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Chemiewerk in Nordenham Absatzkrise zwingt Kronos Titan zu Kurzarbeit


Im Werk der Kronos Titan GmbH in Blexen beginnt am 4. Oktober die Kurzarbeit.
Horst Lohe

Im Werk der Kronos Titan GmbH in Blexen beginnt am 4. Oktober die Kurzarbeit.

Horst Lohe

Blexen - Vor einigen Monaten ist die Welt bei Kronos Titan noch in Ordnung gewesen. Das Chemiewerk in Blexen war im Gegensatz zu anderen Betrieben gut durch die Corona-Krise gekommen und hatte 2021 sogar bei voller Auslastung produzieren können. Doch inzwischen hat sich die Situation dramatisch verändert: „Die Nachfrage ist zusammengebrochen“, sagt Werkleiter Carsten Büsing. In der Folge hat das Unternehmen jetzt Kurzarbeit angemeldet.

Produktion gedrosselt

Von der Kurzarbeit, die am 4. Oktober beginnt und bis zum Ende dieses Jahres geplant ist, ist der Großteil der Belegschaft betroffen. Laut Carsten Büsing werden in allen Abteilungen rund 280 der 350 Beschäftigten in Kurzarbeit gehen. Damit verbunden ist eine Drosselung der Produktion auf ein Viertel des bisherigen Umfangs.

Die Absatzflaute ist nach Angaben des Werkleiters eine indirekte Auswirkung der Corona-Pandemie. Im ersten Krisenjahr habe Kronos Titan noch von dem Bau-Boom und der großen Nachfrage im Heimwerkerbereich profitiert. Doch dieser Hochlauf sei mittlerweile in eine Marktsättigung umgeschlagen. Das hänge auch mit den allgemeinen Preissteigerungen und der Inflation zusammen.

Viele Abnehmer des in Blexen hergestellten Hauptprodukts Titandioxid, das als Weißpigment vor allem in Farben, Bautenschutzanstrichen und Kunststoffen zum Einsatz kommt, seien dazu übergangen, auf die Bestände in ihren gut gefüllten Lagern zurückzugreifen und vorerst keinen Nachschub zu ordern. „Das betrifft nicht nur uns, sondern die gesamte Branche“, betont Carsten Büsing. Verschärft werde das Problem durch die Energiekrise und die Kostenexplosion infolge des Ukraine-Krieges.

Energie sparen

Der Werkleiter ist aber zuversichtlich, dass die Nachfrage im ersten Quartal des nächsten Jahres wieder anziehen wird. Um darauf vorbereitet zu sein, will das Unternehmen die Zeit in den kommenden Wochen für Reparatur- und Instandsetzungsprojekte nutzen. Zudem sollen Energiesparmaßnahmen umgesetzt werden. Dazu gehört laut Carsten Büsing die Umrüstung eines Dampfkessels auf einen Kombibetrieb mit Gas oder Öl. Bislang kann diese Anlage nur mit Gas betrieben werden. Weil Öl günstiger zu bekommen ist, eröffnet sich auf diese Weise eine Einsparmöglichkeit.

Das Werk der Kronos Titan GmbH besteht seit 1969 in Blexen. Im vergangenen Jahr betrug die Produktionsmenge rund 72.000 Tonnen Titandioxid. Dieses Weißpigment in Pulverform wird aus dem Erz Ilmenit gefertigt. Den Rohstoff bezieht Kronos Titan aus einer Mine in Norwegen. Als Nebenprodukte stellt das Unternehmen Grünsalz für Kläranlagen und Kronochrome für die Zementindustrie her.

Norbert Hartfil
Norbert Hartfil Redaktion Nordenham (Leitung)
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