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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Beim Filzen arbeitet die Wolle mit

20.07.2018

Alse Kühl ist es in der Werkstatt von Steffi Woida-Driesner. Wolle in allen Farben des Regenbogens stapelt sich bis unter die Decke. An den Wänden hängen bunte Taschen und flache Sitzkissen. Das einzige neuzeitliche Gerät ist ein Wasserkocher – na ja und eine elektrische Schleuder, geschätzt aus den 1970er Jahren. „Die hat mir eines meiner Mädchen mitgebracht, als meine Walze kaputt gegangen ist“, erzählt Steffi Woida-Driesner.

Bei Mittelaltermärkten

Auf ihrem Hof in Alse betreibt sie eine historische „Filzerey“. Historisch deshalb, weil das Filz-Handwerk schon über 2000 Jahre alt ist. „Damals hat man aber nicht unbedingt Seifenwasser zum Filzen benutzt, sondern Urin oder Schweiß“, erzählt Steffi Woida-Driesner schmunzelnd. Bei ihr wird zum Filzen jedoch nur Wasser und Seife genutzt, versichert sie.

Durch ihre Leidenschaft für das Filzen wurde auch ihr Interesse an Handwerk, Kultur und Lebensart des Mittelalters geweckt. Sie sei eine „Fogelfreie Filzerin“, sagt sie. Sie gehört einer Gruppe von Händlern an – den Fogelfreien –, die regelmäßig auf Mittelaltermärkten und -festen ihre Waren feilbieten. Dazu gehört auch immer die Darstellung des im Mittelalter üblichen Alltags und natürlich auch des alten Handwerks.

Das Wollhaar ist genauso aufgebaut wie das menschliche Haar, erläutert Steffi Woida-Driesner. „Wenn man das mit Bewegung und warmen Seifenwasser bearbeitet, stellt sich die oberste Schuppenschicht der Wollfasern auf und die Fäden verhaken sich miteinander“, erklärt die Filzerin.

Ihre drei Söhne besuchten einen Waldorfkindergarten. Da seien die Eltern immer angehalten gewesen, handwerklich mitzuarbeiten. So lernte Steffi Woida-Driesner das Filzen. Inzwischen filzt sie seit rund 20 Jahren, bietet Workshops und Werkstattnachmittage – jeden Donnerstag ab 14 Uhr, nach vorheriger Anmeldung – an.

Sie hielt sogar zehn Jahre lang zwei Schafe. Die Wolle konnte sie jedoch nicht zum Filzen verwenden. „Das waren Texelschafe, und Texelwolle filzt überhaupt nicht“, weiß die Expertin. Die beste Wolle sei die australische Merinowolle. „Das ist die feinste Wolle“, sagt Steffi Woida-Driesner.

Wollfasern statt Fäden

Zum Filzen nimmt man Wollfasern, keine Wollfäden, stellt Steffi Woida-Driesner klar. Vom Sitzkissen über Taschen bis zur Kinderweste hängt ihre Werkstatt voll mit den verschiedensten Werken.

Gerade arbeitet sie an einem Wärmflaschenbezug. „Der hält richtig warm. Wenn ich auf Mittelaltermärkten bin, mache ich mir abends eine Wärmflasche und morgens ist das Wasser immer noch so warm, dass ich damit das Geschirr abwaschen kann“, erzählt sie.

Wer das Filzhandwerk richtig beherrscht, muss für seine Werke eigentlich nie zu Nadel und Faden greifen. Auch der Wärmflaschenbezug besteht komplett aus einem Stück. Steffi Woida-Driesner hat für ihre unterschiedlichen Werke verschiedene Abstandshalter gebastelt, damit Vorder- und Rückseite nicht zusammenfilzen. Bei der Wärmflasche filzt sie erst die eine Seite, dann die andere, durch umschlagen und drehen wird daraus schließlich eine geschlossene Hülle, die aus nur einem Stück besteht. „Man muss schon plastisch denken können. Manche Entwicklungen dauern Jahre“, erzählt Steffi Woida-Driesner.

So entstand zum Beispiel auch die Idee zur Handpuppe „Fledra“, ihrem Lieblingsstück. Die Handpuppe ist eine Mischung aus Fledermaus und Drache. „Ursprünglich wollte ich ein Krokodil für das Puppentheater meiner Söhne machen. Aber ich habe einfach kein Krokodil hingekriegt“, erzählt sie schmunzelnd. Auch das sei das Schöne am Filzen: „Wenn was schief geht, ist es nicht schlimm, es entwickelt sich einfach etwas anderes daraus“, sagt sie.

Nicht verzweifeln

Auch den Teilnehmern ihrer Seminare rät sie immer, nicht zu verbissen an einem Design festzuhalten. „Lass dich von der Wolle überraschen, sie arbeitet mit“, sagt Steffi Woida-Driesner. So könne sich zum Beispiel die Farbe verändern, wenn die Fasern der unteren Wollschicht nach oben kommen.

Manchmal filze sich auch eine Lage oder Dekoration nicht fest. Bevor die Teilnehmer verzweifeln, rät Steffi Woida-Driesner dann doch zu einem „Haltefaden“.

Inspiration holt sie sich für ihre Werke oft in der Natur. „Ich genieße es, immer mal wieder etwas Neues auszuprobieren“, erzählt sie. Denn der Fantasie sind beim Filzen fast keine Grenzen gesetzt.

Merle Ullrich
Nordenham
Redaktion Nordenham
Tel:
04731 9988 2202

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