufwand und erhebliche Investitionen verbunden. „Das lässt sich nicht von heute auf morgen umsetzen“, betont Carsten Büsing. Verschärft werde das Problem durch den Krieg in der Ukraine.

Junge Leute fehlen

Als eine „sehr große Herausforderung für die Region“ stuft der Kronos-Titan-Werkleiter die demografische Entwicklung und die damit verbundenen Nachwuchsprobleme ein. „Wir haben hochattraktive Arbeitsplätze“, sagt er, „aber es fehlen die jungen Leute.“ Dass besonders das Handwerk unter einem Fachkräftemangel leide, sei für die Industrie keineswegs ein Trost. „Die Industrie braucht das Handwerk“, stellt er mit Blick auf die unverzichtbaren Zuliefertriebe klar. Daher sei es dringend erforderlich, gemeinsam die Nachwuchswerbung zu verstärken und die Region für Zuwanderer interessant zu machen.

In dem Zusammenhang sei es auch wichtig, neue Arbeitszeitmodelle zu entwickeln und dabei die Familienfreundlichkeit zu fördern. Zudem müsse die Stadt Nordenham dafür sorgen, dass sie ihre positiven Seiten besser herausstellt. Dazu sollten auch die Bürger beitragen. Anstatt vieles schlecht zu reden, müsse aufgezeigt werden, „dass es sich lohnt, hier zu leben“.


Expansionspläne hat Kronos Titan zurzeit nicht. „Unser Hauptaugenmerk liegt auf der Optimierung und Modernisierung der bestehenden Produktionsanlagen“, betont Carsten Büsing. Die im neuen Bebauungsplan ausgewiesene Erweiterungsfläche auf dem Blexer Groden stellt laut Carsten Büsing nur eine „Option für die Zukunft“ dar.

Norbert Hartfil
Norbert Hartfil Redaktion Nordenham (Leitung)
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