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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Konzert: Becker spielt Mey, aber doubelt ihn nicht

18.11.2013

Nordenham Wer seine Augen schloss, hätte schwören mögen, der Liedermacher Reinhard Mey stehe vor ihm auf der Bühne: Diese Stimme, seine leisen Töne, das langsame Ausklingen der Gitarre, Musik, so richtig noch von Hand gemacht.

Kritik noch zugespitzt

Doch es war nicht Mey, es war Becker, Hartmut Becker, im richtigen Leben Doktor der Chemie bei Kronos Titan. Der 53-Jährige liebt die Lieder des gebürtigen Berliners, der zunächst Schlager und Chansons sang und erst später gesellschaftskritisch wurde. Becker mag vor allem aber diesen älteren, politischen Mey und scheut sich auch nicht, die harsche Kritik in den Mey’schen Texten noch weiter zuzuspitzen.

Das Konzert am Sonnabend in der Jahnhalle hatte damit seinen ganz eigenen Charme und wurde so zu einem ganz persönlichen. 180 Becker-Freunde waren gekommen. Und dennoch war es mucksmäuschen still, man hätte eine Stecknadel zu Boden fallen hören können. Nur das von der Gitarre gespiegelte Scheinwerferlicht wanderte nervös durch die Reihen.

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Es war im November 2002: Hartmut Becker hatte sich bei NMT Karten für ein Konzert gekauft. Dabei kam er ins Gespräch mit dem damaligen Jahnhallen-Chef Robert Kohl, erzählte ihm, dass er selbst Gitarre spiele, dass Reinhard Mey sein Vorbild sei. Kohl nahm nicht nur den kleinen Finger, er nahm gleich die ganze Hand: Hartmut Becker solle selbst auf die Bühne und ins Scheinwerferlicht. „Ich dachte, der ist nicht ganz dicht,“ erinnert sich der Nordenhamer heute.

Doch er nahm die Herausforderung an: Im April 2003 spielte Becker Mey. Aber auch nach zehn Jahren auf der Bühne war von Routine noch keine Spur. Hart, so der Nordenhamer Interpret, habe er sich diesen Abend erarbeiten müssen. „Ich danke meiner Familie, dass sie mich ertragen hat. Es war nicht ganz einfach mit mir in den vergangenen vier Monaten. In den letzten zwei Wochen war ich sogar ganz out of order.“

Finger in den Wunden

Becker spielte Mey – aber er doubelte ihn nicht. Er spielte seinen ganz eigenen, den gesellschaftskritischen Mey und sparte weder mit Kritik an den politischen Verhältnissen noch mit dem Tadel am Versagen der Verantwortlichen. Als Spickzettel hatte er einen dicken Aktenordner vor sich liegen mit Reizthemen aus der Tagespresse – und meist unbekannteren Stücke Reinhard Meys. Hier und da veränderte er die eine oder andere Zeile im Liedtext, vor allem aber legte er in seinen Zwischenmoderationen den Finger in die klaffenden Wunden. Da ging es um die NSA-Abhöraffäre: „Als 80 Millionen Menschen abgehört wurden, war es noch gar nicht so schlimm. Aber als dann eine Person betroffen war,…“ und das Lager in Guantanamo: „Wir machen hier die Regeln, und wir sind das Gesetz. Wir sind die Guten und die anderen die Schlechten.“

Es ging um Lehrer, die stets neue Konzepte erarbeiten anstatt sich um die Kinder zu kümmern: „Die vergangenen 40 Jahre waren 40 Jahre der ständigen Reformen.“ Es ging um einen Motorradfahrer, der nach einem Unfall mit dem Tod ringt: „Es ist schon unerträglich, immer wieder von der Schließung der Wesermarschklinik zu lesen. Wenn so etwas in Mitteldeich passiert: Wie kriegt man den Biker dann nur weg?“

Hartmut Becker sang Lieder von Reinhard Mey – Mey hätte nicht authentischer sein können. „Vielen Dank“, rief jemand in den Saal, als der Interpret am späten Abend von der Bühne ging.

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