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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Auf den Spuren des Heldenepos

03.12.2013

Nordenham Sprache lebendig zu inszenieren ist schwierig. Hanjo Kesting und Volker Hanisch wissen, wie es geht. Der eine ist promovierter Literaturwissenschaftler und Historiker, Publizist, Redakteur und war über viele Jahre Leiter der Abteilung Wort im NDR gewesen. Der andere ist Synchronsprecher und Schauspieler – unter anderem in den Serien „Großstadtrevier“ oder „Tatort“.

Im Mittelpunkt des Vortrages in der Aula des Gymnasiums stand das Nibelungenlied. Ein Text, der nicht sofort durch Spannung besteche und unter dessen Einfluss „Generationen von Schülern litten und leiden“, so der Vorsitzende der Nordenhamer Goethe-Gesellschaft, Burkhard Leimbach. Dieses Werk zu einem spannenden und mitreißenden Ereignis zu machen, verrate Fertigkeit.

Dr. Hanjo Kesting kommentierte, erläuterte und begleitete am Rednerpult, Volker Hanisch las am schlichten Schultisch. Auf der Leinwand erschienen Fotos von Gegenständen, bekannten Gesichtern oder alten Landkarten. Unspannend?

Im Gegenteil: „Potenzprobleme, Intrigen, Eifersucht, Mord und Rachsucht“ hatte die Goethe-Gesellschaft in ihrem Programmheft einige Stichworte für diese Erlebniswelt „Das Nibelungenlied“ vorgegeben – aber sie trotzdem eher unspektakulär unter die Überschrift gestellt: „Dritter Teil der literarischen Reihe: Erfahren, woher wir kommen.“

Das Nibelungenlied ist ein mittelalterliches Heldenepos, das zu Beginn des 13. Jahrhunderts entstand. Es wurde in der damaligen Schriftsprache Mittelhochdeutsch geschrieben und fußt auf der Nibelungensage, deren Ursprünge bis ins Zeitalter der Völkerwanderung zurückreichen. Historischer Anknüpfungspunkt ist die Zerschlagung des Burgunderreiches.

Fragmentarisch erhalten

Das Nibelungenlied liegt heute in rund 37 größtenteils nur fragmentarisch erhaltenen deutschen Handschriften und einer niederländischen Umarbeitung vor. Es umfasst 39 so genannte Aventüren und etwa 2000 Strophen.

Der Autor sei nicht bekannt, sagte Hanjo Kesting. Ihn zu nennen sei bei einem höfischen Heldenepos damals nicht üblich gewesen. Dies zu verschweigen sollte in früheren Zeiten den Wahrheitsgehalt der Erzählung unterstreichen. Die Nibelungen würden in dem nach ihnen benannten Lied nur am Rande erwähnt, sagte er. Vielmehr ginge es um ihren Schatz.

Der Autor habe keinen Wert auf Spannung gelegt – sonst hätte er den jämmerlichen Tod nicht schon zu Beginn vorweggenommen. Der Urheber habe ohnehin davon ausgehen müssen, dass die Leser die Geschichte vom Hörensagen längst kennen.

Während des Goethe-Abends folgte Hanjo Kesting dem roten Faden des Heldenepos. Er erzählte ohne Zitatenskrupel den Inhalt, die Hintergründe, zog Parallelen zu nordischen Überlieferungen, erinnerte an Friedrich de la Motte Fouqué‘s Trilogie „Der Held des Nordens“, Friedrich Hebbels Drama „Die Nibelungen“, Richard Wagners Trauerspiel „Der Ring des Nibelungen“ und Fritz Langs Nibelungenfilm. Und natürlich verschwieg er auch die politischen Dimensionen des Werks und seinen Missbrauch durch den Nationalsozialismus nicht.

Fassung aus DDR-Zeiten

Zwischendurch las Volker Hanisch Texte aus verschiedenen Übersetzungen. Dabei orientierte er sich an der Prosafassung von Uwe Johnson und Manfred Bierwisch, erschienen zu DDR-Zeiten 1960 in Leipzig.

Mal waren die Textstellen zum Schmunzeln, oder traurig, mal zum Schaudern, oft blutrünstig, mal romantisch oder dramatisch – aber immer spannend. Die Zuhörer lauschten gebannt von der Kunst des Vortragens. Schade, dass keine Oberstufenschüler zuhörten: Sie hätten einen vermeintlich verhassten Stoff vielleicht wieder lieben gelernt.

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