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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

THEATER: Bankraub bringt Altenheim in Aufruhr

16.02.2008

FRIEDRICH-AUGUST-HüTTE Otto Hahn (Reiner Böning) fasst sich berherzt in den Schritt. „Nein,“, sagt er, „bei mir gibt’s noch keine verkehrsberuhigten Zonen.“ Seinen Mitbewohnern im Altersheim will der Westentaschen-Casanova weismachen, dass ihm noch immer die Frauenherzen zufliegen. Dass er sich die Liebesbotschaften selbst an die Zimmertür klebt, verrät er lieber nicht. Ein schräger Typ ist das, dieser Otto. Aber im neuen Stück der Niederdeutschen Bühne Nordenham sind sie alle irgendwie schräg: Senioren mit kleinen, aber liebenswerten Macken, die ein Banküberfall aus ihrem tristen Alltag reißt. „Dor weer doch noch wat“ heißt die Komödie von Eva Hatzelmann. 70 Besucher sehen am Donnerstag die Premiere im Kasino Friedrich-August-Hütte. Und sie belohnen die gelungene Aufführung am Ende mit viel Beifall.

Amateur-Theater in höchster Qualität bekommt das Publikum zu sehen. Schauplatz ist der Aufenthaltsraum eines Seniorenheims. Zwischen Beerdigungen und Kaffeetafeln laufen dort die ewig gleichen Rituale ab. Da ist Potenzprotz Otto, der seine Finger nicht vom Hintern der Pflegerin Dragica (Helga Schultz) lassen kann. Da ist die Ex-Operndiva Lilly (Traute Funk), die gerne über die guten alten Zeiten plaudert und noch viel lieber über ihre zahllosen Wehwehchen. Da ist Max (Erwin Heidemann), dem beim Anblick von Lilly vor Liebe das Herz überschäumt. Da ist Wally (Heidrun Winter), die sich tagtäglich von ihrer Tochter Gabriele (Erika Kirsch) anpumpen lässt. Da ist Emmy (Renate Brüggemann), die hinter jeder Harmlosigkeit Verbrechen und Unzucht vermutet. Und da ist Kommissar Höpke (Georg Schultz), der im Altenheim nach der verschwundenen Beute eines Banküberfalls fahndet, aber angesichts der schrulligen Verdächtigen sehr schnell an die Grenzen seiner nervlichen Belastbarkeit stößt.

Alle Darsteller spielen ihre Rollen hervorragend. Und doch ragt Renate Brüggemann aus dem tollen Ensemble noch eine Nasenspitze heraus. Was sie aus ihrer Rolle herausholt, ist fantastisch. Da soll nochmal jemand behaupten, Frauen seien nicht komisch. Renate Brüggemann beweist das Gegenteil: als Geisel, die einen Bankräuber überwindet und in Verdacht gerät, als die Beute wie vom Erdboden verschluckt ist. Und als hinterlistiges Tratschweib, das sich gerne hinter Vorhängen versteckt, um Mitbewohner zu belauschen. Mimik und Gestik sind klasse: Emmy Biermann läuft zu Hochform auf – vor allem, wenn ihre Qualitäten als Quasselstrippe gefragt sind.

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Das Stück selbst kommt zwar nicht ganz ohne Klischees aus, verzichtet aber weitgehend auf stereotype Charaktere, wie sie das Publikum aus zahllosen niederdeutschen Komödien kennt. Die Idee, ein Faschingsfest als Rahmen für den dritten Akt zu wählen, ist klasse. Denn viel schriller geht es nicht, als die Ermittlungsarbeit eines gereizten Kriminalbeamten in einem Kostümfest durchgeknallter Senioren anzusiedeln. Auch wenn das Potenzial dieser Konstellation nicht vollständig ausgereizt wird, so sorgt sie doch für eine beachtliche Pointendichte, die das Publikum bis zum Schluss bei bester Laune hält.

Und so gebührt natürlich auch Inge Debelts ein dickes Lob für ihre letzte Regiearbeit (die NWZ berichtete). Es ist ein emotionaler Moment, als sich die Regisseurin und ihr Mann Bodo Debelts, seit vielen Jahren als Bühnenbauer für die „Plattdüütschen“ im Einsatz, sichtlich gerührt vom Publikum verabschieden.

Jens Milde Nordenham / Redaktion Nordenham
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