Brake - Normalerweise stehen in den Vitrinen eines Museums Gegenstände, die von Archäologen und Historikern bis aufs kleinste Detail beschrieben werden. Nicht so soll es in der neuesten Sonderausstellung im Schiffahrtsmuseum Unterweser sein. Denn hier ist für die Besucher genug Spielraum für freie Interpretationen. „Wir haben fast keine Infos zu den Objekten. Das Alter, die Herkunft und das Material sind uns nicht bekannt“, sagt Museumsleiterin Dr. Christine Keitsch.
Kreative Geschichten
Trotzdem können sich die Besucher dort nun elf rätselhafte Weserfunde und Objekte aus der Seefahrtsgeschichte anschauen, die elf Autoren und Autorinnen zu spannenden Beiträgen inspirierten. So entstanden elf Geschichten, die einen neuen Zugang zu den Fundstücken und zur maritimen Geschichte der Weserregion bieten. Die Idee zur Ausstellung stammt von Anne Schweisfurth, Kuratorin des Hafenmuseums Speicher XI. Denn auch in der Wissenschaft sind Vermutungen oft der erste Schritt in der täglichen Praxis.
Die Auswahl der in Brake gezeigten Stücke reicht von einer Römischen Kasserolle, über einen Walschultergelenkkopf und eine Violine bis hin zu einer Seetangflasche und einem Nordatlantischen Seehasen. Angereichert werden die Ausstellungsstücke durch die Kurzgeschichten der Autoren aus Norddeutschland. Der Kreativität sind hierbei keine Grenzen gesetzt gewesen.
Zum Beispiel bringt die einstige Clownin und heutige Bio-Gemüsegärtnerin Anna Lott einen Smaragdring in Verbindung mit dem aktuellen Schlankheitswahn. In ihrer Kurzgeschichte schenkt ein Vater kurz vor dem Tod seiner Tochter einen Ring. Doch dieser passt ihr nicht. Ihre Finger sind zu klein. Also entschließt sie sich dazu, an Gewicht zuzunehmen.
Für den Klimaschutz
Zu dem historischen Bordgeschütz hat die Autorin Lady Bitch Ray ihre ganz eigene Interpretation. Sie sieht in dem Relikt ein umweltfeindliches Objekt. Sie beschreibt das Geschütz als Phallus-Symbol. Ihr Artikel heißt „Oh Pussygeschütz“. Die elf Kurzgeschichten stehen also ganz im Sinne der Fantasie, sagt die Museumsleiterin.
Für den Besuch im Museum ist kein Corona-Test mehr notwendig. Eine vorherige Anmeldung wird jedoch empfohlen. Parallel zur Sonderausstellung startet auch ein Projekt für Kinder. Draußen können die Jungen und Mädchen in zwei Grabungsfeldern Objekte entdecken und einschätzen, worum es sich jeweils handelt. „Die Kinder können selbst graben und abmessen. Anhand von Vergleichsobjekten können sie dann erahnen, was sie gefunden haben“, sagt Museumspädagogin Sabine Röben-Nonnast.
