Blexen - Anfang des Jahres hatte Carsten Büsing noch viel Zuversicht verbreitet. Der Werksleiter von Kronos Titan sagte für den Frühling eine verstärkte Nachfrage nach den Weißmacher-Produkten des Blexer Chemiebetriebes voraus. Doch diese optimistische Einschätzung hat sich nicht bewahrheitet: „Die Entwicklung im ersten Quartal verlief leider nicht so gut, wie wir es erwartet haben“, sagt Carsten Büsing. Daher sei der Unternehmensleitung keine andere Wahl geblieben, als erneut Kurzarbeit anzumelden. Sie hat Anfang Mai begonnen und soll nach dem jetzigen Stand der Dinge bis zum 31. Dezember dieses Jahres laufen.
Angesichts der schwierigen Marktlage in Folge der Corona-Krise hatte sich Kronos Titan schon in 2022 von Oktober bis Dezember im Kurzarbeit-Modus befunden. Jetzt muss das Unternehmen ein weiteres Mal auf dieses Instrument zurückgreifen, um die Absatzflaute zu überbrücken. Davon sind rund 290 Beschäftigte in fast allen Bereichen betroffen. Betriebsratsvorsitzender Heiko Tönjes betont, dass die Kurzarbeit möglichst gleichmäßig verteilt werden soll.
Ein Ofen ruht
Nach der für einige Monate eingeschränkten Produktion hatte Kronos Titan Mitte Januar wieder den Vollbetrieb unter Nutzung aller drei Öfen gestartet. Aber nur wenige Wochen später zeichnete sich ab, dass der erhoffte Aufschwung weiter auf sich warten lässt. Daher ist die Entscheidung gefallen, den Betrieb vorerst auf zwei Öfen zurückzufahren. An dieser Zwei-Drittel-Leistung will das Unternehmen zunächst bis Ende Juni festhalten und dann je nach Marktlage über das weitere Vorgehen befinden. Nach Angaben des Werksleiters Carsten Büsing sind alle Kronos-Titan-Standorte in Europa von der Absatzkrise betroffen und haben die Produktion eingeschränkt.
Wichtigstes Produkt des Betriebes in Blexen ist Titandioxid. Dieser Weißmacher in Pulverform kommt vor allem in Lacken, Farben, Schutzanstrichen und Baustoffen zum Einsatz. Normalerweise stellt Kronos Titan in Blexen davon rund 60 000 Tonnen im Jahr her. Allerdings leidet der Markt laut Carsten Büsing nach wie vor darunter, dass die Nachfrage im Heimwerker-Segment schwächelt. In der Hochphase der Corona-Pandemie war es genau anders herum, weil in der Zeit viele Renovierungs- und Bauvorhaben umgesetzt wurden. Nach diesem Boom folgte eine Marktsättigung, die dazu führte, dass die Kronos-Titan-Kunden weniger Bestellungen aufgaben und stattdessen auf ihre Lagerbestände zurückgriffen. „Diese Zurückhaltung ist immer noch da“, sagt Carsten Büsing. Es sei aber nur eine Frage der Zeit, bis sich die Situation wieder bessere.
Schuld an der derzeitigen Absatzflaute sind laut Carsten Büsing und Heiko Tönjes auch die Inflation und die hohen Preise sowie die steigenden Zinsen. Weil viele Neubauprojekte nicht mehr zu finanzieren seien, habe das Auswirkungen auf das Baugewerbe und damit auch auf die Titandioxid-Nachfrage. Hinzu komme eine allgemeine Verunsicherung durch das von der Bundesregierung angekündigte Heizungsgesetz. Weil viele Hauseigentümer die Befürchtung hätten, dass hohe Kosten durch die Anschaffung neuer Wärmesysteme auf sie zukommen, würden sie sich mit anderen Investitionen zurückhalten.
Solarpark in 2025
Carsten Büsing und Heiko Tönjes sind aber fest davon überzeugt, dass der Markt bald wieder anzieht. Sorgen um den Standort müsse sich niemand machen. Daher halte das Unternehmen auch an den Plänen fest, für die Stromversorgung des Werks in Blexen einen 25 Hektar großen Solarpark zu errichten. Ziel sei es, diese Anlage Ende 2025 in Betrieb zu nehmen.
Außer Titandioxid stellt das Unternehmen in Blexen die Nebenprodukte Grünsalz und Kronochrome her. Grünsalz wird in Kläranlagen als Fällmittel verwendet. Kronochrome kommt in der Zementindustrie zum Einsatz.
