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nordwest-zeitung

Corona-Lockdown Ein Drama für Kulturschaffende in Nordenham

Christian Schöckel

Nordenham - Seit Mitte März ist der Kulturbetrieb in Nordenham mehr oder weniger auf Eis gelegt. Existenzbedrohend ist der Corona-Lockdown für die meisten Kulturschaffenden nicht, weil Musik, Theater und Kunst für sie ein Hobby und kein Beruf ist. Aber frustrierend ist die Situation allemal. Natürlich hoffen die Kulturschaffenden und mit ihnen das kulturinteressierte Publikum, dass sich die Situation im nächsten Jahr verbessert.

Ein Herz für die Kultur in Nordenham

„Kulturherz“ nennt sich eine Aktion, die Maren Lutz auf den Weg gebracht hat. 120 Menschen aus den Bereichen Kultur und Gastronomie haben sich ablichten lassen. Mit diesen Fotos will die Initiatorin unter anderem in sozialen Medien dafür werben, dass die Kulturangebote genutzt werden, sobald dies wieder möglich ist. Um die Aktion finanzieren zu können, sammelt Maren Lutz ( t   0160/9105763) Spenden.

Jana Agene, Kunstverein

Die Jahreshauptversammlung war für den Kunstverein die erste und einzige Veranstaltung in diesem Jahr. Das zufriedene Lächeln der Mitglieder damals, als sie hörten, dass nach der Kündigung der Ausstellungsräume im Alten Rathaus zumindest übergangsweise ein neues Zuhause im Nordenham-Museum gefunden wurde, sei ebenso schnell auch wieder den Sorgenfalten gewichen. „Corona hat uns komplett ausgebremst. Wir mussten alles absagen,“ bedauert die Kunstvereinsvorsitzende Jane Agena. Dennoch, so sagt sie, hielten die Mitglieder dem Verein uneingeschränkt die Treue.

Bernd Bohlen, Discjockey

Viele, die ihren Lebenstraum verwirklichten, einmal hauptberuflich als Discjockey zu arbeiten, „sind heute gekniffen“, sagt Bernd Bohlen. Innerhalb nur eines halben Jahres sei ihnen die Existenzgrundlage genommen worden. Die Szene blute langsam aus. Bernd Bohlen, der seit mittlerweile 38 Jahren mit seiner mobilen Disco nebenberuflich unterwegs ist, hat, so sagt er, seinen letzten DJ-Job am 7. März gehabt. Danach wurden alle Termine abgesagt. „Ich kann’s den Leuten aber gar nicht verdenken,“ sagt er, „denn die Auflagen waren einfach zu hoch und haben jedes Feier-Feeling zerstört.“

CORONA-LOCKDOWN IN NORDENHAM Zwischen Existenzangst und zaghafter Zuversicht

Nordenham

Matthias Kasper, Musiker

„Wir haben keine Proben mehr. Die Stimmung in der Band ist zwar noch gut, aber uns fehlt das gesellige Beisammensein,“ sagt Matthias Kasper von der Hafenrockband The Muschels. „Wir hätten in diesem Jahr viele tolle Auftritte gehabt. Viele Highlights, die man möglicherweise auch nur einmal im Leben so gehabt hätte. Doch alles wurde abgesagt. Ein echtes Drama.“

Oliver Morawietz, Whisky-Experte

Nicht nur Nordenhamer schätzen Oliver Morawietz‘ Lockerheit und seine Leidenschaft für schottischen Whisky. In Vorträgen, bei Seminaren und Tastings hat er damit schon viele anstecken können. Doch seit dem Corona-Ausbruch gehe gar nichts mehr, erzählt er. Whisky-Tastings mit Hygienekonzept seien ein Widerspruch in sich. Auch im Sommer wären sie wegen der der Personenbegrenzungen und der Abstandsregeln nicht sinnvoll gewesen.

Herbert Hanke, Spielschar Esenshamm

Im März wollte die Spielschar mit ihrem neuen Stück „König der Möwen“ punkten. Fünf Monate lang hatte die Gruppe geprobt. Die Kostüme waren angeschafft, die Bühne im Esenshammer Hof war tapeziert und möbliert. Dann, von einem Tag auf den anderen, so erinnert sich Herbert Hanke, war alle Planung Makulatur. Die Idee, die Premiere dann einfach auf den November zu schieben, durchkreuzte der zweite Lockdown. „Bis wir starten können, wird es wohl Sommer werden,“ vermutet Herbert Hanke.

Niklas Kanthack, Musiker

Nicht auftreten zu dürfen, sei schlimm. Sich nicht treffen zu dürfen, aber noch viel schlimmer, erzählt Niklas Kanthack, Sänger der Nordenhamer Punkrockband Die Meldung. Eine Live-Einspielung ohne Publikum fürs Weser TV im Juli in der Jahnhalle sei in diesem Jahr der einzige öffentliche Auftritt gewesen. Proben dürfe die Band zurzeit nicht. „Das tut weh. Wir alle lieben es, Musik zu machen, aber wenn das nicht geht, sinkt auch krass die Motivation.“


Jutta Gürtler, Sängerin

„Seit dem 13. März wurden sämtliche Auftritte gecancelt,“ berichtet Jutta Gürtler, die unter anderem als Amy-Winehouse-Interpretin bekannt ist. Corona löse viel Frust aus, „auch weil für uns die so ganz andere Wertschätzung fehlt, die wir sonst durch unsere Kunst erfahren.“ Für sie, so Jutta Gürtler, sei die Musik nur Hobby und sie könne das wegstecken. Ihr Lebensgefährte Frederic Drobnjak sei jedoch Profimusiker – und ihn treffe das Auftrittsverbot massiv.

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