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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Alles andere als ein Friedensfürst

05.07.2018

Abbehausen „Anton Günther geht immer“, sagte Professor Dr. Gerd Steinwascher lachend, bevor er seinen Vortrag über das Leben und Wirken des Oldenburger Grafen hielt. Und tatsächlich: Immer mehr Interessierte strömten in den großen Saal, so dass bald zusätzliche Stühle herangeschafft werden mussten. Letztlich begrüßte Hans-Rudolf Mengers, Vorsitzender des Rüstringer Heimatbundes, rund 120 Zuhörer zu dem heimatkundlichen Klönabend in der Gaststätte Butjadinger Tor.

Pferd als Markenzeichen

Fast jeder hat von ihm gehört und kennt das Bild des Grafen Anton Günther auf seinem Pferd „Kranich“. In der Huntestadt und Umgebung ist der Herrscher der Dynastie Oldenburg (1583 - 1667) quasi ein Markenzeichen. Aber um den kaisertreuen Monarchen, der vor nunmehr 351 Jahren gestorben war, ranken sich bis heute Mythen und Legenden. Das ging aus den Ausführungen des Referenten hervor, der in Oldenburg das Niedersächsische Landesarchiv leitet.

Anton Günther, der im Alter von 20 Jahren die Herrschaft von seinem Vater übernahm, war laut Gerd Steinwascher beileibe kein Friedensfürst, sondern ein umtriebiger Regent. Bei allen Friedensbeteuerungen habe er die Gratwanderung zum Krieg nicht gescheut und zum Beispiel die militärische Auseinandersetzung mit Bremen riskiert. Die Tatsache, dass es dem Grafen gelang, seine Territorien und Besitztümer während des Dreißigjährigen Kriegs zu beschützen, sei nicht nur seinem diplomatischen Geschick, sondern ebenso der geografischen Lage geschuldet, zumal der Nordwesten des Landes damals ohnehin recht glimpflich davon gekommen sei.

Die weit verbreitete Meinung, der Graf habe einen Angriff auf Oldenburg durch die Schenkung wertvoller Pferde verhindern können, ist aus historischer Sicht nicht haltbar. Dennoch kann man Anton Günther durchaus als Pferdegrafen bezeichnen, weil er Oldenburg während seiner Regierungszeit zu einer durchaus repräsentativen Residenzstadt mit einem imposanten Marstall machte.

Jedoch trieb der Graf besonders den für ihn lukrativen Ochsenhandel voran. „Er war Großagrarier und monopolisierte den einträglichen Ochsenhandel“, sagte Gerd Steinwascher.

In seiner 64-jährigen Regierungszeit habe der kaufmännisch versierte Diplomat auch keine überdurchschnittlichen Reformen eingeführt. Stattdessen habe Anton Günther er an dem kaisertreuen Führungsstil seiner Vorfahren festgehalten, sei weiß Gott nicht zimperlich im Umgang mit seinen Untergebenen gewesen und habe durchweg auf seinen eigenen materiellen Vorteil geachtet.

Nach Angaben des Referenten hat der legendäre Graf den Bauern die Selbstverwaltung nur überlassen, weil es ihm an dem nötigen Personal fehlte und keine Notwendigkeit zum Eingreifen bestand.

Ein Patriarch

„Anton Günther war ein Patriarch, Land und Leute behandelte er als Eigentum, über das er verfügen wollte. Entsprechend verhielt er sich, als ein legitimer Erbe ausblieb“, so die schonungslosen Worte des Historikers. Der Monarch sei, als er seinen Nachlass geregelt habe, keinesfalls gewillt gewesen, den Erbvertrag von 1633 zu erfüllen. Seine engste Familie habe für ihn immer über dem Grafenhaus und der Dynastie gestanden. Damit ist nach den Recherchen von Gerd Steinwascher das Bild des Grafen auf dem Pferd definitiv zu positiv besetzt.

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