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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Ein Leben für Melodie und Lyrik

10.01.2019

Berne Manfred Klinkebiel hat sich auf den Weg gemacht. Zu einem spontanen Besuch bei Dirk Lüken. Viele Jahre hat der Oldenburger Maler, Komponist und Schriftsteller den inzwischen 86 Jahre alten langjährigen Kantor in Berne nicht mehr getroffen. Sicherheitshalber macht er sich auf der Webseite der Kirchengemeinde kundig. Was findet er dort? Wenig.

Das passt zu Lükens Bescheidenheit, nicht aber zum Lebenswerk und zur Bedeutung des Musikers – und des Dichters. Es könnte sich ändern. Reinhard Rakow hat ein Buch über Dirk Lüken herausgegeben. Darin liegt der Schwerpunkt auf den weitgehend unbekannten Gedichten dieses Großen der Kirchenmusik.

Der Band eröffnet unter dem Titel „Die einen sagen Dennoch“ eine neue Reihe „Oldenburger Monolithe“ des Geest-Verlages. Wer könnte da besser für kantig wie in Stein gemeißelte Persönlichkeiten stehen als der Komponist, Pianist, Cembalist, Organist, Dirigent, Dichter, Lehrer und seit 1963 Veranstalter der legendären „Berner Abendmusiken“?

Das Buch

Dirk Lüken: „Die einen sagen Dennoch“. Band 1 in der Reihe „Oldenburger Monolithe“ im Geest-Verlag, herausgegeben von Reinhard Rakow. 418 Seiten. 14,80 Euro ISBN 978-3-86685-696-7

Das heißt: Ein unverrückbarer Findling war Lüken eher, weil er mehr als 50 Jahre immer auf derselben Orgelbank in St. Aegidius gesessen hat. Wer die ausgewählten 250 Stücke gereimter und ungereimter Lyrik in ihrer Vorder- und Hintergründigkeit aufnimmt, erkennt jedoch auch einen umfangreicheren Lüken: Einen aufmerksamen, zeitkritischen, offenen und wendigen Beobachter.

Vielleicht hat ihm sein Arzt nach Schlaganfall und zu Parkinson mal gesagt: „Jedes Leben hat eine unbekannte Garantiezeit. Erfreue dich an dem, was dir darüber hinaus zugeteilt ist. Akzeptiere mit dem Kopf Einschränkungen – und unternimm trotzdem etwas dagegen.“ Bei Lüken selbst klingt das natürlich viel feiner: „Ich weiß ja, dass die Welt besteht/aus Stein und Staub und Liebe./Ich find mich ab, so wie es geht/in diesem Weltgetriebe.“

Das hat er auch als „Wunsch“ formuliert: „Ich möchte in dieser verdammten Zeit/bewahren ein Stückchen Ewigkeit/Ich möchte vielleicht sagen: Gott sei’s gedankt/Meint ihr, das sei zu viel verlangt?“ Und in „Klage und Trost“ formuliert er, was ihm Mut macht: „Weiß ich doch lange, zu jeder Zeit/währt auch ein Glück, sind wir nur bereit.“

In einer Schar von Würdigern stellt der Oldenburger Komponist und Musikpädagoge Christoph Keller eine feste Verbindung zwischen Lükens auf der erweiterten Tonalität fußenden Musik und der Lyrik her. Der Lebensstrom des Melodischen finde sich im rhythmischen Gleichgewicht mit den oft von Lüken dichterisch beschriebenen Jahreszeiten wieder. Für die Halt gebende konformistische Tradition und das Bekenntnis zur eigenen Individualität führt Keller jene Zeilen an: „Meine Lieder bring’ ich/in der alten Weis’/Mit Gedanken spring ich/manchmal aus dem Gleis.“

Lükens Musikschöpfungen werden im Band in statistischer Form abgehandelt. Erstmals erscheint ein komplettes Verzeichnis aller Werke. Von vier Sinfonien bis zu einer Sonate für Cello solo summt sich das imaginäre „LWV“ (Lüken-Werke-Verzeichnis) auf 813 Stücke auf, dazu kommen rund 150 Choralsätze. Das hat fast Bachische Ausmaße. Dessen BWV (Bach-Werke-Verzeichnis) endet bei 1080.

Und welchen Lüken hat Klinkebiel bei seinem Überraschungsbesuch im Kantorenhaus angetroffen? Im Rollstuhl einen Menschen in „dieser angenehmen Mischung aus umfassender Bildung, tiefer Bescheidenheit, einer Portion Humor und Realismus.“ Davon gibt Lüken gleich eine Kostprobe: „Das Leben meint es eben ernst mit uns.“

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