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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Ellwürder Karneval: Baywatch, Bermudas      und Baströckchen

10.02.2014

Nordenham Und wieder steht die Friedeburg Kopf. Die gelben Unterhemden fliegen in die jubelnde, grölende Menschenmenge. Was ist ein Bademantel von Udo Jürgens gegen ein schweißdurchtränktes Feinripp-Textil dieser Ballerinas? Vor allem die Mädels reißen sich drum. Die Jungs vom Männerballett lassen’s krachen am Sonnabend beim Finale des Ellwürder Karnevals. Ein Tornado gestählten Männerkörpern fegt über die Friedeburg-Bühne und reißt sie alle mit. Auch in den hintersten Reihen stehen die Narren auf ihren Stühlen und klatschen zum Discobeat, der aus den Boxen wummert.

Keine Anlaufzeit

600 Besucher in der Stadthalle feiern das bunteste, lauteste, verrückteste Fest des Jahres. Der Bürgerverein Ellwürden hat zur Narrenshow unter dem Motto „Summer Feeling“ geladen. Und da lassen sich die Karnevalisten nicht zweimal bitten. Wie immer braucht das Publikum keine Anlaufzeit, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Ab 20 Uhr ist die Friedeburg eine Tabuzone für Spaßbremsen. Karnevalspräsident Michael Wehming und sein sechsköpfiges Wassernixen-Ensemble tänzeln zu ihren Plätzen und eröffnen anschließend ein Wahnsinnsprogramm.

Die grün-weiße Garde serviert dem Publikum eine spritzige Mixtur aus traditioneller Schenkelparade und rasanten Schrittfolgen. Ihren satirischen Jahresrückblick präsentieren Norbert Hartfil und Heinrich Schröder diesmal als „Kanal-Watch-Team“. Malibu in Ellwürden: Der Bürgervereinsvorsitzende als Hasselhoff-Verschnitt mit Sonnenbrille und Vokuhila-Frisur, sein Stellvertreter als pummelige Pamela mit Flip-Flops und körpereigenen Rettungsringen: So sehen die Lebensretter in Ellwürden aus. Und natürlich wird wieder ordentlich gelästert: über das internationale Ärzteteam der Wesermarsch-Klinik, das außer Deutsch so ziemlich alle Sprachen spricht, über Hotelier Udo  Venema, der als Sternsinger verkleidet das Geld für sein Brauerei-Projekt sammelt und über die FDP, die ihre Mitgliederversammlungen inzwischen in der Telefonzelle abhält.

Fynn Roth und Tim Kröger alias „Lang und Länger“ zeigen in ihrem Sketch, wie man ohne Hände und mit heruntergelassen Hosen Klavier spielt. Zwischen dem zotig-komischen Intermezzo und dem Baywatch-Duo lässt die Jugendgruppe Kokonatz Südsee-Träume wahr werden: Baströckchen, Blumenketten und Bermudas – spätestens jetzt ist die verregnete Welt da draußen vor der Friedeburg so weit weg wie ein entfernter Planet jenseits der Milchstraße.

Exotisch geht’s auch bei der Showtanzgruppe zu: die Männer in Grün, die Frauen in Rot. Mambo Nr. 5: Elf quietschbunte Papageien wirbeln über die Friedeburg-Bühne und bringen die Stimmung im Saal zum Kochen. Das Gleiche gelingt der Gruppe Jive United. Rote Glitzerkleidchen, schwarze Fächer und Mireille-Mathieu-Frisuren: erotisch, lasziv, berauschend und heiß wie Frittenfett – ein Fest für alle Sinne.

Schattentheater

Sich neu zu erfinden, das ist bei einer Feier mit so viel Tradition natürlich schwierig. Die Jungs vom Männerballett schaffen es trotzdem. Sie eröffnen ihren Beitrag mit einem Schattentheater. Peter Maffays „Und es war Sommer“ mit dem markanten Gitarrengezwirbel ertönt. Hinter weißem Tuch schwenken schwarze Männer-Silhouetten Palmwedel und Herzen, nehmen sich in die Arme und lassen die Sonne aufgehen. Ein rührendes Intro als Auftakt für ein explosives Finale, bei dem es zum Schluss kein Halten mehr gibt.

Spätestens jetzt ist das Publikum Teil der Show. Die meisten Besucher haben unglaublich viel Mühe für ihre Maskerade aufgewendet. Die jungen Frauen zum Beispiel, die sich als Pusteblumen verkleidet haben und mit dieser originellen Idee bei der Kostümprämierung gewinnen. Einige brauchen Stunden, um sich in Schale zu werfen: Daniela Stromitzky zum Beispiel und ihre Freundin Silke de Boer: Mit Krankenpfleger-Kitteln, Kunstblut und flüssigem Latex haben sie sich und ihre Begleiter so zurechtgemacht, dass jeder Zombie vor Neid noch mehr erblassen würde.

Manch ein Besucher dürfte am Sonntagmorgen beim ersten Blick in den Spiegel ein ähnlichen Schreck bekommen haben wie beim Anblick des Gruselkabinetts. Denn natürlich geht die Party nach dem Showprogramm weiter. Die Gruppe Sunset Four und ein DJ locken die Narren aufs Parkett. Da wird getanzt, da knallen Sektkorken, da schmettern die Karnevalisten ihr dreifach donnerndes „Ellwürden helau“. Bis in den frühen Morgen wird gefeiert. Und die Aktiven des Bürgervereins können sich mit Blick auf die spektakuläre Stimmung im Saal wieder einmal hochzufrieden auf die Schultern klopfen.



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  Weitere Bilder:   www.nwzonline.de/fotos-wesermarsch 
Jens Milde Nordenham / Redaktion Nordenham
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