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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Verschwundene Schätze der Wesermarsch

16.07.2019

Bardenfleth /Altenhuntorf /Abbehausen So ein Hochzeitsgeschenk gibt es nicht alle Tage: Anlässlich seiner Trauung mit der Organistenwitwe Anna Elisabeth Koch in Abbehausen übergab Arp Schnitger der Kirchengemeinde im Jahr 1713 eine neue Orgel. Kennengelernt hatte er seine Frau während seiner Arbeit an dem Instrument.

Der schon zu Lebzeiten berühmte Schnitger berechnete der Kirchengemeinde nach der Fertigstellung nur einen kleinen Preis, aus „Liebe zu seinem Vaterland“, wie es in einer alten Niederschrift heißt. Das Instrument in Abbehausen war das größte, das er im Oldenburger Land gebaut hat. War – denn heute steht in der St.-Laurentius-Kirche in Abbehausen keine Schnitger-Orgel mehr.

Sie wurde im Jahr 1911 durch ein Instrument des Orgelbauers Johann Martin Schmidt ersetzt. Er stammte aus einer Orgelbaudynastie aus dem Oldenburger Land. Dort war er auch vor alllem tätig. Er baute zahlreiche Instrumente um und passte sie an den Zeitgeschmack an. Die meisten seiner Umbaumaßnahmen wurden anschließend wieder rückgängig gemacht – so auch in der Abbehauser Kirche.

Dort beauftragte die Kirchengemeinde 1962 den Orgelbauer Alfred Führer aus Wilhelmshaven mit dem Neubau einer Orgel, angelehnt an den Aufbau der Schnitger-Orgel, von der heute nur noch die prächtige Fassade, der Prospekt, erhalten ist.

Doch auch einige barocke Pfeifen sind noch eingebaut. Sie klingen im Gegensatz zu den neueren Pfeifen viel voller. „Die alten Pfeifen haben einfach mehr Präsenz“, erklärt Natalia Gvozdkova, Orgelsachverständige, bei einem Probespiel auf dem Instrument. „Der neue Klang war aber damals so gewollt. Nur weil die Orgel aus dem 20. Jahrhundert ist, ist sie nicht schlecht. Das wäre sehr ungerecht“, so die Expertin.

Pastor Matthias Kaffka ist jedenfalls sehr zufrieden mit „seiner“ Orgel in der St.-Laurentius-Kirche. „Alle Organisten spielen sie gern. Sie kann das Dach zum Scheppern bringen“, sagt er.

Keine 30 Kilometer entfernt, in der St.-Anna-Kirche in Bardenfleth, findet sich eine ganz ähnliche Orgel-Geschichte wie in Abbehausen. Es gab ein Schnitger-Instrument aus dem Jahr 1706, das 1894 von Johann Martin Schmid durch einen Neubau ersetzt wurde. 1952 baute dann die Firma Führer eine neue Orgel ein. „Ein Serienmodell“, so Gvozdkova.

Auch in Altenhuntorf finden sich Spuren von Schnitger – sein Schüler Johann Dietrich Busch baute dort 1738 eine Orgel ein. Die wurde 1908 vom schon bekannten Johann Martin Schmidt durch einen Neubau ersetzt. Heute findet sich gar keine „echte“ Orgel mehr in der Kirche. Hinter dem alten Gehäuse von 1738 steht ein Elektronium mit Lautsprechern. Noch erhalten ist der alte Spieltisch von Orgelbauer Schmidt. Er ist hinter den Pfeifen versteckt.

Auch in der Warflether Kirche steht heute ein Instrument, das bei seiner Anschaffung als eine Notlösung gedacht war. Die kleine Orgel, gebaut von der Firma Führer, „sieht aus wie ein Küchenschrank“, findet Pastor Ingmar Hammann. „Der schreckliche Kasten“, hat sie Natalia Gvozdkova im Scherz getauft.

1774 wurde in der St.-Marien-Kirche eine Orgel von Johann-Hinrich Klapmeyer gebaut und 1913 von Johann Martin Schmidt durch einen Neubau ersetzt. Auch dieser hielt sich nicht lange: 1952 erfolgte der Neubau der Firma Führer. „Ein robustes Instrument, aber eigentlich eine Notlösung“, sagt die Kantorin.

Friederike Liebscher Berne/Lemwerder / Redaktion Brake
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