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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

King Charles III. verfällt dem Putzwahn

20.12.2018

Atens Zwar war es die Shakespeare Company, die das Stück „King Charles III.“ in der Stadthalle Friedeburg aufführte, bei dem Drama handelt es sich jedoch nicht – wie man vielleicht zunächst vermuten möchte – um ein Bühnenstück des berühmten englischen Autors. Es ist ein modernes Werk mit fiktivem Zukunftscharakter.

Nach dem Tod von Königin Elizabeth II. soll Prinz Charles traditionsgemäß die Thronfolge antreten. Nachdem er sich weigert, einem Gesetz zuzustimmen, das die Freiheit der Presse und Privatsphäre einschränkt, kommt es zu politischen und familiären Intrigen. Die Situation eskaliert dermaßen, dass daraus eine Staatskrise erwächst, das royale Staatsoberhaupt schließlich abdanken muss und sich in einem regelrechten Putzwahn verliert.

„Ich bin allein“ und „ich sitze in der Falle, seitdem Mutter tot ist“, sagt Charles III. bereits in der Anfangsszene. Mit seinem einfachen Besen kehrt er am Schluss des gut zweieinhalbstündigen Theaterstücks die mittlerweile verwaiste Bühne.

„Ein Drama über die königliche Familie von epischem Ausmaß, das von Macht und nationaler Verfassung handelt, dafür braucht man in jedem Fall eine Shakespearesche Form“, sagt Mike Bartlett. Der britische Autor des modernen Stücks wählte daher ganz bewusst die klassische Form der Blankverse, die Aufteilung der dramatischen Handlung in fünf Akte und fügte komödiantische Momente ein. Die äußerst gelungene Übersetzung stammt von Rainer Iwersen.

Schon kurz vor der Pause hatte das Schauspieler-Ensemble die verfahrene politische Situation in Großbritannien sehr überzeugend dargestellt, als es sich unter die Besucher der Friedeburg in den Sitzreihen mischte und lautstark die widersprüchlichen Überzeugungen in England kundtat.

„Ganz hervorragend gemacht. Und es hat alle Elemente, die ein Shakespeare-Stück braucht“, meinte auch Dr. Burkhard Leimbach anerkennend. Er war einer der rund 125 Besucher, die von dem zeitgenössischen Drama ganz angetan waren. „Unfassbar. Einfach irre!“, sagte Stefan Tönjes bereits in der Pause, in der im Foyer der Friedeburg richtiggehender Tumult herrschte.

„God Save The King“ war auf einem Schild zu lesen, mit dem einer der neun Schauspieler durch den Vorraum mit dem dort aufgebahrten Sarg von Queen Elisabeth II. lief. Andere sangen die britische Nationalhymne, „nieder mit der Monarchie“ schrien die Kontrahenten unter den Masken, bevor es zu einem handgreiflichen Gemenge kam.

Nach der Pause, die ja nun eigentlich keine war, nahm das dynamische Theaterstück noch einmal an Fahrt auf. Die Handlung verdichtete sich, die Konflikte spitzten sich weiter zu. Das alles war so gut gemacht, dass nach der Vorstellung so viel applaudiert wurde, dass die Schauspieler sich gleich sechs Mal auf der Bühne zeigen mussten.

Auch Regisseur Stefan Otteni, der bei der Vorstellung in Nordenham vor Ort war, zeigte sich mit der Aufführung sehr zufrieden. Er hatte Charles III. zuletzt vor einem Jahr gesehen. Die Tatsache, dass lediglich um die 125 Theaterfreunde in die Stadthalle gekommen waren, führte er auf die Vorweihnachtszeit zurück.

Derzeit laufen in Bremen die Proben zu dem Königsdrama Angela 1. Auch hier geht es darum, das politische System durch das Augenmerk auf die an der Spitze Regierenden kritisch und schonungslos zu durchleuchten – Nur eben in Deutschland. Die Idee zum neuen Werk ist während der Proben zu Charles III. entstanden. „Wir dachten, dass es toll wäre, wenn wir das alles auf deutsche Verhältnisse übertragen könnten“, sagte Stefan Otteni, der wieder Regie führt. Die Premiere wird am 28. Februar in Bremen stattfinden.

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